zu Starbord leise schwankenden Weiden, ob sie noch auf der alten Stelle lägen. Das monotone Summen des Stromes schloss aber bald wieder ihre Augenlider, und das harte Lager war doch nicht hart genug, festen, gesunden Schlaf von ihnen fern zu halten.
An dem Springtau zerrte und zog indess die kräftige unermüdliche Flut, und der steigende Strom hob das Boot aus seinem sandigen Bett. Je mehr es aber anfing flott zu werden, desto mehr wirkte auch die Strömung darauf ein und begann schon das noch haltende Tau straff anzuspannen. Im Anfang hielten die schwanken jungen Stämme allerdings noch sicher die ihnen anvertraute Last, je stärker aber das Boot anzog, desto mehr bogen sie sich, desto mehr rutschte das Tau nach oben. Wohl leistete die Zahl noch einigen Widerstand, hier und da brach aber einer der am meisten in Anspruch genommenen; ein anderer liess das Tau über den elastischen Wipfel gleiten – mit jedem Augenblick verminderte sich der Halt, den jenes ungeheure Gewicht erforderte, und jetzt – knickte auch der l e t z t e Stamm.
Der Ruck, der das Van Buren-Tau befreite, zitterte aber durch das ganze Boot und störte den Schlummer der sorglos im Bug ausgestreckten Wachen. Zuerst schlugen sie erstaunt die Augen auf und sahen nach dem Himmel; der spannte sich aber noch in seiner alten Gestalt über ihnen aus. Dieselben Sterne schauten funkelnd auf sie nieder, auf die sie beim Einschlafen ihre Blicke geheftet hatten, doch entsetzt sprangen sie empor, denn die Baumwollenholzschösslinge, deren träumendes Wiegen sie bis dahin ebenfalls neben sich beobachtet und deren Nicken sie mit dem eigenen Kopf gar oft accompagnirt, lagen h i n t e r ihnen. – Das wasser rauschte nicht mehr gegen ihren Bug an – die Weiden rückten weiter und weiter zurück. Die Männer wurden mit einem Male munter und sprangen, von e i n e m Gefühl getrieben, nach dem Tau – es hing locker über Bord, und ihr Ruf:
"Das Boot ist los!"
weckte mit Blitzesschnelle die noch hier und da in der warmen Sommernacht am Deck umher gestreuten gefährten. Alles sprang jetzt herbei, und lief wild und ratlos durcheinander; Einige fühlten nach Grund, Andere rissen am Tau, ein Paar sprangen nach dem Lootsen, um diesen an's Steuerrad zu rufen, Keiner aber dachte an die Hauptsache, dass das Dampfboot auch nicht ohne Dampf regiert werden könne, und erst die Feuer wieder aufgeschürt und das wasser erhitzt werden müsse, ehe sie hoffen durften, wirklich ernster Gefahr für ihr Boot zu entgehen.
Des Steuermanns fester Ruf sammelte die Schaar zuerst wieder zu geregelter Tätigkeit. Rasch wurden vor allen Dingen um die stets bereit liegenden kleinen Anker Taue geschlagen, diese über Bord zu werfen und sie wenigstens da zu halten, wo sie sich gerade befanden. Die Feuerleute mussten indessen unter allen Kesseln die Feuer aufschüren und zu gleicher Zeit nachpumpen, damit nicht durch Wassermangel ein noch grösseres Unglück – das Zerspringen derselben – herbeigeführt würde. Diese Vorsichtsmassregeln, zur rechten Zeit getroffen, wären auch hinlänglich gewesen, das Boot gar bald wieder in Stand zu setzen. Durch die ungemein starke Strömung aber waren sie schon weiter hinabgerissen, als sie im Anfange selber vermutet hatten, denn diese führte sie mit reissender Schnelle und zwar rückwärts, dem westlichen Ufer entgegen.
"Stangen hinter – an Larbord Steragedeck!" schrie der Steuermann mit heiserer stimme, "stemmt Euch, meine Burschen, sucht die Bäume zu treffen und schiebt ab."
Die Matrosen gehorchten in flüchtiger Eile dem Befehle – alles von Passagieren niederrennend, was ihnen zufällig in den Weg trat, die langen Stangen wurden nach hinten geschleppt und dort rasch über Bord und gegen die Seitenwand gestemmt, um das jetzt unvermeidliche Anprallen wenigstens so viel als möglich zu mildern. Die Anker waren zu gleicher Zeit ebenfalls übergeworfen; der weiche Schlammboden gewährte aber noch keine Festigkeit – sie schleppten nach, und in demselben Moment rannte auch der Van Buren, seitwärts gegen das Ufer treibend, mit der Larbordseite und mit dem hintern Teile zugleich so gewaltig gegen die Stämme an, dass das mächtige Boot bis in seinen Kiel hinunter erzitterte und das Larbordradhaus krachend und prasselnd zusammenbrach.
Die Passagiere stürmten jetzt erschreckt von allen Seiten herbei, einzelne sogar schon mit ihren Habseligkeiten unter dem Arm oder auf dem rücken, bereit, mit nächster gelegenheit an's Ufer, oder doch wenigstens in ein rettendes Boot zu springen. Auch die Mannschaft selbst war im ersten Augenblick bestürzt, denn man wusste noch nicht genau, wie bedeutend der angerichtete Schaden sei, und ob der Rumpf wirklich so gelitten habe, dass das Fahrzeug sinken müsse.
Der Zimmermann sprang denn auch vor allen Dingen in den Rumpf hinunter, und die Pumpen wurden versucht. Da ergab es sich denn, dass der Van Buren wahrscheinlich nur mit dem breiten Oberteil in das starre Treibholz hineingerannt sei, und weiter nicht gelitten habe als an Rad, Bulwarks und Steuer. Allerdings wurde der Schaden jetzt so schnell als möglich, und so gut es gehen wollte, ausgebessert; ehe das Steuer aber wieder hergestellt war, konnten sie nicht daran denken auszulaufen, und die Sonne stand schon hoch am Himmel, als dieses erst, mit Hülfsstücken und starken Ketten geschnürt und befestigt, so weit hergerichtet war, um den Van Buren wenigstens bis Helena zu nehmen. Dort musste dann Alles wieder ordentlich reparirt werden.
Zweimal machten sie dabei vergebens den Versuch auszulaufen, denn noch immer verweigerte das Steuer den Dienst. Das Larbord