den Hut fast noch weiter nach hinten gedrückt als gewöhnlich, mit schnellen Schritten in der stube auf und ab.
"Wer hat mir die Mamsell in's Haus –?" Waren die ersten Worte, die sie sprach, und sie stemmte dabei, als ob sie ihren Grimm erst recht von unten heraufdrücken wollte, die arme in die Seite. Sie unterbrach sich aber selbst in ihrer Rede, als sie Niemanden bei ihrem Mann bemerkte, wo sie doch gewiss glaubte, Stimmen gehört zu haben. – "Mit wem sprachst Du denn eigentlich eben hier?" sagte sie dann erstaunt und schaute sich überall um – "ich weiss doch, dass ich Jemanden reden hörte."
"Wohl möglich," erwiderte der Gatte kurz, ohne den blick auch nur einmal auf sie zu heften – "ich kann mit mir selbst gesprochen haben. Doch das ist einerlei, ich will nichts mit vagabondirendem Gesindel zu tun haben, und ich muss Dich bitten, mein Kind, mich künftig, ehe Du Gäste, das heisst s o l c h e Gäste, k r a n k e Gäste in's Haus nimmst, davon zu benachrichtigen."
Mrs. Smart blieb vor Verwunderung, ohne auch nur eine Silbe darauf zu erwidern, stehen.
"Es ist ganz gut, mildtätig zu sein," fuhr der Wirt, ihr Erstaunen gar nicht beachtend, fort – "ich will aber mit dem Bootsgesindel nichts zu tun haben. Niemand hat weiter Not und sorge davon als ich, und Niemand –"
"So?" fuhr jetzt plötzlich Mrs. Smart auf, denn Jonatan hatte eine Saite berührt, die jedesmal bei ihr einen rauschenden Anklang fand – "so – d e r gestrenge Herr da hat Not und sorge davon, wenn Gäste im haus sind? Er kocht wohl das Essen, oder hält Betten und Stuben rein? oder besorgt Wäsche und sonstige Gegenstände, die zu Küche und Haus gehören? Hat nun je ein Menschenkind schon so etwas gehört? Wo aber kommt das Mädchen her? Wer hat sie mir in's Haus gebracht, und was soll mit ihr geschehen?"
"– wird dann auch später einmal dafür verantwortlich gemacht," sagte Jonatan, der, während sie sprach, ihr ruhig in's Auge gesehen hatte und nicht um die Welt einen einmal begonnenen Satz unvollendet gelassen hätte.
"Wer sie in's Haus gebracht hat, will ich wissen," rief Mrs. Smart ärgerlich.
"Das kann uns gleichgültig sein," entgegnete Jonatan, – "ein junger Farmer von Indiana war's – es ist seine Schwester, und er ist fremd hier und meint, die person müsste elend umkommen, wenn sich nicht eine rechtschaffene Frau ihrer annehme, weil er jetzt, um seinen Geschäften nachzugehen und sein Leben zu fristen, den Fluss hinab muss. Was geht das aber u n s an? Ich kann hier kein krankes geschöpf warten und pflegen und – will die Umstände und den Spectakel auch nicht in meinem haus haben."
"P e r s o n – G e s c h ö p f ? Ja, das ist so die Art, wie die Herren der Schöpfung von einem armen Frauenzimmer reden, das nicht ein Seidenkleid an und einen Federhut auf hat" – fiel ihm hier Mrs. Smart etwas pikirt in die Rede – "Du brauchst auch kein krankes G e s c h ö p f zu warten und zu pflegen – das wäre auch die rechte Wartung und Pflege, die es bekäme. Wo ist denn aber der Musjö, der hier anderen Leuten seine S c h w e s t e r in's Haus bringt?"
"Fort!" rief Mr. Smart in höchster Aufregung – "fort ist er – das ärgert mich ja eben so – zwingt mir die person ordentlich auf – sagt, i c h hätte überhaupt darüber gar nichts zu bestimmen, das wäre der Hausfrau Sache, und Mrs. Smart's Edelmut wäre bekannt und noch mehr solchen Unsinn, und fort ist er nun, mitten in den Wald hinein, vielleicht nach Little Rock oder sonst wohin. Doch was geht das mich an? – Macht er sich so wenig aus seiner kranken Schwester, dass er sie auf solche Art fremden Leuten überlässt, so brauch' i c h noch weniger teil an ihr zu nehmen. Nicht einmal ein einziges Kleidungsstück hat sie mit – nicht einmal ein Hemd, ihre Wäsche zu wechseln."
"Mr. Smart!" rief Mrs. Smart auf das Tiefste empört aus – "ich muss Sie bitten, Ihre Ausdrücke anständiger zu wählen, wenn Sie in meiner Gegenwart von solchen Sachen reden wollen. Ich bin gerade so gut eine Lady, als ob ich in New-York oder Philadelphia wohnte. Wo hat übrigens der gestrenge Herr bestimmt, dass die Kranke hingeschafft werden soll?"
"Hingeschafft? Was kümmert das uns?" sagte Jonatan. "Scipio soll sie vor die Tür führen, und sie mag gehen, wohin es ihr beliebt. Ich will weiter nichts mit ihr zu tun haben."
"Vor die Tür können wir sie nicht setzen," sagte Mrs. Smart, "das ist gegen Menschen- und Christenpflicht, und ich will mir nicht nachgesagt haben, dass ich so ein armes Ding aus dem haus geworfen hätte, bloss weil es kein Geld und keine Kleider hatte und