diese Bewegung nur Zufall? All' diese Gedanken zuckten pfeilschnell durch Tom Barnwell's Hirn, als er stehen blieb und der Gestalt des rasch Davoneilenden nachsah. Im Augenblick hatte er sich aber auch wieder insoweit gesammelt, einen festen Entschluss zu fassen; auf keinen Fall durfte er jenen Mann aus den Augen verlieren, denn wusste er wirklich noch nichts von seines Weibes Zustand, so war es nötig, dass er es erfuhr, und w u ss t e er es – ihm blieb keine Zeit zu längerem Ueberlegen, mit flüchtigen Schritten folgte er dem jungen Mann, der gerade um die nächste linke Ecke bog, und wollte ihm, dort angelangt, eben nachrufen. Da sah er ihn, keine zwei Häuser entfernt, vor einer Tür stehen, an die er augenscheinlich eben erst angeklopft haben musste. – Dass ihm der, dem er begegnet, gefolgt war, hatte er nicht einmal bemerkt.
Die Strasse bildete hier eine Art von freiem Platz, denn die linke Reihe der Häuser war, die zwei vordersten abgerechnet, weiter zurückgerückt und entielt neben anderen Privatwohnungen auch das etwas allein stehende Gerichtshaus und die County Jail oder das gefängnis. Schräg diesem gegenüber befand sich aber das Haus, vor welchem der vermeintliche Mr. Hawes jetzt stand, und Tom Barnwell schritt rasch und ohne Zögern auf ihn zu. Jener jedoch, viel zu sehr in sein klopfen vertieft und vielleicht ungeduldig, dass ihm von innen nicht geöffnet wurde, musste den sich nahenden Schritt des leichten, mit Moccasins bekleideten Fusses gar nicht gehört haben, denn er bog sich eben zum Schlüsselloch und rief ärgerlich hinein:
"Aber in's drei Teufels Namen, Mrs. Breidelford – ich bin es ja, S a n d e r , und muss Euch wichtiger –"
Er schrak empor – dicht neben sich vernahm er in diesem Augenblick zum ersten Mal die Tritte des ihm Folgenden, und als er überrascht auffuhr, blickte er in das ernste, ruhige Antlitz Tom Barnwell's. Dieser stutzte allerdings über die eben gehörten Worte, war jedoch zu sehr mit dem Zustande Mariens beschäftigt, um ihnen auch nur mehr als flüchtiges Gehör zu schenken. über den Mann selbst aber, der vor ihm stand, blieb ihm kein Zweifel mehr. – Es war H a w e s , und Tom, da er das Zurückschrecken und den ängstlichen blick seines einstigen Nebenbuhlers bemerkte, der scheu die Strasse hinabsah, als ob er sich dem vermuteten Feind durch die Flucht entziehen wollte, sagte, ihn missverstehend, ruhig:
"Fürchten Sie nichts, Sir – ich bin Ihnen nicht in feindlicher Absicht gefolgt und hege in der Tat keinen Groll gegen Sie. Wenn das aber auch wirklich der Fall wäre, so müsste er j e t z t ganz anderen Gefühlen weichen. Wissen Sie, dass Mrs. Hawes hier in der Stadt ist?"
"Ich? – Ja – ich – ich weiss es – ich bin eben auf dem Wege dortin!" stotterte der sonst so kecke und zuversichtliche Verbrecher, der aber in diesem Augenblick ganz ausser Fassung schien. Stieg ihm der Mann, den er da plötzlich vor sich sah, doch fast wie aus dem Boden herauf, und der Gefahr bewusst, in der er sich befand, vielleicht selbst durch den Platz beunruhigt, an dem er betroffen worden, konnte er sich kaum zu einer Antwort sammeln.
"Was? – Sie wissen es? – und sind auf dem Wege dortin?" fragte Tom erstaunt – "Mr. Haves, ich begreife nicht – wer wohnt denn in diesem haus?"
"Nun, Squire Dayton doch!" rief Sander, der kaum wusste, was er sagte, und noch nicht einmal gesammelt genug, selbst nur dem fest auf ihm haftenden blick des jungen Bootsmanns zu begegnen.
"Squire Dayton?" wiederholte Tom langsam und zum ersten Mal mit wirklichem Misstrauen – "Sie nannten eben einen a n d e r n Namen, Sie riefen eine D a m e an, der Sie W i c h t i g e s mitzuteilen hätten – nicht so?"
"Ich sage Ihnen, ich bin eben im Begriff, Squire Dayton's Haus aufzusuchen!" rief da Sander, jetzt zum ersten Mal seine verlorene Fassung wieder gewinnend. – "Die Dame, die hier wohnt, wollte ich nur – sie sollte Krankenwärterin meiner Frau werden, aber sie – sie scheint nicht zu haus zu sein."
"Nein – so scheint es," erwiderte Tom kalt und war jetzt fest entschlossen, dem mann nicht von der Seite zu weichen, bis ihm dessen sonderbares Benehmen erklärt sei – "wissen Sie Squire Dayton's Haus?"
"Ja – ja wohl – es liegt an der obern Grenze der Stadt – ich bitte Sie, mich dort anzumelden. – Ich werde gleich nachkommen, Mr. Barnwell, ich hoffe dort das Vergnügen zu haben –"
Er lüftete den Hut und wollte sich von dem jungen Mann abwenden.
"Halt, Sir!" sagte dieser aber und ergriff seinen Arm – "ich kann Sie nicht so fortlassen – Marie – Mrs. Hawes liegt, ihrer Sinne nicht mächtig, nur wenige Strassen von hier entfernt – und Sie – wie ich jetzt kaum anders glauben kann, w i s s e n darum und wandern in diesen Kleidern, offenbar nicht Ihren eigenen, in einem fremden teil der Stadt umher."
"Sie nennen Ursache und