– zu Elisabet?" fragte sie. O, ich werde' es Dir ewig danken."
"Ach, Pauline, Du siehst mich mit unter den Schuldigen und Du vergiebst mir?"
"Ich habe Dir Nichts zu vergeben, Du hast es nicht so gewollt. – Was kann Einer wider Hunderte. Du hast Dich ihnen nicht widersetzen können, wie ich mich nicht meinem Vater – Du und ich, wir Beide haben Nichts verbrochen, dass es so kommen musste."
"Ach unsere Herzen sagen's uns, dass wir nur das Beste gewollt haben – aber das Schicksal ist grausam."
"Nein, klage es nicht an – es hat uns ja auch selbst in diesem Schrecken zusammenzeführt. – Du hast mich gerettet – ich werde Dich dann wieder retten können, wenn die Menschen Dich verklagen wollen."
In diesem Augenblick kam eine schreiende, heulende Bande auf sie zu und die Beiden befanden sich plötzlich Mitten in dem Getümmel, ohne zu wissen, woher es so plötzlich kam.
"Sie kommen! Sie kommen! Weh uns!" schrie es durcheinander von allen Seiten. "Sie kommen! – Die Soldaten! Die Schützen – weh uns! Sie sind schon da!"
Und sie waren da.
Und sie riefen die Aufrührer an, dass sie auseinander gehen mögten.
Aber der Ruf ward übertönt von dem Geschrei der Menge.
Und da tönte das Commando: "Feuer!"
Und da knackten die Hähne.
Da war's geschehen!
Wehruf ertönte – das entsetzlichste Geheul schallte zum Himmel auf und überschallte auch das Röcheln der Sterbenden.
Die Kugel folgt ihrem blinden Lauf und weiss nicht, wohin sie trifft – und die Hand, die im Dunkeln und auf Commando den Hahn abdrückt, die Hand weiss auch nicht, dass sie das Herz des Bruders treffen kann.
"Pauline – das traf!"
"Franz – Du auch? – Die Kugel steckt in meiner Brust – ach, so sind wir vereint, so ist's ja gut – der Himmel ruft die vereinten Seelen vereint – hinauf."
"Pauline! Nun bist Du mein!"
Und sie drückten sich fest aneinander und liessen ihr Blut zusammen strömen und im heissen Kuss der Liebe flohen die Seelen nach kurzem Erdenkampf aus den jugendlichen Körpern.
XI. Schluss
Was nun weiter geschah? Was soll's weiter? Man weiss es ja wie das alle Mal kommt und alle Mal endet. Es ist hart, so Etwas wieder erzählen zu müssen, wieder erzählen zu hören! –
Im Publikum, in den Zeitungen trug man sich mit allerhand abenteuerlichen Gerüchten voller Unklarheiten und Widersprüche. Endlich begnügte man sich mit dem Vericht der in der Kürze festgestellten Tatsachen.
In der Fabrik des Herrn Felchner hatte lange eine unheimliche Gährung geherrscht. Endlich war es sogar dahin gekommen, dass eines Tages die Arbeiter bewaffnet in die Fabrikgebäude drangen, die Maschinen zerstörten und als es Abend geworden war, sogar das Wohngebäude förmlich erstürmten und darin den barbarischsten Unfug verübten. Das aus der nächsten Stadt requirirte Militair war noch in später Abendstunde auf den Schauplatz dieses unheilvollen Ereignisses eingetroffen und so war es ihm gelungen, noch in derselben Nacht ziemlich und am andern Tage vollkommen die Ordnung wieder herzustellen. –
Herrn Felchners grosse Verluste die er durch die sinnlose Wut der Aufrührer erlitten, gab man auf noch unberechenbare Tausende an – als den schrecklichsten Verlust, der ihn betroffen, galt natürlich der seiner einzigen Tochter Pauline, welche in jener entsetzlichen Nacht so plötzlich und unbeschützt um's Leben gekommen war – getödtet von den Kugeln derjenigen, deren Kommen ihr strenger Vater mit solcher Ungeduld erwartet hatte! – Er hatte wohl nicht daran gedacht, nicht darnach gefragt, ob unter den Schuldigen, denen er die mörderischen Kugeln entgegenschickte, auch Unschuldige sein könnten – und wenn er daran gedacht hatte, so hatte es ihn nicht gekümmert – er litt ja eben jetzt auch unschuldig – wie er meinte – das Schlimmste – aber da stand er wie vom Donner gerührt, als das eigne unschuldige Kind mit getroffen war von dem blinden Strafgericht, das er den Schuldigen zugedacht hatte. –
Darüber, ob in der Fabrik des Herrn Felchner wirklich grosser Notstand der Arbeiter geherrscht habe – ob wirklich communistische Verbindungen unter ihnen bestanden – und ob die Not – ob communistische Aufhetzereien – ob die Organe und Vertreter der schlechten Presse die meiste Schuld trügen an all' dem Unheil, das so plötzlich hereinzebrochen war: darüber waren die Meinungen der Zeitungsleser sehr geteilt – ein jeder von ihnen bildete sich wohl seine eigene selbst.
Herr Felchner rauste sich seine grauen Haare an der Leiche seiner Herzenstochter – aber es war, als sei mit ihr sein guter Engel gewichen – er ward immer misstrauischer, immer tyrannischer und überlebte sie nicht lange.
August und Wilhelm kamen in's Zuchtaus. Anton erhielt eine Medaille.
Der Geheimrat von Vordenbrücken bekam einen Orden und der Polizeirat Schuhmacher, weil er schon Orden aus allen Classen hatte, eine goldne Dose.
Gustav Talheim und Graf Jaromir von Szariny waren von ihnen als Teilnehmer an communistischen Verbindungen angeklagt worden. Talheim war aber mit Eduin von Golzenau schon über die Deutsche Grenze, als man sich seiner bemächtigen wollte – so ward ihm nun die Rückreise in das Vaterland verweigert. Da gegen Jaromir der Verdacht noch geringer, er ein Graf war und einflussreiche Verbindungen hatte, so begnügte man sich damit, die Censoren auf seine Artikel besonders aufmerksam zu machen. –
Amalie verzweifelte daran, sein Glück