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darauf an, ob mein Freund, Graf Szariny, will: – erklärt er Hohenheim für berühmt, so wird es dasselbe auch in Kurzem seinund dass ein Engländer gerade schon da ist, wird uns sehr zum Nutzen gereichen, man braucht da weniger aufzuschneiden. – Was meinen Sie, mein Freund?"

Jaromir hatte nur scheinbar dem Gespräch zugehört, seine Gedanken waren anders beschäftigt gewesen, er glaubte jetzt den Kern des Gespräches ganz richtig erfasst zu haben, als er antwortete: "Man wird doch in Deutschland nicht immer so bornirt sein, alles dumme Zeug nachzuäffen, was ein Engländer angiebt."

Der Hofrat stand entrüstet auf.

Die gnädige Frau war unbeschreiblich verlegen.

Der Rittmeister nötigte zum Trinken.

Jaromir sah sehr harmlos die ganze bestürzte Gesellschaft der Reihe nach an.

Waldow wusste sich nicht mehr zu helfen, und hielt sich laut lachend die Seitenendlich sagte er: "Sie sehen, Herr Hofrat, an welchem fürchterlichen Spleen mein armer Freund bereits leidetSie werden eine glänzende Genugtuung von ihm erhalten, denn über kurz oder lang werden Sie ihn in Ihrer Anstalt finden."

Eh' man über dieses Missverständniss sich deutlicher erklären konnte, fuhr unten ein Wagen vor, und ein Diener meldete Herrn Felchner.

Der Rittmeister ward ein Wenig blass. "Der Mensch kommt in Geschäften zu mir, welche keinen Aufschub leiden," sagte er, und fügte eilig, wie sich besinnend hinzu: "Es betrifft Grenzstreitigkeiten und Ablösungsverhältnisse. Ich bitte zu entschuldigen, wenn ich mich in mein Zimmer zurückziehe."

Auch der Wagen des Hofrats hielt unten, und so trennte man sich für den Augenblick schnell von einander. Die Gattin des Rittmeisters warf diesem einen flehenden blick zu, und ging ebenfalls in ihr ZimmerWaldow warf sich gähnend in eine Sophaecke, wo er alsbald entschlief, während Jaromir ein Packet Zeitungen ergriff, eine Cigarre anzündete, und damit in den Garten ging.

Es war ein unerquickliches Geschäft, was der Rittmeister mit Herrn Felchner abzutun hatte.

Er trug auch hier seinen alten grauen Hausrockdiese Misachtung aller conventionellen Sitte im Haus eines Aristokraten war für ihn charakteristisch.

"Gehorsamer Diener," sagte er im Eintreten, "wollte mir nur selbst die Antwort auf meine beiden Briefe holen, welche Sie mir schuldig geblieben sind."

"Es freut mich, dass ich das Vergnügen habe, Sie selbst persönlich bei mir zu sehen," sagte der Rittmeister höflich, aber Felchner fiel ihm in's Wort: "Sie entschuldigen, dass ich Ihre höflichen Redensarten unterbreche, allein wir Geschäftsleute haben immer nicht viel Zeit, dergleichen zu erwidern und anzuhören, und heute bin ich ganz besonders pressirt. Wir wollen uns einander nicht unnötig mit höflichen Redensarten aufhalten. Mein Besuch, fürcht' ich, wird Ihnen nicht erwünscht sein, denn Sie werden wohl wissen, weshalb ich komme, sollken Sie sich dessen, was wir zusammen verabredet haben, jedoch gar nicht mehr erinnern, so werde ich mir selbst die Freiheit nehmen." Mit diesen Worten zog Herr Felchner aus seinen grossen Rocktaschen einige actenmässig aussehende Papiere.

"Herr Felchner," sagte der Rittmeister vertraulich, "wir haben immer gute Nachbarschaft gehalten, wir wollen nicht um eines solchen Bagatells willen –"

"Bagatell!" unterbrach ihn dieser, und seine kleinen Augen funkelten, seine Nase ward noch spitzer, als sie ohnehin war. "Bagatell! Wenn es Ihnen das ist, so zahlen Sie mir meine zehn Tausend Taler aus! Für einen Fabrikanten gibt es kein Bagatell, dem Industriellen ist jeder Groschen ein Kapital, das seine Zinsen tragen muss, sonst stocken die Geschäftesprechen Sie nicht von Bagatell!"

"Beruhigen Sie sich, ich meinte nur nicht dieses Geld allein, sondern Geld überhaupt sei eine Bagatell dem Glücke uns nahestehender Personen gegenüber, von welchen ich mit Ihnen vor allen Dingen zu sprechen wünschte."

"Ich verstehe Sie nicht, aber ich muss Sie bitten, zur Sache zu kommen, ich habe durchaus nicht viel Zeit."

"NunSie haben eine erwachsene, liebenswürdige Tochter –"

"Ja, wahrhaftig! Sie ist mein Stolz und meine Freude."

"Ich habe einen einzigen Sohn, welcher jetzt auf Reisen ist –"

"Ich bittezur Sache, zur Sache!" und Herr Felchner rutschte ungeduldig auf seinem stuhl hin und her.

"Wir sind Nachbarn, unsere Besitzungen stossen aneinander –"

"Weiss es, weiss es, verschmelzen immer mehr in einander," sagte Felchner höhnisch.

"Das ist auch meine Meinueg," fiel der Rittmeister rasch in's Wort, ohne den Hohn in der stimme des Fabrikherrn zu bemerken, oder bemerken zu wollen, und fuhr freundlich fort: "Es würde Sie schmerzen, jemals Ihre Tochter weit von sich zu entfernennun, ich denke, Sie schlagen mit Freuden ein, Sie müssen meinen Sohn von früher kennen, Sie haben den Vorteil, dass Ihre Tochter Ihnen unentführt bleibt, den Vorteil ihrer Standeserhöhungschlagen Sie ein, mein lieber Freundwir wollen aus unsern Kindern ein glückliches Paar machen –" und der Rittmeister hielt dem Fabrikanten mit freundlichem Lächeln die Hand hin.

Dieser aber, statt, wie Jener wohl erwarten mochte, mit seiner Hand in die dargebotene einzuschlagen, schlug heftig mit dem Actenstück darauf, das er in der Hand hielt, warf aufspringend den Stuhl um, auf dem er gesessen, und zitternd vor Wut brachte er