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und fuhr dann wieder, zu dem ersten Tema schnell zurückkehrend, fort: "Ich lasse meine romantische Schilderung von Hohenheim die Runde durch mehrere Journale machengefällige literarische Freunde ersuche ich, kleine Notizen daraus noch auszumalen, meinen Bekannten in meinem letzten Wohnorte und Berlin schreibe ich privatimund es müsste in der Tat seltsam zugehen, wenn es nicht innerhalb weniger Wochen für viel fashionabler gälte, in die Wasserheilanstalt nach Hohenheim zu wallfahrten, als nach Gräfenberg, und selbst nach Teplitz, Baden, Kissingen u.s.w."

"Nun, und Niemand wird darüber erfreuter sein, als ich, da eigentümliche Verhältnisse es für mich vorteilhaft machen, einige Monate bei meinem Onkel noch auszuhalten, wo man, wie Sie sehen, nicht immer auf's Beste unterhalten wird."

Während so diese Beiden frohgelaunt den Abend heiter verplauderten, befand sich der Rittmeister unterdessen in einer ganz andern Stimmung; seine Laune war viel eher grau in grau zu nennen, als rosenfarben.

Er hatte vorher im geheimen Zwiegespräch dem Grafen von Hohental den höchst unangenehmen Fall vorgetragen, welcher ihn nötigte, entweder sogleich zehn Tausend Taler zu schaffen, oder einen der besten Teile seiner Besitzung zu verlieren. Er hatte zuerst von dem Grafen die bittersten Vorwürfe erhalten, dass er, wie dieser sich ausdrückte, eher zu einer gemeinen Krämerseele seine Zuflucht genommen, als zu einem Genossen seines Standes, und dass er ihn wenigstens nicht früher von dem ganzen unglückseligen Contrakt unterrichtet habe. Es müsse ihm doch viel leichter werden, den Wald an einen adligen Besitzer abzutreten, als an einen Industrieritter, der ihn gewiss umhauen, und als Brenn- und Nutzholz verwerten lasse, und das schöne wild daraus vertreibe, so dass, wo bisher in der feierlichen Waldstille nur die Flinte eines herrschaftlichen Jägers geknallt, bald der elende Lärm irgend einer Fabrik sich werde hören lassen. Endlich fragte der Graf, was der Rittmeister denn nun zu tun gedenke? Dieser meinte, wie ihm keine Wahl bliebe, als entweder noch vor Nacht dieses Geld an Herrn Felchner zu schicken, oder gewärtig zu sein, dass dieser morgen von dem wald Besitz nehme. Dies war dem Grafen ein so entsetzlicher Gedanke, dass er sogar seine Ausführung für eine Unmöglichkeit erklärteendlich öffnete er seinen Sekretär, sah viele Fächer und Papiere durch, und überreichte nach langem Suchen und Zählen dem Rittmeister fünf Tausend Taler in Staatspapieren und Actien. Mehr war ihm für jetzt nicht zur Hand, in acht Tagen, sagte er, würde es ihm möglich sein, auch die andere fehlende Hälfte der Schuldforderung zu liefern. Er liess sich darüber von dem Rittmeister eine Bescheinigung geben, und gab ihm selbst schriftlich das Versprechen, in wenig Tagen ihm fünf Tausend Taler auszuzahlen, damit sich dieser dessen als einer Beglaubigung Herrn Felchner gegenüber bedienen könnte, da dieser Nichts mehr auf seinen Credit gab.

Der Rittmeister musste sich nun wieder zu einem höflichen Brief an den Fabrikherrn entschliessen. Er legte die fünf Tausend Taler und die Bürgschaft des Grafen Hohental für das fehlende bei, und bat nun, sich noch einige Tage zu gedulden. – Der Brief war ein seltsames Gemisch von höflichen Redensarten, kriechenden Bitten und aristokratischen Anmassungen. – Er sandte diesen Brief sogleich durch einen erpressen Boten an Herrn Felchner.

Dieser sass eben mit Pauline, Georg und den Factoren beim Abendessen, welches so hastig und schweigsam eingenommen ward, wie immer, als man ihm des Rittmeisters Brief überbrachte. Er riss das Siegel verdriesslich auf – "sollte er doch noch das Geld aufgetrieben, und mich so um den guten Handel, den ich so leicht mit dem wald gemacht hätte, betrügen?"

Als er gelesen, und die Papiere durchgesehen, stand er halb ärgerlich, halb lächelnd auf, und ging in sein Comtoir. Hier schrieb er an den Rittmeister: "Euer Hochwohlgeboren haben mir kein baares Geld geschickt, sondern elende Papiere, zum teil von sehr relativem Wert. Wer wird eine Schuldzahlung in Actien annehmen? Die Bürgschaft des Grafen Hohental ist für mich ohne Wert, denn sie ist nicht gerichtlich. Ein Mann, ein Wortich habe sechs Wochen Geduld gehabt, und Ihnen heute erklärt, dass dieselbe zu Ende ist. Bemühen Sie sich ja nicht weiter, mit höflichen Redensarten mich andern Sinnes zu machen. Ich schicke Ihnen Ihre Papiere wieder, und übergebe morgen unsere Sache dem Gericht."

Er versiegelte Alles, und gab das Paquet dem Boten des Rittmeisters. Dann rief er seine Tochter.

"Mein Kind," sagte er freundlich, "ich habe heute in Deinem Namen einen Korb erteilt, ist Dir das recht, oder hättest Du schon Lust, Dich zu verheiraten?"

"Nein, gewiss nicht, lieber Vater," sagte Pauline halb errötend, halb lachend. "Es kann auch nur ein Scherz von Dir sein, denn ich wüsste nicht, wer könnte im Ernst um mich angehalten haben."

"Ei doch, es ist gar kein Scherzder junge Baron von Waldow, dessen Vater dadurch aus seinen Schulden kommen wollteein neues Mittel für einen Vaterin der Tat ein neues Mittel, sonst suchen nur die adligen Taugenichtse eine reiche Partie, um ihre Schulden zu bezahlen, und ihr faules und lockres Leben bequem fortsetzen zu könnenaber der Speculationsgeist dieser Herren macht immer riesenhaftere Fortschrittejetzt suchen die herabgekommenen adligen Gutsbesitzer für ihre Söhne die Goldfischchen zu angeln, um durch einen guten Fang zugleich sich selbst mit aufzuhelfeneine sehr