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Mit dem unseligen Gelde war ich immer übel dran. Wir haben uns nie mit einander vertragen können, drum nahm es immer mit der grössten Eile bei mir Reissaus."

"Erlaubst Du mir künftig Dein Schatzmeister zu sein?"

"O! rief Otbert entzückt, dann wird mir das Leben noch einmal so freudig vergehen als sonst. D i e Qual nie Geld zu haben und immer Geld zu brauchen, ist mit keiner andern zu vergleichen! Zuweilen fühlte ich mich durch sie gelähmt an allen Sinnen und Kräften .... wahrhaft elend. Ich verstehe diese Geschäfte nicht, habe sie nie gelernt, erwuchs als der Sohn eines reichen Mannes, der aber noch zwei Söhne ausser mir hatte. Nach seinem tod wurde das Vermögen zwischen uns und der Mutter verteilt. Meine Brüder haben es verstanden reiche Männer zu werden; ich habe mich nie um mein Vermögen gekümmert! meine gute Mutter hat es nach besten Kräften verwaltet .... jetzt wird ihr, glaube' ich, diese Verwaltung nicht mehr viel Mühe machen. Indessen .... wenn wir einmal nach Deutschland heimkehren, wollen wir doch die Sache genau untersuchen um zu erfahren, was ich eigentlich habe oder nicht habe .... wenn's Dich interessirt, mein Engel."

Nie hab' ich einen Menschen gesehen, der das Geld weniger beachtet und mehr verbraucht hätte! er war nichts weniger als habsüchtig; er verschenkte und verschwendete eigenes wie fremdes Gut mit derselben Fahrlässigkeit; er war im höchsten Grade freigebig und grossmütig; das gefiel mir sehr! allein ebensosehr missfiel mir diese bodenlose Unordnung. Es kam ihm nicht in den Sinn irgend Jemand übervorteilen zu wollen. So wie seine Gelder einliefen, berief er seine Gläubiger und zahlte ihre Foderungen; blieben jene aber aus oder reichten sie für seinen Verbrauch nicht hin, so beunruhigte ihn das nicht im Mindesten; er borgte aufs Neue und verzehrte in dieser Weise seine Habe. Als mein Haus das seine ward und er mir die unbeschränkte Leitung desselben übertrug, ordnete ich seine ganzen pecuniären Verhältnisse insoweit sie sich an Venedig knüpften aufs Pünktlichste. Er dankte mir herzlichaber nur für meine Mühe; die Sache selbst war ihm gleichgültig. Ich fühlte mich einmal verpflichtet ihn über deren Wichtigkeit aufzuklären. Er hörte mir verwundert zu und erwiderte dann:

"Lieber Engel! ganz unabhängig ist auf unsrer Sclavenwelt Niemand. Lebt man wie ich, so ist man, wie Du ganz richtig bemerkst, etwas abhängig von Juden, Wucherern und dergleichen Gesindel; – lebt man wie Du, so ist man abhängig von seinem Budget. Der Eine fühlt sich frei durch die Ordnung in seinen Rechnungsbüchern; den Andern bedrückt der Gedanke sie in Ordnung halten zu sollen. Wenn ich gestern zehntausend Taler ausgegeben habe, so weiss ich heute k a u m – und morgen g e w i ss nicht mehr die Zahl. Wozu auch? Den Genuss den sie mir verschaft hat habe ich erstrebt und erlangt: und das ist der Zweck des Geldes."

Ich sah ein dass es ganz umsonst sein würde über diesen Punkt mit ihm zu streiten. Aus Neigung und Bequemlichkeit hatte er sich ein System über diesen Zweck des Geldes gemacht, wohinter er sich mit der höchsten Gelassenheit verschanzte. Ganz wahr ging er nicht dabei zu Werkwie das mit der sogenannten consequenten Durchführung jedes Systems verbunden istaber um so fester hing er an demselben. Kurz nach unsrer Verheiratung schickte ihm seine Mutter eine Anweisung auf 2000 Taler, wenn ich nicht irre, mit der Bemerkung dies wären seine einzigen Einkünfte für das laufende Jahr. Was tat er? – Mir war ein wunderschöner türkischer Shawl für einen enormen Preis angeboten; ich hatte ihn nicht genommen. Otbert kaufte ihn; – kaufte dazu einen Kasten von Cedernholz, der im orientalischen Geschmack mit Arabesken von kleinen vergoldeten Nägeln beschlagen war, und legte mir dies Prachtgeschenk zu Füssen. Ich freute mich eigentlich nur an seiner Freude über dasselbe. Er hing mir den Shawl um, erst s o , dann s o , er liess meine übrigen Shawls bringen, legte sie alle selbst in den herrlichen Kasten, und freute sich an ihrer Zarteit und ihren Zeichnungen.

"Eine Schönheit wie Du muss nichts als die köstlichsten Stoffe tragen, sagte er, und von den köstlichsten Stoffen umgeben sein. Deine kleinen weissen Linonkleider sind mir ganz unangenehm. Warum kleidest Du Dich nicht in ostindischen Musselin?"

Ich sagte ihm ostindischer Musselin sei eine Tradition aus der Jugendzeit unsrer Mütter, und heutzutag aus der Mode. Er versicherte er würde mir ein solches Kleid verschaffen. Am andern Tage erschien er triumphirend:

"Siehst Du, ich hab' ihn gefunden, den zarten wasserdünnen Stoff! ich foderte das leichteste und kostbarste der Art .... da bekam ich ihn gleich."

Ich öfnete das Päckchen welches er mir gabes war wunderschöner Batist die Elle zu drei Dukaten. Er war so froh über seinen vermeintlichen Fund dass ich ihn nicht enttäuschen mogte. Ich versprach mir daraus ein Kleid machen zu lassen "ganz überrieselt von Brüsseler Kanten." Das Kleid wurde gemacht, aber von dem feinsten weichsten Musselin den ich finden konnte; und als ich darin vor ihm erschien, schmückte er mich mit meinen Perlen, hing mir einen Spitzenschleier über das Haar und den neuen blassgrünen Shawl um die Schultern.

"Nun siehst Du aus wie Adriatica des Dogen Braut! rief er entzückt. Komm! lass uns fahren!"

Bei