an, ergriff dann stumm meinen Arm und führte mich in das Zimmer der Kleinen die friedlich schlummerte.
"Ein träumendes Wesen mehr auf dieser Welt!" sprach ich in ihren Anblick versenkt, nahm einen raschen warmen Abschied von Arabella und verliess Torcello.
"Du bist grossmütig, Sibylle!" sagte Otbert der mich bei meiner Heimkehr empfing.
"Ich bin nur kalt!" entgegnete ich; und das war ganz richtig. Mein Benehmen mogte einen Anstrich von Grossmut haben, wie das oft geschieht für oberflächliche Beobachter; aber sie war nicht im Herzen: ich tat was ich tat aus Gleichgültigkeit, nicht aus Liebe, drum wurde mir nicht warm und nicht wohl trotz der Versöhnlichkeit und Milde meiner Handlungsweise. Wer nicht aus voller Seele handelt wird sich selbst in seinen besten Taten elend fühlen. Sie glänzen und stehen ihm gut; ja! sehr gut! wie funkelnde Diamanten die ihn prächtig schmücken, aber ihn nicht froh und nicht schön machen. Doch ein Lächeln, ein blick in dem die volle Seele sich ausstralt – die stehen ihm ganz anders gut und machen ihn schön und froh. Ich schleppte meine Diamanten! – – –
Bevor ich abreiste musste ich noch einmal mit Otbert über unser künftiges verhältnis sprechen.
"Es ist an Dir es zu bestimmen" sagte er.
"Dann bleiben wir getrennt, Otbert."
"Aber Freunde, Sibylle?"
"Freunde .... insofern unsre heterogene natur das gestattet. Wir sind es aber eigentlich nie gewesen – bedenke das. Die Freundschaft will auch eine Basis haben auf der sie sich feststellen könne und ich – habe weder Vertrauen zu Dir noch Verehrung für Dich – woher soll da Freundschaft kommen?"
"Du bist streng geworden, Sibylle."
"In meiner unbefangenen Zeit – Du wirst es wissen! – war ich immer so gegen Dich gesinnt. Die der Selbsttäuschung ist dahin und ich nehme wieder meinen früheren Standpunkt ein. Wenn ich Dich jedoch nicht überschätze, so glaube mir, dass ich mich noch tausendmal geringer anschlage: man muss sehr erbärmlich sein um eine Komödie für Wahrheit halten z u w o l l e n . Sie mit möglichster Wahrheit d a r z u s t e l l e n , sich mit äusserster Geschicklichkeit in die Rolle hinein zu arbeiten – das ist reizend und dazu gehören manche Gaben; ich begreife das .... und Dich. Deine Betörung, die doch wenigstens activer Art war, kann ich entschuldigen. Meine passive unmöglich."
Während ich sprach war Astrau im Zimmer auf und nieder gegangen. Nun blieb er vor mir stehen, schlug die hände zusammen und rief in einem Ausbruch der qualvollsten Ungeduld:
"Sibylle! Deine Räsonnements sind fürchterlich! .... sind gradezu tödtend! Sie sind nicht falsch, nicht ungerecht – aber dass Du sie machen kannst in einem Augenblick wo Dir das Herz zittern und Deine Seele wund und Dein Geist gedrückt sein müsste – dass Du mit Analyse zu Werke gehst statt mit Empfindung, und gelassene Betrachtungen anstellst statt eine heimliche Träne zu trocknen – sieh, das ist mir fürchterlich! Ich erstarre neben Dir, Sibylle! und glaube mir, kein Mensch kann neben Dir glücklich sein. Paul, der Dich so liebte .... war nicht glücklich! Ich, der ein unbeschreibliches Interesse für Dich hegte – bin nicht glücklich! Es ist nichts Erquickendes in Deinem Wesen, Sibylle; nicht die Wärme, die Frische, die Innigkeit, die uns so wohl tut, dass wir ihretwegen tausend Fehler und zehntausend Mängel übersehen! Es geht keine Belebung von Dir aus .... und Du bist doch reich und schön begabt, bist umflossen vom Glanz der Verheissung, wie ich ihn nennen mögte – der aber nie zur Erfüllung wird."
"Und welche Verheissung wird denn überhaupt je zur Erfüllung? unterbrach ich ihn trübe. Keine, Otbert, keine. Meine Erscheinung ist der Ausdruck des Zwiespalts, der ewig zwischen sehnen und erreichen obwaltet, und der meine Seele in unfruchtbaren Exaltationen und ebenso unfruchtbaren Desolationen aufzehrt. Ich kann mich nicht umbilden .... allein ich kann mich fern von den Menschen halten, denen ich allerdings mehr weh als wohl tun mag. Ich habe nicht die liebliche Gabe der demütigen Seelen: mich an dem Kleinen zu freuen das aus dem Untergang des Grossen übrig bleibt. Und ich habe auch nicht jenen mächtigen Schwung der starken Seelen, durch den sie zu einem Höhepunkt getragen und auf ihm gehalten werden, wo sie den Ariadnesfaden der durch das Leben läuft stets übersehen indem sie von oben herab in das Labyrint alles Daseins schauen. Ich bin drin .... in diesem Labyrint! Ich ergreife jauchzend den rettenden Faden – siehe! da zerreisst er in meiner Hand! Ich finde ihn wieder .... aber stückweise! immer reisst er ab! immer hat er ein Ende! immer gerate ich auf Fragmente ohne Zusammenhang und daher ohne Sinn. So verbleibe ich im Chaos, Otbert! Gott hat noch nicht das Schöpfungswort: es werde Licht! über mir gesprochen."
"Und denken zu müssen dass ich Dein Retter hätte sein können!" rief Astrau heftig bewegt.
"Dazu hättest Du eben eine andre Seele haben müssen, Otbert! eine Seele wie ich sie träume voll ganz göttlicher Unwandelbarkeit. Und hättest selbst D u sie, so ist es immer noch die Frage, ob i c h sie würde ertragen haben. Beklage