1847_Gerstcker_147_109.txt

."

"– mich schon darum gebeten, ich aber habe Euch grob angefahren und Euch geheissen, zum Teufel zu gehen."

"Hahahaha," – lachte O'Toole, – "Smart spielt einmal wieder den Herrn im haus. – Nun meinetwegen, versuchen kann ich das, und auf jeden Fall ist's besser, als wenn ich sagte, Ihr schicktet mich deshalb. Good bye, Gentlemen, Good bye, die Zeit vergeht, und bei Gott, wir bekommen auch einen ächten Mississippi-Nebel. Nun wahrhaftig, wenn das nur nicht ärger wird, und ich habe noch dazu neulich meinen Compass verloren. Da geh' ich lieber zum Richter und borge mir da einen, der führt ihn so immer in der tasche. – Der Henker mag das Rudern holen, wenn man nicht weiss, wo Nord und Süd ist."

"Und soll ich jetzt mit zum haus gehen?" fragte Tom, als O'Toole des Richters wohnung zuschritt, "ich hätte gern Gewissheit über ihr Schicksal, denn zu lange darf ich mein Boot nicht verlassen."

"Nein, jetzt noch nicht," sagte Smart – "bleibt meiner Frau lieber noch ein bischen unter den Augen weg. Sie ist herzensgut, will aber immer gern ihren eigenen Willen haben, und so lange mir der nicht geradezu in die Quere läuft, lass ich ihr auch die Freude. Ihr habt übrigens keine Eile, das Flatboot erreicht heute Victoria nicht, ja liegt vielleicht jetzt schon irgendwo an einer Sykomore festgebunden, denn bei dem Nebel, der gerade den Fluss heraufkommt, also weiter unten schon ärger ist als hier, dürfte der beste Lootse nicht wagen, mit einem Flatboot unterwegs zu sein. Er würde auf irgend eine Sandbank laufen und das Steigen des Wassers abwarten müssen, oder gar, was noch viel schlimmer wäre, auf irgend einen Snag rennen, und dann sänk' er so tief, dass ihm nicht einmal das Steigen etwas Weiteres hälfe. Also geduldet Euchdie Nacht bleibt Ihr bei mir, und morgen früh wollen wir schon sehen, wie es weiter wird."

Tom Barnwell, der wohl einsah, dass er dem Rate des gutmütigen Yankee folgen müsse, schlenderte langsam am Ufer hin, um zu sehen, ob er nicht auf einem der anderen Flatboote vielleicht einen Bekannten finde. Das war jedoch nicht der Fall, und er wollte eben in die Stadt zurückgehen, als er Pferdegetrappel hinter sich hörte. Gleich darauf sah er zwei Damen die Strasse herabsprengen, die, aus dem inneren des Landes kommend, den Fluss gleich oberhalb Helena berührte und dicht an dessen Ufer etwa hundert Schritt hinführte, ehe sie wieder, nach Squire Dayton's wohnung zu, rechts abzweigte.

Tom blieb einen Augenblick stehen, um sie an sich vorüber zu lassen, und sah zu ihnen empor; die Sonnenbonnets aber, die beide trugen, verhinderten ihn, ihre Züge genau zu erkennen. Nur einmal, als die Jüngste ihre klaren Augen einen Moment fest auf ihn heftete, war es ihm fast, als ob er das Gesicht schon einmal gesehen habe, doch wurde ihm der Anblick zu schnell wieder entzogen, als dass er zu irgend einer Gewissheit darüber hätte kommen können. Ueberdies gingen ihm jetzt viel andere, ernstere Dinge im kopf herum, und er schritt schweigend, der unbekannten Reiterin nicht mehr gedenkend, in die Stadt.

21.

Tom Barnwell findet eine Freundin Marie's. –

Seine Unterredung mit dem Squire.

Jene beiden Damen, welche der junge Bootsmann am Ufer des Flusses gesehen, waren Adele und Mrs. Dayton gewesen, die von Lively's zurückkehrten und nun in kurzem Galopp vor ihr Haus sprengten. Ihr Mulattenknabe empfing sie schon an der Tür und nahm ihnen rasch die Pferde ab, während Mrs. Dayton zuerst nach ihrem Gatten fragte.

"Squire Dayton ist diesen Nachmittag fortgeritten," lautete des Knaben Antwort, – "Mr. O'Toole hat ebenfalls nach ihm gefragt. Er muss aber schon wieder in Helena sein, denn vorhin brachte ein Matrose von dem Dampfschiff, was unten an der Landung liegt, sein Pferd, und sagte, Master würde bald nach haus kommen."

Die Frauen stiegen schweigend die Treppe hinauf, und Adele legte nur ihr Bonnet ab, warf sich die langen vollen Locken aus der Stirn und öffnete das Clavier. Langsam glitten ihre Finger zuerst über die Tasten hin; in leisen, kaum hörbaren Accorden deutete sie mit leichtem Griff einzelne Melodien an. Immer fester aber wurde die wehmütig ernste Weise, in die zen die sanften Töne in einander, und erst da, als sie plötzlich schroff in einen Dur-Accord überging und nun in rauschenden, wilden Harmonien die frühere Schwäche zu bannen, wenigstens zu betäuben suchte, glänzten und blitzten ihre holden Augen wieder in dem alten gewohnten Feuer, und die kleinen zarten Finger berührten die Tasten mit so festem, sicherem Anschlag, dass dieser auch wieder in seiner Rückwirkung der Seele der Spielenden Festigkeit und Sicherheit zu geben schien.

Mrs. Dayton hatte indessen, von Nancy dabei unterstützt, ihre Reitkleider abgelegt, sass in ihren weichgepolsterten Stuhl zurückgelehnt, das reizende, aber etwas bleiche Antlitz in die Hand gestützt, sinnend da, und heftete nur manchmal das Auge fest und prüfend auf das halb von ihr abgewandte Köpfchen der jüngeren Freundin.

"Was fehlt Dir, Adele?" fragte sie endlich leise, während ein kaum merkliches Lächeln um ihre Lippen