bannen; nur ihm folgen! aber am wenigsten ihn zersetzen."
"O Fidelis! rief ich mit einem jener Ausbrüche von Schmerz die mich zuweilen überwältigten – wenn ich Sie sehe und höre – fest, klar, eins mit sich selbst, nicht forschend, grübelnd, deutelnd, Ihre Kräfte verschwendend, sondern sie sammelnd zum bewussten Ziel – sehen Sie, Fidelis! so komme ich mir vor wie jene unseligen Adepten der vergangenen Jahrhunderte, welche grade wie ich das unbekannte Gut suchten und darüber das bekannte verloren. Schätze von Gold und Diamanten warfen sie besinnungslos in den verlockenden Schmelztiegel! – Freuden, Pflichten, Gesundheit, ja sogar Vernunft und Leben, opferten sie dem Wahn ihrer Goldmacherei! In Rauch lösten sich die Herrlichkeiten auf, oder schrumpften über dem schmelzenden Feuer und durch die zersetzenden chemischen Versuche zu Materien ein, welche ihren Erwartungen durchaus nicht entsprachen. Aber das Alles störte nicht den Reiz der Alchymie, nicht die rastlosen, verzehrenden Anstrengungen um den Stein der Weisen zu entdecken, der die Schätze der Erde und das geheimnis des Lebens verlieh. Ich bin ein solcher Adept – nur nicht für irdische Dinge! die himmlischen Güter mögte ich unermesslich und unendlich besitzen!"
"So wenden Sie sich mit Hingebung, aber nicht mit fragen denselben zu."
"Der Rat ist gut – nur kann ich ihn nicht befolgen! meine Seele ist auf die Frage gestellt."
"So entschliessen Sie sich .... zu leiden."
"Geh unter, weil du nicht schwimmen kannst! – o wie oft hab' ich so zu mir gesprochen!" – sagte ich und bittere Tränen traten mir in die Augen.
"Ich sage nicht: Geh unter! ich sage: Kämpfe!"
"Aber wofür denn? aber weshalb denn? rief ich in Verzweiflung. O Fidelis! Sie haben so recht die starre Kälte der Glücklichen! ein frommer Mensch sind Sie und ein grosser Künstler .... doch kein Freund, denn Sie geben mich gleichgültig auf."
Ich verstummte weil er plötzlich vom Flügel aufsprang und in heftigster Bewegung etwas entgegnen wollte. Aber mit ungeheurer Selbstüberwindung fasste er sich, schwieg, setzte sich wieder und spielte den Trauermarsch aus Händels "Samson," der für den toten Helden erklingt. Als er ihn durchgespielt sagte er:
"Sie wissen wohl dass ich Ihr Freund bin."
Ich kann's nicht beschreiben, nicht einmal andeuten welch einen erschütternden Eindruck er auf mich machte! Er fürchtet in mir eine Dalila; – dieser Gedanke erfüllte plötzlich meine ganze Seele; – und er w i l l sich gegen sie waffnen und wird gewaffnet bleiben. Ich hätte diesen Willen ehren sollen. Ich weiss auch dass alle Frauen Zeter! über mich schreien werden, weil ich es nicht tat; dass sie sagen werden: Also doch Koketterie, trotz all der Kälte! – Aber ich weiss ebenfalls dass sie Alle es ebenso gemacht haben würden wie ich, nur vielleicht aus andern Motiven. Ich dachte: mein Gott! wenn der Mann dich liebte, so lange, so immer .... das wäre doch eine Versöhnung mit dem Unbestand des Lebens, eine Errettung aus dieser Leichengruft des ewigen Zweifels! – Und dachte ich ferner: Wenn er dich liebt – was wirst du tun? – so war nie die Antwort: Ihn wieder lieben! – sondern immer: Ihm danken, o Gott! danken, wie man für das Leben – wie das geschöpf dem Schöpfer dankt. – – – Ach! als ob die Liebe sich mit einem auch noch so glühenden Dank begnügen könnte! als ob sie nicht verkümmern oder verzweifeln muss wenn sie nicht volle Erwiderung findet!
Seiner einfachen ernsten Antwort entgegnete ich an jenem Morgen nichts; aber er kam mir vor stärker als Simson, den er wie seinen Schutzpatron anrief, und es regte sich in mir etwas von jener diabolischen Neugier der Eva, welche um jeden Preis Dasjenige wissen will, was eine höhere Macht vor ihr verbirgt. Indessen imponirte er mir viel zu sehr und es widerstrebte auch meiner natur zu sehr in Koketterie ihm gegenüber zu verfallen. Ich zeigte ihm eben nur wie sehr ich an ihm hing, ihm vertraute, auf ihn rechnete, mein Leben mit ihm eingerichtet hatte; und er nahm das hin mit dem grössten Dank, mit dem tiefsten Ernst, wie Jemand der sich mit seinem los zu bescheiden sucht, nicht mehr verlangt noch erwartet – aber in seinem verschwiegenen Busen und hinter seinen stummen Lippen eine ganz andre sehnsucht trägt. Wendete sie sich zu mir? – Ich wusste es nicht! – Oft flüsterte mir mein guter Genius zu: Lass ruhen was ruht! wecke nicht das Schlummernde! Du hast es jetzt besser denn je! halte dich still! – Aber nein! dagegen stand ein andrer Geist auf und sprach: Im Traum verrinnt dein Dasein und mit ihm das Glück, das du immer verlangt und nie gefunden nie genossen hast! aus der elektrischen Berührung einer starken flammensprühenden und zugleich tiefgesammelten Seele kann dir eine Metamorphose erblühen: versäume das nicht! – über diesen Zwiespalt fiel ich in Unruh und Beklommenheit, und die wirkte dermassen auf Sedlaczech, dass er in eine weit heftigere geriet. Etwas fieberhaft Gespanntes und Aufgeregtes überfiel ihn; endlich hiess es er sei krank und könne nicht sein Zimmer verlassen. Mezzoni sprach von Heimweh, von Abzehrung, von nordischem Winter: mich überfiel Todesangst bei dem Gedanken er könne abreisen wollen. Ich schickte