gesehen, als in diesem Augenblick – und er war eitel genug, sich diese plötzliche Gehobenheit ihres ganzen Wesens zu seinem Gunsten auszulegen.
Elisabet entfernte sich auf einige Augenblicke bis zur nächstgelegenen Laube, sie war seltsam bewegt – ihr war, als müsse sie einen freien, unbeobachteten blick zum Himmel emporschicken, weil sie jetzt sich im Innersten so wunderbar selig durchschüttert fühlte, weil ihr war, als strahle der blaue Himmel gerade in ihr Herz und wohne in diesem.
Auch dies augenblickliche Entfernen und die ruhige Freudigkeit, welche, als sie zurückkam, auf ihrem Gesicht tronte, legte Aarens zu seinen Gunsten aus, und er wollte eben wieder ein empfindsames Gespräch mit ihr beginnen, als ein voraneilender Diener: Graf Szariny und Herr von Waldow meldete, welche ihm langsam folgten. Aarens hatte grosse Lust, mit dem fuss zu stampfen, da er dies aber als Mensch von gutem Ton unmöglich konnte, biss er sich die Lippe beinah blutig und wünschte nur stumm, aber von Grund der Seele aus, die lästigen Ankömmlinge in's Pfefferland, in die Hölle, oder zu allen Teufeln; nur so weit als möglich weg. Diese christlichen Wünsche halfen ihm aber leider nur sehr Wenig, denn statt sich zu entfernen kamen, die Beiden immer näher und ein innigerer, zwei Menschen beglückenderer blick ward noch nie gewechselt, als der erste, mit welchem sich Jaromir und Elisabet begrüssten. Zum Glück war Aarens noch zu sehr verblendet von der ersten Wut über die Ankunft der neuen Gäste, als dass er hätte diesen blick bemerken sollen.
Aber wenn auch dieser erste blick ihm entging, so sah er doch bald, dass zwischen diesen Beiden ein geheimes, süsses Einverständniss walten müsse, das ihm unerträglich war. Er sann nach, wie er dies stören könne, und war während des ersten Gesprächs ziemlich schweigsam.
nachher sagte er leicht und halblaut zu Jaromir, aber doch laut genug, dass es wie zufällig Elisabet hören konnte. "Nicht wahr, ein niedliches Kind die kleine Felchner? Ich sah Sie gestern mit ihr. – Sie stehen bei ihr in grosser Gunst, wie ich höre?"
Jaromir sagte unbefangen aber ernst: "Sollten Sie das fräulein auch kennen?"
"Nun, Sie brauchen nicht gleich eifersüchtig zu sein," sagte in demselben leisen Tone wie vorher, doch zugleich ironisch lachend, Aarens. "Ich kenne Sie nur von Ansehen und habe ihr noch keinen Besuch gemacht – aber man bemerkt unser Flüstern –" und rasch gegen die Gesellschaft gewendet, fuhr er laut fort: "Ich erging mich eben im Lobe von des Grafen Kunstgeschmack, der sich in allen Dingen, welche er auswählt und anordnet, bewährt – auch in der Wahl seines Pferdes und Reitzeuges."
Da ein Gespräch von Pferden beginnen konnte, war Waldow ganz in seiner Sphäre; er richtete deshalb sogleich mehrere fragen an Jaromir, welche dessen Pferde betrafen, so dass dieser ihm antworten musste, während er gern Aarens, dessen Reden und Benehmen ihm befremden musste, etwas Zurechtweisendes hätte erwidern mögen. Der Graf Hohental selbst nahm an dem Pferdegespräch lebhaften Anteil, liess es nicht sogleich wieder sinken, und so kam es, dass dies Mal Aarens ungestraft davon kam. Von den Pferden kam das Gespräch auf Tierquälerei, der alte Graf legte in diesem Punkt das grösste Zartgefühl und den jugendlichsten Entusiasmus für alle diesen Punkt betreffende Vereine an den Tag – und um nur die Unterhaltung endlich von dem lieben Vieh hinwegzubringen, ging Jaromir von der Tierquälerei zur Menschenquälerei über.
"Es ist wahr, den Tieren wird oft eher geholfen, als den Menschen – so will's die moderne Barmherzigkeit."
"natürlich, weil die Menschen sich selbst helfen können –" sagte Aarens.
"Das sagen Sie – nicht ich," versetzte Jaromir – "Was meinen Sie dazu, wenn nun die untern Classen beschliessen, sich selbst zu helfen, und wir haben dann z.B. einen Aufstand der Eisenbahnarbeiter wie der jetzige?"
"Also wäre es wirklich gegründet?" sagte der Graf Hohental. "Ich glaubte den Nachrichten meiner Leute nicht."
Die Gräfin ward todtenblass und sagte: "Mein Gott, was wollen denn diese Menschen? Ach, es ist eine entsetzliche Zeit, in welcher wir leben müssen!"
"Gewiss," fügte Aarens bei, "eine widerwärtige Zeit, wo nicht einmal mehr der gemeinste Pöbel in seinen Schranken bleiben will. – Doch wozu hat man Soldaten? Es ist Frieden, und da einmal das Militair da keine Beschäftigung hat, so benutze man es hier und mache es zu seiner Hauptaufgabe, diese Volkshefe, wenn es nicht anders möglich, durch die Gewalt der Waffen im Zaum zu halten."
"Das wäre ja fürchterlich – Brüder gegen Brüder – das könnte doch kaum der äusserste Punkt der Notwehr entschuldigen. – Sie denken wie ich, Graf Szariny?" fragte Elisabet.
"Ich denke wie Sie, aber ich weiss, dass Ansichten, wie die des Herrn von Aarens, in den höchsten Kreisen sehr viel Vertreter finden – ich befürchte Schlimmes –" sagte der Gefragte.
Elisabet fühlte sich plötzlich von einer schrecklichen Angst erfasst. "Das sind Dinge, von denen ich früher keinen Begriff hatte. Ich sah die untern Classen immer nur von fern, wie sie friedlich ihre Arbeit verrichteten, vom Morgen bis zum Abend, und dabei zufrieden aussahen. Diese Leute, sagte ich mir, wissen es nicht anders, ihr mühvolles Tagewerk