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, was das für aufsehen erregen müsste. Die geringste Nachfrage hier nach Euch würde auch Eure Verfolger augenblicklich auf die richtige Spur bringen, und wenn sie bei m i r Haussuchung anstelltennein, das darf nicht sein. Bleibt hier im wald irgendwo versteckt, und ich will Euch heute Abend abholen und sicher auf die Insel befördern lassen; mehr kann ich für Euch nicht tun."

"So? wirklich nicht?" höhnte Cotton, "sagt lieber, mehr w o l l t Ihr nicht tun, – aber Ihr werdet wohl m ü s s e n . Doch die Zeit drängt, und nochmals sage ich Euch, ich werde verfolgt und bin, wenn I h r mich nicht verbergt, heute Abend noch in den Händen meiner Feinde. I h r seid jetzt im stand, mich zu retten, tut ihr es n i c h t , wohl, so mögen auf Euer Haupt auch die Folgen fallen. Glaubt aber nicht etwa, dass ich den Grossmütigen spiele, und als Märtyrer in Kerker und Ketten verkomme, oder gar am Galgen paradire, während Ihr hier hochnäsig als fromme Lady sitzt. – Ich werde States evidence, und was Euch dann bevorsteht, könnt Ihr Euch etwa denken!"

"Seid Ihr rasend?" rief Mrs. Breidelford erschreckt, "wollt Ihr mich und uns Alle unglücklich machen, Mann?"

"Neingewiss nicht; Ihr müsstet mich denn dazu z w i n g e n . Aberin einem Stück habt Ihr Recht. – Ginge ich so in die Stadt, wie ich hier stehe, so müsste ich die Aufmerksamkeit Aller auf mich ziehen, denen ich begegnetegeht also und holt mir KleiderIhr werdet sie Euch schon zu verschaffen wissen; ich will indessen hier in diesem kleinen Sassafras-Dickicht liegen bleiben und Eurer Rückkunft harren. Bleibt aber nicht zu lange, denn wenn ich bis dahin entdeckt werde, tragt Ihr die Schuldund die Folgen."

"Wo soll ich denn um Gottes willen die Kleider hernehmen!" rief Mrs. Breidelford erschreckt – "ich weiss ja gar nicht –"

"Das ist Eure Sache," unterbrach sie Cotton und wandte sich gleichgültig von ihr ab, – "denkt aber an D a w l i n g , odersoll ich Euch vielleicht noch einen a n d e r n Namen nennen? – ich dächte doch, der genügte Euch!"

"Schrecklicher Mann!" stöhnte die Frau – "ha fortrasch fortich höre Jemand kommenverbergt Euch!"

Cotton hatte schon seit einigen Momenten hoch aufgehorcht, denn auch er vernahm Schritte und wusste nur noch nicht recht, von welcher Seite sie nahten. Endlich schien er sich davon überzeugt zu haben und glitt jetzt raschden Finger nur noch einmal drohend gegen die Frau erhoben, in die Büsche, die sich wieder hinter ihm schlossen.

Gleich darauf schritt pfeifend, die hände in die Taschen geschoben, den Hut etwas nach hinten auf den Kopf gedrückt, Jonatan Smart auf der Strasse heran, und Mrs. Breidelford hatte wirklich kaum Zeit sich zu sammeln und einen Entschluss zu fassen, nach welcher Seite sie sich überhaupt wenden wolle, als Jonatan auch um die schon früher erwähnte umgestürzte Eiche bog, und nun seinerseits ebenfalls überrascht war, Dame Breidelford in unverkennbarer Verlegenheit hier allein zu finden. Sein erster Verdacht fiel auf ein Liebesabenteuer, den verwarf er jedoch augenblicklich wieder als total unmöglich und konnte nur ein in aller Eile herausgestossenes "Guten Morgen, Madame" vorbringen, als auch diese schon in voller Eile an ihm vorbeistürmte und der Stadt wieder zueilte.

"Potz Zwiebelreihen und Holzuhren!" rief der Yankee lächelnd, als er stehen blieb und ihr erstaunt nachblickte – "gewaltige Eile, Mrs. Breidelford, gewaltige Eile – – wichtige Geschäfte wahrscheinlichwieder vielleicht eine Freundin mit einem Besuch für einen ganzen Abend elend machen, oder einen guten Namen vernichten oder auch einmal zur Abwechselung eine Frau gegen ihren Mann aufhetzenwäre noch gar nicht dagewesen – o Gott bewahre! Was aber hat sie in aller Welt nur h i e r zu tun gehabt? irgend eine Zusammenkunft? oder war der Aufentalt hier zufällig? Weshalb aber bewies sie sich da so augenscheinlich verlegen?"

Smart fing an, die Strasse gerade da, wo er sie zuerst gesehen hatte, zu untersuchen, um vielleicht Spuren andern Schuhwerks darauf zu erkennen. Obgleich er aber die Fussstapfen eines Männerschuhs zu sehen glaubte, die sich hier und da abgedrückt zeigten, so war er doch zu wenig geübt, zu wenig Waldmann, um auf dem betretenen Wege etwas Genaueres darüber bestimmen zu können. Er schüttelte also ein paar Mal gar bedeutsam mit dem kopfschob seine hände auf ihren alten Platz zurück, schritt wieder langsam weiter, und fiel genau in demselben Ton mitten im lied wieder ein, wo er vorhin durch Mrs. Breidelford's Anblick unterbrochen worden war.

etwa eine Stunde später verliess die Dame zum zweiten Mal an diesem Tage dieselbe Strasse und eilte, ohne sich höchst ungewöhnlicher Weise auch nur im Mindesten um das zu kümmern, was um sie her vorging, ihrem eigenen haus zu. Am andern Ende der Strasse aber folgte ihr ein, in die gewöhnliche Tracht der Landleute gekleideter Mann, den breiten Strohhut jedoch tief in's Gesicht gedrückt. Hinter ihm schloss sich bald darauf ihr Haus und wurde jetzt von innen fest verriegelt.