ein paar junge Leute auf Reisen zu begleiten – ich fand es unnötig, vorher davon zu sprechen – ich habe den Stellvertreter gefunden, der mich bei Ihnen ersetzt, und bin nun im Begriff, in wenig Tagen abzureisen."
Elisabet war todtenblass geworden – sie senkte ihre Augen nieder, öffnete ihre Lippen, als ob sie sprechen wollte, brachte aber kein Wort heraus.
"Auch für Sie," sagte er, indem er sich zu Elisabet ewandte, "habe ich ein letztes Wort. Sie werden dem Lehrer eine aufrichtige Mahnung gestatten – besonders jetzt, wo wir ohne fremde Zeugen sind, und wo ich von ihnen scheide, wo Sie bald meiner nur vielleicht wie eines ernsten Traumbildes gedenken werden."
Sie winkte ihm mit einem flehenden blick, zu reden, aber selbst vermogte sie Nichts zu sagen. Ihr Herz schlug laut und stürmisch, ihre Züge versuchten umsonst, die leisen Schauer, welche über Stirn und Wangen glitten, durch den Ausdruck der Ruhe zu verscheuchen.
"Meine erste Bitte," sagte Talheim, "ist an Beide. Versprechen Sie mir, einander Freundinnen zu bleiben! – Ich war überrascht, aber erfreut, als ich diesen Bund entstehen sah – versprechen Sie mir, ihn niemals zu lösen. Sie, Pauline, bedürfen es, an ein starkes, mutiges Herz sich zu schliessen, und Sie, Elisabet, bedürfen eine sanfte und milde Seele, um sich ausruhend an sie zu schmiegen – darum müssen Sie beisammen bleiben."
Elisabet umarmte Paulinen und Beide sagten: "Wir geloben Alles!" – "Alles, was Sie gebieten," fügte Elisabet errötend hinzu.
"Vielleicht," sagte Talheim, "wird dieser Bund nicht ohne Prüfungen sein – und gerade deshalb freut er mich. – Sie werden Beide stark genug sein, sie zu bestehen, Sie werden zu stolz sein, um Ihre Neigung irgend einem Vorurteile auszuopfern – wenn Sie das Leben kennen lernen, so werden Sie finden, dass immer das Beste den grössten Kampf kostet aber auch nur das Beste ihn verdient – dann wird es gut sein, wenn Sie sich vorher geübt."
Er nahm Elisabets Hand, sie zitterte krampfhaft in der seinen, er hielt sie so fest, dass sie nicht mehr zittern konnte, und sagte: "Sie schrieben einmal einen Aufsatz über das Bibelwort: 'Wem Viel gegeben, von dem wird man Viel fordern' – beherzigen Sie das wohl – machen Sie die grossen Erwartungen wahr, zu denen Ihr Charakter berechtigt – und nun leben Sie wohl, und weihen Sie mir zuweilen einen Augenblick freundlicher Erinnerung."
"Leben Sie wohl," sagte Pauline unter Tränen, "wir werden Sie niemals vergessen, wir werden oft zusammen von Ihnen sprechen, vergessen Sie auch Ihre Schülerinnen nicht ganz."
"Leben Sie wohl," antwortete Elisabet – sah ihn noch mit einem unaussprechlichen blick an, und wie er ihre Hand los liess, warf sie sich an Paulinens Brust.
Talheim verliess schnell den Garten.
Jetzt erst brach Elisabet in lautes Schluchzen aus – nach einer Weile sagte sie: "Es kann, es darf nicht sein!"
In diesem Augenblick kam Aurelie in den Garten und in die Laube. "Ei," sagte sie lachend, "Ihr befindet Euch ja in einer ganz besonders zärtlichen Stellung – wenn diesem weinerlichen Duo etwa ein schmachtendes Finale vorhergegangen, wobei Talheim, wie die Teaterkritiker sagen, einen glänzenden 'Abgang' gehabt, so bin ich froh, dass er von mir in corpore mit den andern Mädchen Abschied genommen, und mir nicht die Auszeichnung mit Euch zu teil geworden ist."
Die Beiden würdigten sie keiner Antwort. Dies gefühllose Geschwätz Aureliens drängte diese vollends und für immer aus Elisabets Herzen.
"Nun, das ist ja allerliebst," fuhr Aurelie spöttisch fort, "die Damen sind nicht einmal mehr so höflich, zu antworten, und ich kam gutmütig genug hierher, um Dir, Elisabet, zu sagen, dass ich mich wahrscheinlich verloben werde."
"Was ist das wieder für ein schlechter Spass?" fragte Elisabet ärgerlich, und nachdem sie hastig ihre Tränen zurückgedrängt hatte.
"Gar kein Spass – da ist der hübscheste Liebesbrief, das formellste Anhalteschreiben vom Baron von Füssly, derselbe, der sich auf den ersten blick im Teater sterblich in mich verliebt hat, mich dort öfter gesehen, und im letzten Conzert so Viel mit mir gesprochen hat. Er weiss, dass heute mein Teatertag ist, und wenn ich ihm Hoffnung gebe, soll ich eine rote Rose anstecken, ausserdem eine weisse. Nach diesem Zeichen meines Einverständnisses will er bei meinen Eltern um mich anhalten. Ist das nicht allerliebst, mit sechzehn Jahren schon die Braut eines so zierlichen Herrn zu sein? Damit er ja keinen Zweifel hat, will ich lieber gleich einige rote Rosen anstecken, und um mir diese zu holen, kam ich eigentlich herab."
"Aber Aurelie – Du wirst doch keine leichtsinnige Uebereilung begehen?" sagte Elisabet warnend.
"Lass jetzt Deinen Gouvernantenton, er macht keinen Eindruck auf mich, und ich habe jetzt nicht einmal Zeit, Dich anzuhören, denn meine Toilette muss heute besonders niedlich werden, und da brauch' ich wenigstens ein paar Stunden Zeit, und habe also gar keine dazu übrig, langweilige und abgeschmackte Moralpredigten anzuhören."
Und indem sie dies sagte, entfernte sich Aurelie trallernd und tänzelnd.
"Pauline," sagte Elisabet, "ich muss Talheim noch