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Hohental und von diesem mit hochachtungsvoller Aufmerksamkeit behandelt wardda zuckte es auch seltsam traurig durch ihre Seele wie zu einer anklagenden Frage an das Schicksalsie dachte an Franz, an den ausgestossenen armen Franz und deshalb war sie zuweilen so still und in sich gekehrt unter all' diesen frohen Menschen, deren Glück ihr doch auch so Viel galt. Sie meinten wohl, es sei ihre Art so, oder bürgerliche Schüchternheit, wenn sie still war. Nur Talheim sah, was in ihr vorginger fühlte dann das Gleiche mit und konnte selbst sie kaum ohne Wehmut betrachten.

Aber auch Elisabet's Schicksal bekümmerte ihm Der erklärte Geliebte der Sängerin Bella, er, der schon so viel Mädchenherzen durch seine Schönheit, sein einnehmendes Wesen, durch all' seine geistig hervorragenden Eigenschaften, freilich oft mehr willenlos als absichtlich an sich gefesselt hatteund sie dann wegwarf, weil er keine Befriedigung bei ihnen gefundengleich viel, ob sie dabei brachen und blutend zucktenkonnte der eine Bürgschaft dafür geben, dass Elisabet endlich dies ruhelose Herz ausfüllen und dass er sie dauernd beglücken werde?

Elisabet war von Talheims Gegenwart wunderbar ergriffen. Sie fühlte es jetzt wohl, wo ihr Herz mit dem Jaromirs so selig zusammenschlugnicht Liebe war es gewesen, was sie einst für den Lehrer empfunden hattedenn noch fühlte sie sich von demselben Gefühl beherrscht wie damals. Es war eine Art kindlicher Ehrfurcht, welche sie vor ihm hatte, und zugleich auch zärtlichste Verehrung, die sie ihm darbrachte, wie einem höhern Wesen. Es war, als habe er eine unsichtbare Gewalt über sie, von der freilich er am Wenigsten Etwas ahnte, die aber sie selbst um so tiefer fühlte.

Am Nachmittag im Park ging sie einmal neben Talheim alleindie Andern folgten in einiger Entfernung.

Die Beiden hatten zusammen von ver angenen Tagen in der Residenz gesprochen.

"Als ich Szariny zum ersten Mal sah," sagte Elisabet, "war es an Ihrer Seiteer war bei Ihnen gewesenSie hatten ihn herausbegleitetich trat aus der entgegengesetzten türnachher war mir der Gedanke immer so freundlich, dass doch gerade Sie es sein mussten, der uns zuerst zusammenführte."

Diese Erinnerung durchzuckte Talheim schmerzlicher sagte nur betroffen: "Ich?" weil er gar nicht wusste, was er sonst sagen sollte.

"Freilich ohne es zu wissenund dann wieder! O, wir haben oft davon gesprochen, Szariny und ich."

"So hat er Ihnen Alles erzählt?"

"Was meinen Sie?"

"Neindann würden Sie nicht fragen!" sagte er mehr zu sich selbst als zu ihraber sie hatte es doch gehört und war davon betroffener wollte diesen Eindruck verwischen und fügte dann bei: "Sie hatten den Grafen schon in der Residenz näher kennen gelernt?"

"Nur dass ich ihn zwei Mal sah, lohne seinen Namen zu kennenSie wissen, wie eingezogen wir dort im Institut lebten. Ein Mal noch hatte ich ihn ganz flüchtig gesehen, wo er mich nicht bemerktees war im Opernhausich weiss es noch genau, Otello ward gegeben und Bella sang die Desdemona."

In diesem Augenblick waren die folgenden Personen den Vorangegangenen näher gekommen. Jaromir trat neben Elisabet und indem er ihr den Arm bot, sagte er scherzend zu Talheim gewendet:

"Wenn ich wagen darf, die Schülerin ein Wenig zu zerstreuen?"

"Ei," sagte Elisabet in gleichem Tone – "wir hatten zuletzt von der Oper und der Sängerin Bella gesprochen, und da kannst Du mich noch besser belehren."

Diese heiter und unbefangen gesagten Worte nahm er für argwöhnischen SpottTalheim kannte sein früheres verhältnis zu Bella, da er mit ihr in demselben Haus wohnteund wie wäre Elisabet gerade jetzt darauf gekommen, wenn nicht Jener sogleich seine Entfernung benutzt hätte, um das vertrauende Herz der Geliebten für ihn mit einem elenden Stadtgeschwätz zu vergiften? Er schwieg tief in innerster Seele verwundetaber seine Augen flammten zürnend und herausforderd gegen Talheim auf.

Dieser begriff sogleich, was in Jaromir vorgegangen und dessen Verdachtaber er fühlte sich so über denselben erhaben, dass er davon, wie ihn Jener hegen konnte, innerlich beleidigt ward; und deshalb sagte er in einem kältern Ton, als in dem seiner gewohnten Milde: "Ich werde Ihnen Alles erklären, sobald Sie wünschen."

Jaromir versetzte kalt: "N u n kann es mir gleichgültig sein."

Elisabet begriff nicht, wie diese beiden ihr so teuern Männer auf ein Mal zu so sichtlicher Gereizteit kamen, sie zog mit edelm Stolz ihren Arm aus dem Jaromir's, trat einen Schritt zurück und sagte: "Wenn ein Missverständniss zwischen Ihnen waltet, das vielleicht in meiner Gegenwart nicht aufzuklären ist, so bitte' ich doch, dies nicht länger zu verschieben."

Jaromir wollte sie um Verzeihung bitten, wenn er sich vergessenTalheim aber stimmte Elisabet bei und führte ihn mit sich fort, während sie Aureliens Arm nahm, welche vorhin mit Jaromir zugleich ihnen nachgekommen war.

Aurelie lachte zu Elisabets Nachsinnen über diesen kleinen Auftritt, sie sagte heiter: "Hast Du denn nicht bemerkt, dass Jaromir nur sein Gewissen schlug, als Du von Bella sprachst? Ich kann mir denken, dass ein Bräutigam ungehalten wird, wenn man Anspielung auf eine frühere Geliebte macht."

"Ich verstehe nicht."

"Als wenn nicht