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, um jene Insel zu untersuchen."

"Wer? der Ire?" fragte der Squire schnell.

"Nun ja, er will überhaupt allerlei Verdächtiges in letzter Zeit bemerkt haben, und behauptete sogar, es müsse dort irgend eine Art von Spielhölle existiren, die das böse nichtsnutzige Gesindel so in Helenas Nähe halte. Er war seiner Sache ziemlich gewiss und ist jetzt den Strom hinunter, um sich vollkommen davon zu überzeugen. Ich selbst möchte nur noch abwarten, wie die Veränderung auf den Zustand jener unglücklichen Frau einwirkt, und dann nehme ich meine Jolle und fahre so rasch als möglich nach Victoria, unser Flatboot zu überholen. Unterwegs will ich übrigens selbst dort landen, wo ich die arme gefunden, und einem alten Jäger, wie ich bin, wird es nicht schwer werden, zu entdecken, was jener Ort verbirgt."

"Sie fahren allein?" fragte der Squire.

"Leider, ich muss Steuermann und Bootsknecht spielen, doch das kann nichts helfen, wenn sich nur der verwünschte Nebel ein klein wenig aufklären wollte."

"Ja, ja," sagte Dayton, "wie es jetzt ist, würde es Ihnen auch unmöglich werden, stromab zu gehen; sobald Sie die Ruder eingelegt haben, wissen Sie nicht mehr wohin. Ich rate Ihnen auf jeden Fall, erst den Nebel abzuwarten, vielleicht finden Sie bis dahin auch eine Begleitung. Es sind fast stets Leute hier, die nach Victoria hinüber wollen."

"Nun, statt mancher Begleitung führ' ich lieber allein," meinte Tom. "Wenn mich übrigens Jemand, um seine Passage zu verdienen, hinabrudern wollte, hätt' ich nichts dagegen. Das wird übrigens Keiner tun, und ich habe auch keine Zeit, darauf zu warten. Kann ich in dem Nebel nicht rudern, ei nun, so lass ich das Boot eben treiben, und die Strömung muss es ja dann mit hinab nehmen; jeder Snag, an dem ich vorbeikomme, sagt mir die Richtung der Flut, und überdies kann ich mich ja auch im Anfange noch ein wenig in der Nähe des Ufers halten. Doch ich muss einmal nach meinem Boote sehenes ist nicht angeschlossen, und ich traue den Burschen hier nicht besonders viel Gutes zu."

"So erwarten Sie mich wenigstens, ehe Sie abfahren, an Ihrem Boote," sagte der Richter; "ich will Ihnen ein paar Zeilen an den Friedensrichter in Sinkville mitgeben, damit Sie, im Fall Sie wirklich etwas Verdächtiges entdeckten, dort gleich Unterstützung fänden. Die junge Dame soll indess gut aufgehoben sein."

"Ich fürchte das Schlimmste für die Unglückliche," seufzte Tom und schritt langsam dem Flussufer zu, während der Richter stehen blieb und ihm lange und sinnend nachschaute.

Noch stand er so, als ein kleiner weisser Knabe auf ihn zutrat und ihm ein locker und unordentlich zusammengefaltetes, aber mit vielen Siegeln fest verklebtes Briefchen gab, das er las und zu sich steckte. Dann ging er langsam Mainstreet hinab und verschwand in der nächsten, rechts abführenden Strasse.

22.

"Zum grauen Bären."

dicht an Helena, und zwar die nördlichste Grenze der Stadt bildend, ja eigentlich fast wie ein verlorener Posten, schon über das Weichbild derselben hinausgerückt, stand ein einsames Häuschen ganz dicht am Ufer, im Norden und Westen hoch von Bäumen, im Osten vom Mississippi, im Süden aber, und zwar nach der Stadt zu, von dichtem, niederem Buschwerk eingeschlossen, das einer vorjährigen, unbenutzten Rodung entwuchert war. Frontstreet führte übrigens bis hier heraus, wenigstens verkündete das ein neben der "ausgehauenen" Strasse an eine starke Eiche genageltes kleines Brett, und der ganze umliegende Platz war auch in einzelne "Lots" oder Bauplätze abgeteilt, von Speculanten aber angekauft und liegen geblieben, da sich die meisten Ansiedler lieber dem wacker gedeihenden Städtchen Napoleon, an der Mündung des Arkansas, anschlossen. Dieses erhielt nämlich durch den Arkansas eine ununterbrochene Verbindung mit dem ganzen ungeheuren Westen der Vereinigten Staaten, während Helena gerade im Westen fast gänzlich durch jene ungeheuren Sümpfe von den auch nur sparsam dort zerstreuten Ansiedelungen he konnte es mit Little Rock und Batesville eine Verbindung unterhalten, die noch überdies nach der ersteren Stadt das ganze Jahr hindurch leichter auf Dampfbooten bewerkstelligt wurde. Selbst nach Batesville liefen kleine Dampfer schon bei nur mässigem Wasserstande.

Der Besitzer jener dicht am Ufer gelegenen "Lots" schien auch geglaubt zu haben, seine Rechnung in der Bebauung des Platzes selbst zu finden, denn er errichtete dort ein ziemlich geräumiges Häuschen, lichtete den Wald um dieses herum und begann sogar ein in der Nähe gelegenes und ihm gehöriges Feld zu bebauen. Bald aber, wie es bei den westlichen Pionieren und Backwoodsmen gewöhnlich geschieht, fing ihm der Ort an zu missfallen; Helena hatte sich nicht so rasch, wie er es erwartet, vergrössert, und er verkaufte, kaum zum Betrag der darauf verwendeten Arbeitskosten, sein kleines Besitztum an einen früheren Bootsmann. Dieser liess sich dort nieder, erhielt vom Richter die erlaubnis, spirituöse Getränkenur nicht an Indianer, Neger und Soldaten, nach dem amerikanischen gesetzzu verkaufen, und musste auch wohl ganz gute Geschäfte machen, denn er legte bald darauf noch ein Flatboot dicht an sein Haus an, das bei hohem wasser mit diesem fast parallel stand, im Frühjahr aber tief unten auf dem Strome an langen Tauen befestigt lag, während eine in die Ufererde gestochene Treppe die Verbindung zwischen Land und wasser unterhielt.

Allerdings wollte