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die Art einen Gemal zu empfangen?"

"Ich konnte Dich nicht empfangen weil ich Deine Ankunft nicht wusste, und ich ging mit Sedlaczechwas sehr oft geschiehtweil ich mich ungestört mit ihm unterhalten wollte" .... – –

"Und worüber, ich bitte!"

"über Dinge welche ich mit Dir nicht besprechen kann."

Astrau wurde leichenblass; ich weiss nicht ob er in diesem Augenblick Zorn und Eifersucht nur heuchelte oder wirklich empfand. Wahrscheinlich wusste er selbst es nicht! aber ich glaube dass er aus beleidigter Eitelkeit in der Tat gereizt wurde. Ingrimmig stiess er die Worte aus:

"Das ist allzu frech!"

"Wer mich geflissentlich beleidigt hört auf mein Gast zu sein!" sagte ich aufstehend.

"O ich begehre auch nicht Dein Gast zu seinich bin Dein Gemal."

"Du bist mein Gemal .... allerdings! was weiter?"

"Was weiter? ich will wachen dass meine Rechte nicht gekränkt werden."

"Die Rechte auf meine person hast Du durch Deine Schuld verloren. Die Rechte an meinem Vermögen habe ich nie geschmälert, sondern dessen Einkünfte mit Dir geteilt. Also: was weiter?"

"Dermassen versteinert bist Du also in der Sünde, dass nichts Deine eiserne Stirn erröten macht!.... Oder begreifst Du wirklich nicht meinen Verdacht? Schon vor Jahren habe ich Dir gesagt dass dieser verhasste Sedlaczech Dich liebe und ich habe auf seine Entfernung gedrungen. Ich komme wiederund finde ihn tiefer in Deiner Gunst als je. Und das soll ich ruhig ertragen?"

"Du wirst es müssen."

"Er soll fort .... auf der Stelle!" rief Otbert wild.

"Er bleibt .... oder ich gehe und mein ganzes Haus geht mit mir" .... – –

"Ihm nach? und in die weite Welt zum allgemeinen Scandalnicht wahr?"

"Du lässt mich nicht ausreden! oder ich gehe mit meinem ganzen haus, wozu auch Sedlaczech gehört, zu meinem Schwiegervater nach Hannover, unter dessen Aegide ich den äussern Schirm gegen Deine Brutalität finden werde, vor welcher die innere Schutzwehr meines Selbstgefühls mich nicht behütet."

Dieser Entschluss kam ihm unerwartet. Er wusste wohl, dass mein Schwiegervater ihn nicht leiden konnte, mir dringend die Heirat mit dem "hirnlosen und leichtsinnigen Verschwender", wie er ihn nannte, abgeraten hatte und mir auch jetzt Ratschläge nicht zu seinen Gunsten geben würde. Daher suchte er mich von einer andern Seite anzugreifen.

"Also die Emancipirte ist inconsequent genug, hinter einem siebzigjährigen Greise sich verschanzen zu wollen!" sagte er höhnisch um mich in ein neues Gebiet zu locken.

"Bleiben wir bei der Sache! entgegnete ich streng. Du hast die Wahl: entweder Du bleibst hier unter den Bedingungen die man an einen Gast machen kannoder übermorgen um diese Zeit steht dies Haus leer und ich bin auf dem Wege nach Hannover. Du weisst, Otbert, ich tue was ich sage."

"Ah Du bist ein königliches Weib! rief Astrau abermals eine andre Maske ergreifend. Du bist zum herrschen geboren. Befiehl! befiehl auch mir, Sibylle! was willst Du?"

"Bleiben!" sprach ich kurz.

"So bleib' auch ich .... im grünen Zimmer!" sagte er mit einem kleinen Seufzer, den ich nicht Lust hatte zu beachten. "Darf ich die Kinder sehen?" setzte er hinzu.

Ich liess sie rufen. Er überschüttete sie mit Liebkosungen, namentlich Benvenuta. Das missfiel mir. Sollte diese Verleugnung seines väterlichen Gefühls eine Schmeichelei für mich sein, so war sie schlecht gewählt, denn das göttlich schöne Kind Astralis lag mir ebenso am Herzen wie Benvenuta Genau so wie in der ersten Zeit unsrer Bekanntschaft fand ich jetzt Otbert: – verschroben von Eitelkeit. Und dieser Mann hat dich fangen können indem er deiner eigenen Eitelkeit schmeichelte! sprach ich zu mir selbst; welch eine unerhörte, erbärmliche Schwäche.

Otbert blieb; allein er trug nichts zur Annehmlichkeit unsers Lebens bei. Er war einen andern Schauplatz und andere Anregungen gewohnt als er in Engelau finden konnte; er verlangte sie von uns, wir konnten sie ihm nicht geben: das versetzte uns sämtlich in Unbehagen; Jeder von uns empfand einen Mangel. Unsre Lectüren gerieten in Stocken, denn er wollte vorlesen und fand keine Bücher nach seinem Geschmack. Unsre Musik verstummte, denn er erklärte er sei zu sehr Laie um an diesem überernsten Styl Vergnügen zu finden. Mezzonis Barcarolen liess er geltenaber nicht lange, denn er ertrug es auf die Dauer nicht Zuschauer und Bewunderer zu sein. Zuweilen las er einige seiner Gedichte vor; das war am angenehmsten! sein schmiegsames Organ, sein Feuer im Vortrag, hoben die Schönheit der Verse noch mehr hervor. Nahm er Bewunderung und Interesse bei uns wahr, so versetzte ihn das in die liebenswürdigste Laune; er begann zu erzählen wo und wie er das Gedicht gemacht; er kam auf tausend Dinge die freilich nicht zur Sache gehörten, aber sehr unterhaltend waren. Er kannte Paris wie ich Engelau. Mit allen Sommitäten der Politik, der Gesellschaft, der Literatur, des Teaters, der Fremdenmit Allem und Jedem was in irgend einer Beziehung Ruf und Namen hatteverstand er sich in Berührung zu bringen; – ob in die intime, funkensprühende mit der er ein wenig prunkte