hingen. O sehen Sie diese schauderhafte grenzenlose Verwirrung meines Daseins, Wilderich, und vermehren Sie sie nicht durch Hingebung an Ihre Schwäche."
"Ich hatte mir ein Leben geträumt, sagte Wilderich mit heisser Wehmut, edel reich und gut, wie Sie mir den Impuls dazu gegeben hatten. Es ist etwas Grosses in Ihnen, das meine Seele weit macht; und da Sie dafür keinen festen Anknüpfungspunkt gefunden: so war ich stolz genug zu wähnen, dass Sie ihn in mir finden sollten und festalten müssten. Ich wollte meinen Weg gehen, meine Laufbahn machen, meine Wirksamkeit auf mich nehmen mit jenem Bewusstsein der inneren Berufung, welche uns über all dessen Sorgen und Aengste erhebt. Ich wollte Sie stolz machen – ja ja, meine Gräfin, stolz darauf dass Sie dies stille Feuer einer unüberwindlichen Beharrlichkeit im Guten entzündet hätten. Ich wollte unausgesetzt m i t Ihnen leben – nicht b e i Ihnen – in der schönsten Gemeinschaft die zwischen Menschen denkbar ist: in e i n e m Geist, mit e i n e r Gesinnung, zu e i n e m Ziel; stets eingedenk dass das Leben göttlich sein kann, wenn wir das Gute tun und das Schöne lieben."
"O! rief ich tief bewegt, das kann ja Alles so werden – nur ein wenig anders!" .... – –
"Nicht so und nicht anders! unterbrach er mich schwermütig. Denn ein Wort der Ermunterung wollt' ich hören und das sollte heissen: Ich liebe dich, Wilderich."
"O Wilderich! rief ich – ich will Sie lieben wie die zärtlichste Mutter den edelsten Sohn liebt, wenn Sie nur zur Besinnung über Ihre eigene Empfindung kommen könnten!"
"Ich bin über sie zur vollständigsten Besinnung gekommen .... und grade jetzt, meine Gräfin! – Da muss ich Ihnen denn der Wahrheit gemäss und auf meine Ehre bekennen, dass ich Sie n i c h t liebe wie ein Sohn seine Mutter."
"über's Jahr wird es anders sein, Wilderich, oder doch in fünf oder zehn Jahren!"
"Ich weiss wohl dass dies Ihre Ansicht ist."
"Und Sie vertrauen ihr?"
"Ich kann es nicht mehr da Sie mich so fürchterlich missverstanden haben! folglich muss Etwas in mir sein, das Ihr Auge nicht ergründet – und dies Unergründliche ist vielleicht meine Liebe für Sie."
"Mein Gott! ächzte ich, welch ein Unstern waltet über meinem Leben, dass Alles mir zum Fluch wird, was einem Andern Heil und Segen bringt! – Aber was liegt an mir? – gar nichts! – desto mehr an Ihnen und an ihr .... mein Gott, an ihr!"
"Ich fühle dass wir jetzt nicht mehr wie sonst zusammen leben können, sagte Wilderich. Es soll auch sogleich anders werden!"
Er stand auf und ging einmal durch den Salon als wolle er jeden Gegenstand der ihn füllte in seine Seele prägen. Das Bild vom Rosenlaui, Original und Copie, zierlich in purpurfarbenen Sammt eingerahmt, stand auf der Staffelei. Er nahm eins derselben, betrachtete es und sagte:
"Es ist gut! .... ich nehme es mit mir!" – kehrte dann zu mir zurück, kniete vor mir nieder und sprach in einem Ton der durch seine Ruhe mein Herz beben machte:
"So leben Sie denn wohl, meine Gräfin! ich bitte Sie nicht um Verzeihung für meine Liebe; das wäre eine Schmach für mein Herz; – aber dafür dass ich Ihren Wunsch hinsichtlich Ihrer Tochter nicht erfüllen kann. Zum Beweis Ihrer Vergebung geben Sie mir einen Kuss – und dann leben Sie wohl! ich sehe Sie nie wieder! ich verdamme mich selbst zur ewigen Trennung."
"Sie dürfen nicht fort, Wilderich! sagte ich ganz ausser mir und umklammerte seine hände. Benvenuta liebt Sie. Ich selbst habe die hoffnung in ihr geweckt, die Gewissheit ihr gegeben dass Sie sie liebten. Sie zagte, sie zweifelte .... ich zweifelte nicht. Sein Sie barmherzig! machen Sie mich nicht meiner Tochter gegenüber zur Lügnerin! ersparen Sie ihr und mir den grässlichen Schmerz, woran ich weiss nicht was für ein sündhafter verbrecherischer Anstrich klebt, dass Sie – die Mutter lieben! besinnen Sie sich ein Jahr, zwei Jahr auf Ihren Irrtum, auf diese Täuschung Ihres schönen warmen dankbaren Herzens! – O Wilderich! wenn Sie mich je geliebt haben, so erbarmen Sie sich meiner!"
Er war aufgestanden und sagte nun langsam und beklommen:
"Wie ist es denn aber möglich mich nicht zu verstehen, wenn ich doch sage und wieder sage: ich liebe Sie!"
"Ich verstehe nichts, nichts, gar nichts .... als dass ich meine Tochter vielleicht fürs Leben elend gemacht habe – wenn Sie nicht Erbarmen haben."
"Meine Gräfin, wie kann ich das?" fragte er sanft.
In einem Paroxismus von Schmerz sank ich vor ihm nieder und flehte mit gerungenen Händen:
"Wilderich .... Sie müssen meine Tochter lieben!"
Angstvoll hob er mich auf und rief:
"Um Gotteswillen, Sie sind ausser sich; fassen Sie sich .... dann werden Sie einsehen dass Sie Unmögliches von mir verlangen! – Ich liebe nicht Ihre Tochter, kann und werde sie nie lieben, denn bei dem blossen Gedanken packt mich ein namenloses Grauen. Und