nur die Worte heraus:
"Nein, das ist zu unverschämt." Bleich stand er da, sein lederartiges Gesicht zuckte in jedem Fältchen seiner Haut, die zornsprühenden Augen drehten sich wild nach zwei verschiedenen Seiten, die einzelnen Haare seines Hauptes sträubten sich zur Decke.
Auch der Rittmeister sprang auf, und indem er einige Schritte gewissermassen furchtsam zurücktrat, sagte er: "Welches Benehmen, mein Herr – in meinem Zimmer!"
"Ich frage Sie," sagte Herr Felchner, auf's Aeusserste gereizt, "wie kamen Sie dazu, mir dieses unverschämte Anerbieten zu machen? Wie konnten Sie denken, ich werde die Hand meiner einzigen Tochter einem Krautjunker geben, ja einem Krautjunker, von dem ich noch dazu weiss, dass er in Kurzem ein Betteljunker sein wird, da ich die Wirtschaft seines Vaters kenne! Oder konnten Sie sich wirklich einbilden, ich solle es mir zur Ehre schätzen, wenn meine Tochter eine gnädige Frau würde? Die adligen Freier werden sich zu Duzenden finden, denn das Mädchen ist ein Engel, und wäre sie hässlich wie die Sünde, ihr Geld würde sie in den Augen altadliger Hungerleider doch zu einem Engel machen. – Aber bilden Sie sich nicht ein, dass heute zu Tage ein Industrieller noch Respect hat vor einem grossen Wappenschilde und einem vornehmen Namen – Herr Rittmeister – d a s s i n d B a g a t e l l e n – Bagatellen, zu erbärmlich, sie nur zu beachten."
"Es ist gut," fuhr er ruhiger fort, nachdem er die heftige Rede abgebrochen und hochaufatmend frische Kraft zum Weitersprechen gesammelt hatte – "das Wort Bagatell bringt mich wieder auf die Ursache meines Kommens, und auf die zehn Tausend Taler zurück, welche Sie für ein Bagatell erklärten, und welche ich Ihnen wahrscheinlich mit meinem kind schenken sollte – Sie haben das Vaterherz so in Wut gebracht, dass ich beinah Narr genug gewesen wäre, darüber meine zehn Tausend Taler zu vergessen – sie waren schon vor einem Monate gefällig – Sie werden meine Nachsicht zu schätzen wissen – ich bin da, um das Geld in Empfang zu nehmen."
"Mein Herr Industrieller," sagte der Rittmeister, der unterdessen mühsam nach Fassung gerungen, und vergebens überlegt hatte, wie er sich noch am Besten aus der Schlinge ziehen könnte, mit beleidigtem Ton in der stimme und einem Anflug von Spott, "es ist mir unmöglich, mit Leuten, welche alle Rücksichten und Höflichkeiten aus den Augen setzen, auf die jeder Mensch von Bildung Anspruch macht, zu verhandeln, ich werde Ihnen Ihr Geld noch heute in Ihre wohnung schicken –" und der Rittmeister kehrte dem Fabrikanten vornehm den rücken, und war im Begriff, das Zimmer zu verlassen.
"Sie können bleiben," sagte dieser, "ich werde gehen – Ihre elende Ausflucht ist eines Aristokraten des neunzehnten Jahrhunderts würdig. Sie haben das Geld nicht, ich sehe sehr wohl ein, dass ich es also nicht mitnehmen kann, und werde daher gehen. Brechen Sie aber Ihr Wort abermals, und ich erhalte das Geld nicht noch heute, so begebe ich mich morgen mit dieser Verschreibung zu den Gerichten, und Ihre Waldung ist mein Eigentum. Ich empfehle mich Ihnen."
Mit diesen Worten ging der kleine graue Mann zu der grossen Flügeltüre hinaus, und fuhr dann in seinem glänzenden Staatswagen heim. Während er einen blick auf die nahe Waldung warf, rieb er sich vergnügt die hände, und sagte zu sich selbst:
"Es ist nicht möglich, dass er das Geld bis heute Abend schafft, der Wald ist also mein, und ich habe im grund keinen schlechten Handel gemacht. Den Wald lasse ich umhauen, benutze den Platz zu einer Bleiche, der Bach, welcher durchfliesst, lässt sich zu einem Graben machen, und kann eine neue Walkmühle treiben – nein, nein, es ist wirklich kein schlechter Handel – es ist gut, wenn ich auf so billige Art, und ganz allmälig meinen Grundbesitz vergrössern kann"
Dem Rittmeister merkte man bei Tafel nicht an, welchen grossen Aerger er kurz vorher gehabt, in welcher inneren Aufregung er sich noch befand, welche schlimmen Sorgen er sich machen musste. Er war der liebenswürdige Wirt, wie gewöhnlich.
Als man die Tafel aufhob, sagte er: "Ich muss heute noch einen Besuch bei Graf Hohental machen, wollen mich die Herren begleiten, so werde ich mich freuen, Sie vorstellen zu können."
Jaromir und der Neffe waren mit Vergnügen dazu bereit.
XI. Wiedersehen
"Ein Tor, wer auch die Hefen schlürfte,
Weil er den Becher ausgeleert;
Wir wären, wenn's so enden dürfte,
Eines des Andern nimmer wert."
Franz Dingelstedt.
Die Langeweile war es, welche Jaromir noch lange an Bella gefesselt hatte, obwohl sein Herz längst Nichts mehr wusste von diesem Bande. Auch hatte sich das verhältnis geändert, früher war er der Sklave ihrer Launen gewesen, später musste sie die seinen ertragen.
Zuweilen war er lange aussen geblieben, aber endlich war er doch immer wieder zu ihr gegangen, weil er für die Stunden, die er bei ihr zuzubringen pflegte, doch nirgends andern Ersatz fand. Um es mit einfachen Worten kurz zu sagen: es fehlte ihm Etwas, wenn er lange nicht bei ihr gewesen war, und so ging er immer wieder zu ihr. Wollte sie ihn dann mit Vorwürfen empfangen, dass er so lange nicht da gewesen, so setzte er