steife Neigung mit dem kopf machte, als der junge Graf auf ihn zutrat, dieser aber sagte freundlich:
"Ich werde mir morgen erlauben, Ihrer Anstalt einen Besuch abzustatten, und wenn mir die Localitäten gefallen, auf einige Wochen mich dahin zurückziehen."
Da auf einmal heiterte sich das Gesicht des Hofrates urplötzlich auf, es war, als hätten bisher lauter Gewitterwolken dasselbe verdunkelt, und ein einziger unerwarteter Westwind trieb sie alle auseinander, und machte sie spurlos verschwinden. Der Doctor erwiderte mit einem tiefen Bückling, und begann lächelnd und schmunzelnd einen langen Sermon zu halten, wie sehr ihn die Bekanntschaft des Herrn Grafen ehre und freue, und wie er dem Himmel nicht genug für den günstigen Zufall danken könne, diese Begegnung herbeigeführt zu haben. Eine zweite Rede, welche er über die vortreffliche Einrichtung seiner Anstalt halten wollte, ersparte Jaromir sich und ihm, indem er versicherte, sich das Alles lieber morgen am schicklicheren Orte erklären zu lassen, und sich mit den andern Herren, mit denen er gekommen war, entfernte.
XII. Folgen eines Besuches
"In jenen Räumen des lebendigen Todes
Zeigt Deine Hand das Elend kalt und tief,
Die Not – die Kinder mordet, wie Herodes,
In deren Schaar vielleicht ein Heiland schlief."
Alfred Meissner.
Als die drei Herren wieder in dem haus des Rittmeisters angekommen waren, zog sich Letzterer sogleich in sein Zimmer zurück, um nötige Geschäftsbriefe zu schreiben, wie er sagte. Er hatte vorher eine lange Unterredung mit seiner Gemahlin, welche sich nach dieser bei den jungen Herren entschuldigen liess, und wegen Kopfschmerzen auf ihrem Zimmer blieb.
"Im grund ist es sehr langweilig hier," sagte Waldow, als er bei dem einsamen Abendessen Jaromir gähnend gegenüber sass.
"Wissen Sie," begann dieser, "dass mir Ihr Wort von diesem Morgen nicht wieder aus dem Sinne will: es ist leicht, Hohenheim berühmt zu machen?"
"Gewiss eine göttliche idee von mir!" rief Waldow "Wir wollen den Ort in die Mode bringen – Sie brauchen sich nur zu entschliessen und die Presse in Bewegung setzen, sie für diese idee gewinnen, und wir erreichen unser Ziel – die Presse ist eine Macht –" Grosses und Gutes zu bewirken, und welche man dafür doch negiren mögte, der man aber ungestört gewähren lässt, wenn es ihr einmal gefällt, eine Narrheit zu erfassen – und es soll mir Spass machen, dies den Leuten zu zeigen."
"Sie brauchen nur einige emphatische Artikel über Hohenheim zu schreiben, eine Novellette, welche dort spielt, und unser Ziel ist erreicht."
"Ich werde noch mehr tun – ich werde selbst nach Hohenheim ziehen."
"Sie scherzen."
"Mein voller Ernst. Ich habe mich bereits bei dem Wasserdoctor vorhin angemeldet."
Waldow hielt sich vor lachen die Seiten, wie seine Gewohnheit war – und er hatte sie nötig, denn er pflegte immer ungewöhnlich laut und lärmend zu lachen. "Das ist göttlich! Ich an Ihrer Stelle würde das bis über's Jahr versparen, wo der Ort Mode ist – jetzt werden Sie sich mit dem Engländer allerliebst amüsiren, und das Spazierenlaufen zu dem einsamen Brunnen, die frugale Kost muss eine süperbe Sache sein."
"Die Narrheiten der Kur werde ich nicht mitmachen – was ich will, ist nur, mich in eine romantische Natureinsamkeit zurück zu ziehen, dort ungestört zu arbeiten, der tödtlichen Langeweile des Salonlebens mich zu entziehen, und was mir dabei Spass machen soll, ist, nach und nach die Kurgäste ankommen zu sehen, von deren Kommen ich die einzige Ursache sein werde, und die doch niemals weder dies, noch überhaupt einsehen werden, dass sie doch eigentlich nur mystificirt sind. Man muss endlich raffinirte Mittel ersinnen, um sich die Langewcile zu vertreiben."
"Ein königlicher Spass!" rief Waldow ein Mal über das andere. "Sie verdienten dafür den roten Adlerorden oder eine Civilverdienstmedaille."
"Scherz bei Seite," sagte Jaromir, "vielleicht können wir Eines oder das Andere dem unvermeidlichen Hofrat verschaffen, der natürlich auch ein berühmter Mann werden muss – ein Glück, dass er bereits Hofrat ist – das empfiehlt sehr – wir wären sonst auch noch in die Verlegenheit gekommen, ihm einen Titel zu kaufen. – Morgen fahren, reiten oder gehen wir hin, und dann schildere ich sogleich mit poetisch begeisterter Feder den reizend gelegenen Ort als ein wahres Paradies. Die Anstalt wird als im ersten Erblühen geschildert, in der aber bereits ein reicher Graf, ein junger Pole, ein berühmter Schriftsteller und Engländer eingetroffen sind. Dabei ist nicht die geringste Lüge, denn die ersten drei Personen vereinige ich alle in einer, und ich werde da sein. Die Umgegend wird als eine von vielen der ersten aristokratischen Familien bewohnte geschildert – einige Sagen werden von den Schlössern, welche sie bewohnen, mit eingewebt."
"Und vergessen Sie nicht, einzuschalten, dass schöne Burgfräuleins und hübsche Fabrikkinder in dieser Umgegend zu sehen sind. – Apropos – es war also kein Fabrikmädchen, sondern Comtesse Elisabet, welche wir diesen Morgen sahen; indessen find' ich es höchst sonderbar, dass sie so vertraut mit dieser Tochter ihres bürgerlichen, gemeinen Nachbars tat. – Nun, und wie gefiel Ihnen Elisabet? Ich muss gestehen, mein Geschmack sind diese schlanken, kalten Damen nicht. Wie gefiel sie Ihnen?"
"Ich urteile selten nach erstem, flüchtigem Eindruck," sagte Jaromir ausweichend,