was sie nun einmal verdammt und gebrandmarkt sind: Communisten. So ist es zugleich mit gelungen, der schlechten Presse die Schuld an den Arbeiteraufständen mit zuzuschreiben – auch davon werden die guten Folgen nicht ausbleiben.
So müssen uns alle Dinge zum Besten dienen.
Das ist immer unsere Ordensregel gewesen.
Und so habe ich denn in der Kürze versucht, mein frommer Bruder, Dir anzudeuten, welche schwierige Stellung wir hier haben – wie wir aber trotzdem nicht verzagen, sondern bereits auf eine neue Aera uns vorbereiten – damit auf alle Fälle unser heiliger Orden selbst dann nicht untergeht, wenn man alle bestehende Ordnung der Dinge umkehrt.
Gesegnet sei der heilige Loyola, der die Seinen schützt!
Grüsse alle unsere Brüder.
P a t e r X a v e r ."
VI. Auf dem schloss
"Der Bund, der sich auf Treue gründet,
Hat Schild und Schwert zu Schutz und Wehr;
Die Flamme, die im Herzen zündet,
Durchstrahlt die Nacht als Feuermeer."
K. Haltaus.
Als Pauline mit dem Doctor Talheim in die Rotunde in Hohental ging, in welcher sie Elisabet treffen sollte, hörte sie leises Geflüster und sagte deshalb zu Talheim: "Elisabet scheint nicht allein dort zu sein." Diese Worte hatte Elisabet selbst vernommen. "Das ist Paulinens stimme," sagte sie zu Jaromir; "komm – Hand in Hand wollen wir ihr unser Glück verkünden, das sie vielleicht ahnt, das ich ihr bis jetzt aber noch nicht zu gestehen wagte. –" Ohne daran zu denken, dass wahrscheinlich auch Pauline nicht allein käme und nicht nur laut mit sich und den Bäumen gesprochen – trat die von ihrer Seligkeit halbberauschte Braut an der Hand des Geliebten unter den Bäumen hervor. Plötzlich standen sich vier überraschte Menschen sprachlos gegenüber. Elisabet war plötzlich regungslos wie festgezauerkannt hatte. Diesen selbst durchzuckte bei Jaromirs Anblick eine seltsame Art von Schmerz – wenn auch unschuldig, war dieser doch die Ursache seines gemordeten Lebensglückes und dass er nun gerade ihm hier begegnen musste.
Jaromir sann nach, wer der Fremde wohl sei, der ihn mit einem so seltsamen Blicke mass – und der ihm wohl auch kein ganz Fremder sei – er musste ihn schon irgend einmal gesehen haben.
Am Unbefangensten war noch Pauline, die sich doch über weiter Nichts zu verwundern hatte, als dass sie Jaromir so vertraulich an der Freundin Seite sah. Daher konnte auch sie zuerst das Wort nehmen, und indem sie Elisabets Hand drückte, sagte sie: "Also überraschen wir Dich doch! Schon glaubte ich, Du wärest auf dieses Wiedersehen vorbereitet." Und eh' noch die Angeredete geantwortet, übernahm sie deren Amt und stellte die Herrn einander förmlich vor.
Bei Nennung von Talheims Namen zuckte es auch seltsam über Jaromirs Gesicht – aber das war bald verbannt und vorüber und er erwiderte Talheims Gruss mit einigen freundlichen Worten. Elisabet war noch immer sprachlos geblieben – ein Schweigen, das für die Andern beinah peinlich zu werden begann – da sagte sie plötzlich mit der ihr eignen Heftigkeit, welche sie jedes Mal überkam, sobald sie sich bei erschütternden Momenten bemüht hatte, ihrer Bewegung Meister zu werden und dann still bei sich dies Bemühen um äusserer Formen und des Herkommens willen kleinlich und unwürdig der edleren Gefühle gefunden hatte, gegen deren Aeusserung sie damit eben ankämpfte:
"Es ist zu viel Glück auf ein Mal! Neben mir der, den mir heute Elternsegen zum Bräutigam gegeben – mir gegenüber plötzlich mein verehrter Lehrer, den ich kaum wiederzusehen hoffen durfte – neben mir die langentbehrte Freundin – was fehlte noch, um ein Menschenherz so von Wonne überfliessen zu lassen, dass es darüber die Sprache verliert?"
"Vielleicht ich?" sagte lachend Aurelie, die eben auch zu der Gruppe trat – eine neue Ueberraschung für Talheim und Pauline, denn Beide wussten noch Nichts von ihrer Anwesenheit.
Und wie es dann manchmal geht, wenn je mehr der verschiedenen Elemente mit ihren verschiedenen Berührungspunkten, je nachdem innre Wahlverwandtschaften zu einander hintreiben oder äussere Einwirkungen die Annäherungen und Mischungen erleichtern – so war denn auch jetzt durch das Hinzutreten der Allen bekannten, aber Allen mehr gleichgültigen Aurelie in ihrer heitern Harmlosigkeit plötzlich die feierliche Stimmung, welche sich mit einem beinah ängstigenden Druck dieser vier Menschen hatte bemächtigen wollen – von ihnen genommen und wich einer leichtern heiteren Unterhaltung, aus Glückwünschen für das Brautpaar, fragen nach dem inzwischen Erlebten und Gesehenen gemischt.
Elisabet erklärte dann fröhlich entschieden, dass heute' ihr schönster Festtag sei und dass Niemand, wer einmal gekommen sei, unterlassen dürfe, ihn mit zu feiern – Niemand werde vor Abend wieder vom Schloss entlassen. Ein Diener berief dann die kleine Gesellschaft zur Gräfin, und als diese dann hier Elisabets Einladung freundlich wiederholte, so galt weiter keine Einrede, man blieb beisammen wie der Zufall es einmal gefügt hatte.
Aurelie begegnete Paulinen mit Herzlichkeit, obschon sie sich vorher nicht hatte überwinden können, sie in der Fabrik aufzusuchen, freute sie sich doch jetzt aufrichtig dieses unverhofften Wiedersehens.
Pauline empfand bei Elisabets Glück die fröhlichste Teilnahme – aber zuweilen, wenn sie einen jener zärtlichen Blicke sah, wie Liebende sie gern zu tauschen pflegen, oder einen jener innigen Händedrücke bemerkte, oder ein liebeseliges Wort, das sie einander zuflüsterten, vernahm – da beschlich eine unendliche Wehmut ihr Herz, ein bitteres, unzufriedenes Gefühl mischte sich hinein, und tief in ihrem inneren schrie es auf, wie eine schrillende Dissonanz. – Und wenn sie auf Talheim sah, der mit obenan sass neben dem Grafen