um Ihnen Reue und Kummer zu bereiten. – Bella! Sie sind mir heute so teuer und so wert, ja so unentbehrlich, als irgend einmal – aber niemals haben Sie wieder jenes stürmische Verlangen in mir erweckt, wie an jenem Abend in Berlin –: urteilen Sie, ob ich noch leidenschaftlicher Liebe fähig bin. Nein, ich habe Sie für immer begraben! – Und wissen Sie, wenn das war? – An jenem Tage, als Sie sich zuerst darüber beklagten, dass ich gegen Sie verändert und unhöflich gewesen. Ich sage Ihnen Alles. Meine erste Liebe war ein allmächtiges, heiliges Gefühl, das mein ganzes Dasein, mein ganzes Streben ausfüllte – meine erste Geliebte ward mir untren – begreifen Sie, was das heisst? Meine Liebe war mein Leben gewesen, sie allein hatte ihm Farbe und Glanz gegeben, und diese Liebe ward verhöhnt, in den Staub getreten, und dadurch ward mein ganzes Leben zu einem wesenlosen, finstern Schemen. O, es ging Alles sehr natürlich zu – es war gar nichts Aussergewöhnliches – das Mädchen war gewiss sehr vernünftig," sagte er höhnisch, indem er dabei innerlich zitterte – "es machte eine gute Partie – es war arm, und ich damals auch, und hätte auf mich noch lange warten müssen – der Andere wandte ihr den Brautkranz sogleich in's Haar – so Etwas geschieht alle Tage – warum nicht auch eines Tages mir? – Jahre sind vergangen, ich hatte meine Verzweiflung und das Mädchen vergessen – an jenem Tage, wo sie zuerst über mich klagten, stand ich an dem Sterbebette dieser Einstgeliebten – wohin sie mich verlangt hatte. Ich brachte keine Liebe mehr mit zu ihr – keine Liebe – sie war für immer aus meiner Brust gerissen – und das war der Fluch ihrer Tat! – Aber ich kam zu der Erinnerung von ehemals, ich hatte wieder das klare Bewusstsein von dem, was Liebe eigentlich sei, was sie einst aus mir gemacht, wie sie mich beglückt und erhoben hatte – und da fühlte ich, dass es für mich damit aus sei."
Er hielt beinahe erschöpft inne, sie hatte sanft seine Hand ergriffen, und drückte sie teilnehmend, indem er fortfuhr: "Vielleicht begreifen Sie nun, dass mich plötzlich wieder jedes Liebesspiel anekelte, dass ich keinen zärtlichen Liebhaber spielen mag, da ich erkannte, dass ich nur ein Mal es wirklich gewesen, und ausserdem Nichts als ein gemeiner Gaukler, der aber seine Kunst so weit gebracht hat, dass er sogar sich selbst zu betrügen gelernt! – Darum, Bella, fordern Sie keine zärtlichen Worte und Blicke mehr von mir, aber seien Sie meiner Freundestreue gewiss. Sie sind mir unentbehrlich, lassen Sie mich bei Ihnen die Stätte finden, wo ich meine besten Freuden geniesse!"
Sie fühlte, wie Recht er hatte, sie hatte Mitleid mit ihm, sie war gerührt – und ihr Stolz war geschmeichelt, dass er sich nicht ganz von ihr losreissen konnte, ihrer Eitelkeit war genug getan, dass er keine Andere liebte – sie selbst hatte auch keine tiefe leidenschaft für ihn empfunden, aber sie vermisste ihn schmerzlich, wenn sie ihn entbehren musste, und deshalb sagte sie in heiterm Tone:
"Nun, so sollen Sie denn das Recht haben, ein ungalanter Liebhaber zu sein, wenn Sie nur ein desto treuerer Freund sind – ich werde mir andere Anbeter suchen müssen, sie sind ja auch keine Seltenheit – aber treue Freundschaft ist eine, und so wollen wir denn davon ein musterhaftes Exemplar zu stand bringen."
So aufrichtig war dies neue Bündniss zwischen diesen Beiden geschlossen worden. Aufrichtig, denn was Jaromir verschwieg, das schlummerte selbst in seiner Seele Tiefen als ein ungelöstes, heiliges Rätsel.
Er hatte Elisabet zum zweiten Male gesehen, er war von diesem Augenblicke an wieder ein begeisterter Dichter geworden. Aber er hatte nicht nach ihr geforscht, er hatte sie nirgends gesucht. Wie ein wunderherrliches Traumbild war sie ihm erschienen, so, sagte er sich, sollte sie in ihm fortleben. Warum auch diese himmlische Erscheinung hereinziehen in die gemeine Wirklichkeit? Sie würde in ihr doch auch in ein leeres Nichts zerfliessen, so meinte er, und das wollte er sich ersparen; er wollte nicht auch dieses Ideal vernichten, um es mit zu den andern umgestürzten Göttern seines inneren und seines Lebens zu werfen, deren Fall er schon beweint oder verspottet hatte. Dieselbe Macht, welche sie ihm zwei Mal in den Weg seltsam geführt, die werde es auch noch ein drittes Mal so fügen, er wusste es – aber er fragte weiter nicht darnach, er bemühte sich nicht darum. Aber wie eine leuchtende Gestalt stand sie immer vor seiner Seele, und es gab Momente, wo er sinnend in selige Träumereien versank – sie kamen ihm dann, wenn er ihrer gedachte.
Der Frühling war gekommen. Bella nahm Urlaub zu einer Kunstreise. Jaromir hatte sich nun noch mehr, als je gelangweilt. Er hatte daher mit Vergnügen den Vorschlag eines seiner Bekannten, von Waldow, angenommen, ihn auf das Gut seines Oheims, welchen er früher schon einmal kennen gelernt, zu begleiten, um fern von der Stadt in Bergen und Tälern den Frühling in seinem ersten Kommen zu belauschen.
Und so hält denn jetzt der Wagen, in welchem der Rittmeister von Waldow mit seinem Neffen und Jaromir sitzt, im weiten hof des Schlosses Hohental.
Die Ankommenden wurden gemeldet, und in das Empfangzimmer geführt. Die Gräfin, eine sehr hohe