darf, wiegt Alles auf, was man durch Weiberfalschheit gelitten – streben Sie danach, den Engel zu verdienen, der sich Ihnen weiht – enden kann Ihre Liebe niemals, das fühl' ich jetzt, und Ihre Liebe ist ihre Seligkeit."
Darauf liess er den seltsam Ueberraschten los, führte ihn zu Elisabet und stürzte fort.
Sie lehnte sich innig in Jaromir's arme und sagte mit in Wonne leise vergehender stimme: Ja! Unsere Herzen sind vereint für ewig!"
Als sie sich aus dieser Umschlingung wieder aufrichteten, sah er auf das Madaillon – er ward bestürzt und blickte sie wieder an.
"Ich kam, Dir heute mein Leben zu erzählen – und man hat mir wohl wieder vorgegriffen?" sagte er finster.
Sie lächelte: "Und Du siehst, was man damit erreicht hat!"
Nun setzten sie sich zusammen und er sagte ihr sein ganzes Leben und sein ganzes Herz – und sie schwor ihm dazwischen, dass nun seine Täuschungen ein Ende hätten und dass ihn niemals ein Herz geliebt wie das ihrige.
Als ihm auch jetzt Elisabet Alles sagte und er sah, welche kleinliche und niedrige Rache Bella's beleidigte Eitelkeit an ihm hatte nehmen wollen, so endete auch das Gefühl der Freundschaft, das in seinem Herzen noch für sie gesprochen.
Aber während Bella bei andern Liebhabern den Einen zu vergessen strebte, sann die unglückliche Amalie noch in finstrer Missgunst, wie sie Jaromirs Glück verderben wolle.
Seltsame Verirrung des weiblichen Herzens!
Amalie selbst war es ja, welche das erste Unrecht begangen an Jaromir, als sie ihm untreu geworden aus törigter Eifersucht, aus eitler Grille. Sie war es, welche den Glauben an das Schöne und Edle der weiblichen natur in ihm zerstört, weil sie seiner heiligen ersten Liebe sich unwert zeigte, sie hatte Rauch und Asche in das heilleuchtende reine Feuer seiner Liebe getrieben, so dass dann die Flamme auseinander wehte und lange Zeit vergeblich nach edler Nahrung suchte und trübe und düster lodernd auf niedrigem Boden dahinkroch. Sie hatte ihn unglücklich gemacht, denn ihr Verrat war die Ursache, dass er für sein zertretnes Herzensglück Ersatz suchte bei niedrigen Leidenschaften. – Und als sie darauf nach Jahrelanger Neue über ihr Unrecht, eine Neue, die mehr Egoismus als ein edles Gefühl war – ihn wiedersah und erkannte, wie er von seinem Schmerz genesen war und die Zeit gesühnt hatte, was sie an ihm verbrochen – da kehrte ihr Herz sich wieder um, und sie hasste ihn nun, weil er im Kampfe mit sich selbst und dem Schmerze Sieger geblieben war. Und jetzt – als sie ihn abermals wieder sah, glücklich durch Liebe an der Seite einer schönen, bewunderten Jungfrau – da erwachte all' ihre Eitelkeit wieder – sie sah sich verblüht, alt und hässlich geworden, und doch hatte sie einst derselbe schöne Mann geliebt, der jetzt eine würdige Wahl war für jenes hohe Mädchen – und er wäre der Ihrige gewesen, wenn sie nicht selbst sich von ihm getrennt hätte. Die Schuld zu tragen an dem eignen vernichteten Lebensglück! Wohl mag das hart sein – und eine Frau wie Amalie ohne höhern Schwung der Seele, ohne Grösse des Herzens konnte wohl bei solchem Bewusstsein untergehen, von Stufe zu Stufe sinken und endlich noch ein Recht zu haben meinen, die eigne Schuld fremden Menschen oder einem blinden Schicksal aufzubürden. Wer niemals gelernt hat, gerade darin einen Stolz zu setzen, grösser zu sein als sein Schicksal – der lässt sich in ohnmächtiger Schwäche von ihm darnieder beugen und nennt das dann noch: christliches Dulden.
Amalie hatte dies getan – sie hatte geduldet – nun verlangte sie dafür eine Genugtuung.
Sie hatte durch ihr Benehmen, als sie Jaromir bei Elisabet wieder sah, und wo das Unerwartete sie zu einer niedern Heftigkeit hinriss, ihren Zweck verfehlt, das sah und wusste sie. Erst hatte sie Jaromir's Briefe aufbewahrt, um durch sie vielleicht einmal sein Liebesglück zu zerstören – dazu waren sie ihr jetzt nutzlos, wenn Elisabet bereits um Jaromirs erste Liebe wusste. Von dieser Seite konnte sie nicht zu ihrem Ziel kommen.
In düstrer Stimmung war sie eines Abends allein zu haus, als ein Herr kam und den Oberst von Treffurt zu sprechen wünschte.
Als er eintrat, standen die Beiden sich betroffen gegenüber und sahen sich an.
Amalie erkannte in dem Polizeirat Schuhmacher denselben, welcher bei ihr Haussuchung gehalten – und er erkannte sie, denn ein Mann bei der geheimen Polizei hat ein fabelhaftes Gedächtniss für Personen. Da er jetzt einige Wochen von Hohenheim entfernt gewesen war, hatte Amalie bisher seiner Aufmerksamkeit entgehen können. Er knüpfte sogleich weitläufige Combinationen an diese Begegnung.
Durch ihre Seele schoss es ebenfalls wie ein Blitz: um Jemand zu nützen, stellt man keine geheimen Haussuchungen an – dieser Mann hatte also damals Gefährliches im Sinne gehabt – und er hatte sich gefreut, als er Papiere von Szariny gefunden – vielleicht war es in der Macht dieses geheimnissvollen Mannes, Szariny irgend ein Uebel zuzufügen – sie durfte die gelegenheit nicht vorübergehen lassen.
Nach den ersten fragen und Antworten über des Obersten Abwesenheit begann Amalie:
"Sie wollten einst Auskunft von mir über den Grafen Szarinh."
"Sie meinten damals, Sie hätten mir keine weitere zu geben."
"Sie fanden mich damals in einer entsetzlichen Stimmung, Sie wissen es."
"O, regen Sie Sich durch die Erinnerung nicht auf – wenn Sie damals verschlossen gegen mich waren, so haben Sie allerdings Recht, dass jetzt der Augenblick gekommen ist