-Rad war nämlich ganz zertrümmert, und sie mussten mit dem ebenfalls beschädigten Starbord-Rad allein gegen den Strom anarbeiten. Hierdurch wurde der Bug aber natürlich gegen Larbord hinübergeworfen, was das Steuer aussergewöhnlich anstrengte. Endlich noch mit einem starken Tau versehen, schien es genügend zu sein; die Maschine fing wieder an zu arbeiten, und wie ein verwundeter Leu, der traurig die zerschossene Pranke nachschleppt, so keuchte und ächzte das verletzte Boot schwerfällig stroman.
Die Sonne hatte den Zenit schon überschritten, als sie Helena erreichten und dort landeten, um vor allen Dingen erst wieder ordentlich flusstüchtig zu werden. Tom Barnwell aber, der in peinlicher Ungeduld sich zehnmal an's Ufer gewünscht hatte, um zu Fuss schneller noch die Stadt zu erreichen und der Abfahrt des alten Edgewort zuvorzukommen, war indess den ganzen Morgen bittren Unmuts voll auf dem Hurricanedeck hin und her gelaufen, und hatte vergebens nach den zahlreichen vorbeitreibenden Flatbooten ausgeschaut. Eins sah aus wie das andere, und er konnte unmöglich erkennen, welches das sei, zu dem er gehöre.
Einmal zwar glaubte er an mehreren, nur dem Auge eines Bootmannes bemerklichen Kleinigkeiten, und trotz des beginnenden Nebels, die Schildkröte zu erkennen, und hatte schon die hände trichterförmig an den Mund gelegt, sie wo möglich anzurufen; da entdeckte er an Bord jenes Bootes eine Menge Kisten und zwischen diesen eine Frau, die, wie es ihm vorkam, geschäftig unter ihnen herumging. Das konnte ihr Boot also auch nicht sein – an Bord der Schildkröte war keine Frau, und er hoffte jetzt nur, Edgewort werde, vielleicht durch irgend etwas aufgehalten, Helena noch gar nicht verlassen haben.
Darin sollte er sich freilich getäuscht sehen – das Boot war wirklich und, wie er später erfuhr, erst ganz kurze Zeit vor seiner Ankunft abgefahren, und als er hörte, dass der Alte eine Frau als Passagier mitgenommen, wusste er auch gewiss, er habe sich in dem Boote damals nicht geirrt. Hier half aber freilich kein langes Ueberlegen weiter, und er geleitete nur vor allen Dingen das arme Mädchen, das sich willenlos an seinen Arm hing, so rasch als möglich in das Union-Hotel, und erzählte dort, allen weiteren fragen darüber auszuweichen, ebenfalls wie auf dem Dampfboot, dass es seine Schwester sei, die von New-Orleans heraufgekommen wäre.
Hier aber hatte er noch mit einer und allerdings am allerwenigsten erwarteten Schwierigkeit zu kämpfen, denn Mr. Smart, der ihm in das Zimmer hinauf folgte und sich bald selbst von dem trostlosen Zustande der Unglücklichen überzeugte, erklärte ihm ganz frei und offen, dass er, was ihn selbst beträfe, das arme Wesen von Herzen gern bei sich aufnehmen und verpflegen würde, dass dieses aber w e i b l i c h e r Pflege bedürfe, und seine Frau jetzt so mit Geschäften überhäuft sei, wie noch nie vorher. Sie befand sich deshalb auch in keineswegs rosenfarbener Laune, und er versicherte dem jungen mann, sie würde, wenn ihr das Mädchen so ohne Weiteres aufgebürdet werden sollte, nicht allein aus Leibeskräften dagegen protestiren, sondern auch in diesem Departement, wo ihr Befehl vor allen anderen gelten musste, ohne Umstände die Wiederentfernung der Kranken verlangen.
"Aber wo um Gottes willen soll ich mit dem armen Wesen hin?" sagte Tom traurig, als er dem Wirt den wahren Verlauf der Sache erzählt hatte. "Das Boot ist fort, ich m u ss nach, denn ich habe nicht allein mein ganzes kleines Vermögen, sondern auch alle meine Kleider dort an Bord, und dieses unglückliche Weib darf ich in ihrem Zustande, ohne Schutz, ohne Freunde hier, in einer fremden Stadt, unmöglich zurücklassen. – Eben so wenig kann ich sie aber mit mir nehmen; behaltet sie deshalb hier, mein guter Herr, und seid versichert, dass ich vielleicht schon in wenigen Tagen wieder zurück bin und Euch dann reichlich vergüten werde, was Ihr an ihr getan."
Ihr Gespräch wurde hier von aussen her und auf etwas laute Weise unterbrochen, denn draussen auf dem Gange hörten sie plötzlich Mrs. Rosalie Smart, die eben in keineswegs freundlichen Ausdrücken dagegen eiferte, dass hier jeder "lumpige Bootsmann" hereinfallen sollte, um ihr seine Dirne in's Haus zu schleppen.
"Schwester?" rief sie dabei, wahrscheinlich auf eine von dem Neger gemachte Entgegnung – "S c h w e s t e r ? – was da Schwester – da könnte Jeder kommen und seine Schwester bringen. Und noch dazu nicht recht bei Sinnen – na weiter fehlte mir gar nichts. Jetzt, wo ich Tag und Nacht nicht weiss, wo mir der Kopf steht; jetzt, wo ich mich plakken und quälen muss, um nur das Haus in Ordnung zu halten und die g e s u n d e n Gäste zu bedienen, ja wo nur erst noch gestern mein Mädchen fortgelaufen ist, das mir diese person, diese Mrs. Breidelford abspenstig gemacht hat, jetzt soll ich auch noch Krankenwärterin werden? So? oder will Mr. Smart das junge Ding vielleicht gar selber warten und pflegen? Nein, daraus wird nichts, aus dem haus muss sie mir wieder, und das gleich; ich will doch sehen, wer hier Zimmer zu vergeben hat, Mr. Smart oder ich. Wenn e r das besorgen will, so soll er auch die Wirtschaft führen und die Betten in Ordnung halten, und dann bin ich nachher ganz überflüssig – ich