sonst noch unglücklich war. – Uebrigens hast Du auch gar nichts damit zu tun; die Sache geht Dich weiter nichts an, das Mädchen mag meinetwegen ein paar Tage hier bleiben, und wenn es sich ordentlich beträgt und sich wieder erholt, so wollen wir sehen, was weiter wird. Ich brauche so Jemanden als hülfe im haus, wenn ich nicht förmlich draufgehen und mich aufreiben soll. Das ist Dir aber einerlei – Du gehst Deinen Geschäften oder Vergnügungen nach und kümmerst Dich nicht darum, wie sich Dein armes Weib plagen und quälen muss. Du weisst freilich nicht, wie es so einem armen Wesen zu Mute ist, das keine Eltern mehr hat und nun verlassen in der Welt steht. – So seid Ihr Männer aber – harterzige Egoisten, alle mit einander, und uns, die wir so etwas besser wissen müssen, denen der liebe Herrgott ein Herz in die Brust gelegt hat, das Leiden Anderer zu fühlen – u n s wollt Ihr dann auch noch vorschreiben, was wir tun oder lassen sollen, wenn es sich um etwas handelt, wo eben nur ein Weib über ein Weib entscheiden kann. Das lass Dir aber nur nicht weiter einfallen; das Mädchen bleibt jetzt bei m i r , bis ich sie selber fortschicke."
Und damit verliess Madame das Zimmer, warf die Tür heftig hinter sich zu, und stieg stracks zu dem Zimmer des armen Kindes hinauf – freilich jetzt in anderer Absicht, als sie vorhin in ihrem Selbstgespräch geäussert hatte. Jonatan aber schob wieder, wie das so seine Art war, wenn er entweder gar ernstaft über etwas nachdachte oder sich ganz aussergewöhnlich freute, die hände tief in seine Beinkleidertaschen hinein und schritt, aus Leibeskräften den Yankee Doodle pfeifend, in dem kleinen Zimmer auf und ab.
20.
Der Ire teilt Jonatan Smart seinen Verdacht
mit. – Tom Barnwell's zeugnis.
Jonatan Smart wurde in seinen höchst erfreulichen Selbstbetrachtungen durch einen Besuch unterbrochen, der ihn nicht allein störte, sondern auch ohne weitere Umstände seine Aufmerksamkeit auf längere Zeit verlangte.
"Nun, O'Toole?" fragte der Wirt, als er ihn erstaunt betrachtete – "wo habt Ihr denn gestern und heute den ganzen Tag gesteckt? Ihr waret ja auf einmal ordentlich verschwunden! Donnerwetter, Mann, wie seht Ihr denn aus?"
"Verschwunden?" wiederholte O'Toole – "nein, das wohl nicht, aber heimlich fortgegangen – ja. Doch hört, Smart – ich habe ein Wort mit Euch zu reden und machte das, aufrichtig gesagt, lieber mit Euch im Freien ab. Hier in dem Zimmer, denke' ich immer, kann man nichts sagen, was der Nachbar, der an der andern Seite der Wand steckt, nicht ebenfalls hören müsse, und da mir keineswegs damit gedient wäre, dass die ganze Stadt gleich von Haus aus erführe, was ich Euch mitzuteilen habe, so dächt' ich, gingen wir ein bischen, meinetwegen an's Flussufer hinunter, spa
"So? Also Geheimnisse?" lachte Smart, "nun, da muss ich ja wohl mitgehen. Aber was betrifft's?"
"kommt erst hinaus, dort draussen spricht sich's besser," erwiderte der Ire, und ohne weiter eine an ihn gerichtete Frage zu beachten, verliess er rasch das Haus, und schritt dem Flussufer zu, wo ihn Smart bald einholte und stellte.
"Nun, zum Henker, was rennt Ihr denn so?" rief er hier, als er den kleinen Mann hinten am Rockkragen fasste und festielt. "Wir wollen doch wahrlich nicht zu Fuss nach dem Arkansas, dass Ihr dortin SiebenMeilen-Schritte macht."
"Smart," sagte O'Toole, indem er plötzlich stehen blieb und sich gegen den Wirt wandte, "Ihr erinnert Euch doch, dass neulich Abends jenes Boot dort hinüber ruderte –"
"Ja wohl."
"Gut – das Boot ist nicht bei Weatelhope gelandet."
"Das ist erschrecklich," meinte der Yankee lächelnd – "aber wo denn sonst?"
"Das weiss ich eben nicht," rief der Ire ärgerlich und stampfte mit dem fuss den Boden.
"Ihr habt mir in der Sache allerdings kein Stillschweigen auferlegt, Mr. O'Toole," bemerkte Smart feierlich, "ich versichere Euch aber nichts destoweniger, und zwar ganz von freien Stücken, dass ich keiner sterblichen Seele dieses mir anvertraute geheimnis je – selbst nicht unter peinlicher Tortur vertrauen oder gestehen werde."
"Smart – die Sache ist ernstafter, als Ihr glaubt," rief O'Toole ärgerlich. – "Allerdings weiss ich nichts Bestimmtes, ein geheimnis liegt aber diesen Booten zum grund. Jenes Fahrzeug ist nicht drüben gelandet, aber auch nicht, weder stromauf noch stromab am Ufer hingefahren; ich bin eine ganze Strecke hinauf und hinunter gegangen, und überall haben mir die Leute versichert, es könne kein Ruderboot, ausser mit umwickelten Rudern, zu jener Stunde an ihrem Ufer vorbeigefahren sein, ohne dass sie es gehört hätten. Weshalb sind nun die Burschen da hinüber gefahren, wenn sie nicht landen wollten? Einfach deshalb, um uns hier glauben zu machen, sie gingen d o r t hinüber, während ihr Ziel ganz wo anders lag – und w e i t kann das Ziel auch nicht von hier sein, sie hätten sich sonst nicht solch' unnütze Mühe mit uns gegeben. Ich bin jetzt – und d a