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täuschte, vor der Tür. Torby glitt hinaus, den Besuch zu erkunden, kehrte aber gleich darauf mit dem erschöpften Sander zurück, der in den fremden Kleidern, mit den flatternden Haarenden Hut hatte er unterwegs in den büsche verlorengar wild und verstört aussah.

"Sendet einen Boten nach Kelly" – waren die ersten Worte, die er dem Wirte flüsternd zurief – "aber raschraschraschhabt Ihr die Ohren verstopft, Holzkopf? einen Boten sollt Ihr an Kelly senden."

"Der kapitän ist hier," sagte endlich der durch die wilde Anrede und das wunderliche Aussehen Sanders erstaunte Wirt – "er hat schon nach Eurem eigenen Boten gefragt."

Ohne ein weiteres Wort des Alten abzuwarten, schob ihn der junge Mann zur Seite, warf sich die Haare aus der Stirn und trat rasch in den mit Gästen gefüllten Raum. Lauter Jubelruf schallte ihm hier entgegen, und von mehreren Seiten hoben Einzelne die Becher zu ihm auf, dass er mit ihnen trinken solle. Aber nur einen von diesen ergriff er, leerte ihn, ohne es auch nur erst der Mühe wert zu halten, zu prüfen, was er entalte, bis auf die Hefe, und trat dann, nicht einmal mit einem Kopfnicken dafür dankend, rasch in die vorerwähnte Tür, die er hinter sich verriegelte.

Kelly war allein und fasste ihn scharf in's Auge, Sander aber, nachdem er nur einmal den blick scheu im Kreise umhergeworfen hatte, um sich vor allen Dingen zu überzeugen, dass Niemand weiter seine Worte höre, trat dicht an den kapitän hinan und flüsterte leise:

"Wir sind verraten."

Erstaunt sah er zu dem Führer auf, denn dieser, anstatt, wie er erwartete, vor der fürchterlichen Botschaft zurückzuschrecken, hielt den ruhigen, kalten blick fest auf ihn geheftet. Das einzige, was er darauf erwiderte, war:

"Weshalb habt Ihr Euren Auftrag nicht erfüllt?"

Sander, hierüber fast ausser Fassung gebracht, zögerte einen Augenblick, und Kelly, der gewohnt war, in der Seele der Menschen zu lesen, durchschaute ihn im Nu. Der junge Verbrecher aber, vielleicht mehr durch des Capitains Betragen als durch die Frage überrascht, sammelte sich gleich wieder und erzählte nun so kurz, aber auch so genau als möglich die Vorgänge bei Livelys, bis zu des Mulatten geständnis, bei dem Cook und der Doctor Zeuge gewesen waren. – Seine Gründe, weshalb er zu solcher Zeit den Mulatten nicht verlassen durfte, warendas wusste er auch recht gutwichtig genug und alle Nebenpläne mussten jetzt fallen, wo es galt, das Leben vor den aufmerksam gewordenen Bewohnern des Staates zu retten.

Kelly erwiderte ihm keine Silbe, sondern trat nur an das kleine nach dem Strom gelegene Fenster und blickte sinnend in das weisse Nebelmeer hinaus, das seine Fläche bedeckt hielt. Sander schritt indessen ungeduldig auf und ab, bis ihm das lange Schweigen peinlich wurde und er es mit einem halb ängstlichen halb trotzigen "Nun, Sir?" brach.

"Nun, Sir?" wiederholte der kapitän und wandte sich langsam gegen ihn – "das, was ich lange befürchtet, ist endlich eingetroffen, und es wundert mich weiter nichts davon, als dass diese sonst so scharfsichtigen Waldläufer, mit all' ihrem gepriesenen indianischen Spürsinn, die Sache nicht früher herausbekommen und uns jetzt vollkommen Zeit gegeben haben, unser Schäfchen ins Trockene zu bringen."

"In's Trockene?" sagte Sander erstaunt, "verdammt wenig Schafe sind's, die ich in's Trockene gebracht habeich hoffte auf die morgende Teilung der in Euren Händen befindlichen Vereinskasse, und habe mich so rein ausgegeben, dass ich nicht einmal Kajütenpassage nach New-Orleans bezahlen könnte. In's Trockene bringenzum Henker, kapitän, Ihr nehmt die Sache verdammt kaltblütig! Wisst Ihr denn, dass uns die verdammten Schufte in jedem Augenblick hier auf den Hacken sitzen können? Dochnoch Einsich muss Euch um Vorschuss bitten, Sir, man weiss doch jetzt nicht, wie die Sachen stehen und was Einem passieren kann, und da ist's gut, wenigstens so viel in der tasche zu haben, um vielleicht für den Augenblick eine kleine Reise machen zu können. Schiesst mir fünfhundert Dollar vor und zieht sie mir morgen Abend von meinem Anteil ab. Ich muss auch in den Kleiderladen in Helena, und mir neue Sachen schaffen. Ich sehe wahrhaftig wie eine Vogelscheuche im Herbst aus, und kann mich gar nicht so vor den Damen wieder sehen lassen."

"Ihr tätet überhaupt besser, Euch von denen heute etwas fern zu halten," sagte Kelly ruhig lächelnd; "wie ich gehört habe, ist dort Besuch angekommen!"

"Besuch? – Was für Besuch? – Ist Lively schon hier?"

"Nein, D a m e n b e s u c h – Mrs. Hawes von Sinkville."

"Unsinnlasst Euern Scherz jetzt. Donnerwetter, Mann, das Messer sitzt uns an der Kehle, und Ihr steht da und lacht und spasst, als ob wir uns auf irgend einem guten Segelschiff und etwa tausend Meilen von Amerika entfernt befänden. Mir ist jetzt gar nicht wie spassen."

"Und wer sagt Euch denn, dass es m i r so wäre?" erwiderte Kelly ernst. "Ich spasse nicht, Sir, – M r s . H