hinzuwirken. führen wir in der Stille Krieg mit diesen Regierungen, mit dieser Opposition und halten wir es nur mit einer Partei – mit den Communisten. Aber diese dürfen nicht ahnen, dass wir ihre Freunde sind, so wenig als jene, dass wir ihre Feinde. Es gilt, sich jetzt mehr als jemals in undurchdringliches Dunkel zu hüllen.
So gross als die Communisten sie schildern wollen, ist die allgemeine Not nicht – besonders sind die massen noch gar nicht zum Bewusstsein ihres Elendes gekommen. Wir müssen also streben, sowohl sie dahin zu bringen, als auch die allgemeine Not der Armen und Arbeitenden selbst noch in der Wirklichkeit zu vergrössern.
Der Communismus predigt das Himmelreich auf Erden. Er will es in seinem Wahnsinn dadurch verwirklichen, dass er Staat und Kirche als von ihm unmenschlich und unnatürlich genannte Einrichtungen aufhebt, dass er Politik, Religion, Volkssitte, Vaterlandsliebe – alle diese Dinge, für welche Jahrtausende lang die Menschen aller Zonen und zeiten lebten und starben – als Trugschlüsse verwirrter Menschengeister erklärt, aus denen endlich die ganze zu verstand gekommene Menschheit wieder heraus müsse, wenn sie nicht länger ein sinnloses Treiben fortsetzen und darüber zu grund gehen wolle. Der Communismus will das Himmelreich auf Erden verwirklichen, indem er ferner G ü t e r g e m e i n s c h a f t verlangt, Aufhebung des Capitals, Abschaffung des Geldes, jenes wesenlosen Dinges, welches nach ihrer Meinung als ein entseeltes Gespenst, das vergebens nach seinem leib jagt, (denn es hat eigentlich Beides: Seele und Körper – und doch auch wieder Beides nicht!) und die Menschen von einander trennt, indem es ihre Verbindung vermitteln will. So sollen künftig diese verbrüderten Menschen (was, nebenbei gesagt, unendlich langweilig sein muss!) zusammen wohnen in schönen bequemen Palästen, wo Niemand mehr zu hungern und zu frieren braucht, sondern für Alle das Haus geheizt und der Tisch gedeckt ist. Ihr ganzes Leben soll Genuss sein, Genuss der freien Liebe und aller andern sinnlichen Freuden, und dafür soll ein Jeder nur täglich zwei Stunden arbeiten – und diese Arbeit ihm selbst ein Genuss sein.
Das ist das Ideal der Communisten.
Trachten wir danach, dieses Ideal verwirklichen zu helfen, oder lassen wir vielmehr sie mit ihrem redlichen Willen und ihrem verblendeten Verstand danach streben – denn sobald sie terra rasa gemacht haben für die ganze Menschheit, sobald sie die Millionen friedlich eingepfercht haben in die grossen Ställe, in welchen sie ausruhen und sich nähren können von der gleichen Weide zu gleichem teil – alsbald werden sie auch des H i r t e n wieder bedürfen, die Heerde in Ordnung zu halten.
Damit diese Gleichheit in Arbeit und Genuss niemals gestört werde, wird eine so organisirte Gesellschaft einer Beaufsichtigung, einer Bewachung bedürfen, wie sie bisher ohne Beispiel gewesen in der ganzen Welt – denn die ganze Weltgeschichte weiss nichts Aehnliches! – Und dann werden w i r an unserm Platz sein.
Wir werden dann diese Aufsichtsführungen uns zu verschaffen wissen – und dann wird die Zeit unsrer glänzendsten herrschaft kommen.
Lange Jahrhunderte hindurch haben wir die menschliche Gesellschaft über uns zu täuschen gewusst – so wird es uns auch nicht an Mitteln fehlen, diese neue Gesellschaft zu täuschen. Wir werden das Regiment über sie in unsere hände bringen, ohne dass sie ahnt, in welchen Händen es ist.
Und wenn sie gleich auf einige Zeit unsere Kirche abgeschafft haben, so werden wir sie doch in Kurzem wieder herrlich aufbauen.
Denn das bezeugt die geschichte und alle Erfahrung: es wohnt tief in jeder Menschenbrust ein religiöses Bedürfniss. Ein Bedürfniss, für sich selbst ein höheres Wesen zu fühlen und zugleich ein verwandtes Höchstes über sich anzuerkennen.
Dieses Bedürfniss wird auch in dieser Gesellschaft wieder erwachen, denn der Mensch von heute ist immer noch gleich dem Menschen von Jahrtausenden und bei aller Fähigkeit zu Vervollkommnung ist doch die Menschennatur an sich keiner Veränderung fähig.
Wenn nun dieses religiöse Bedürfniss wieder erwachen, sich zur Geltung bringen und seine alten Rechte fordern wird – um so ungestümer und brünstiger als man sie ihm ganz nehmen wollte und genommen hatte – und hier berühren die Extreme sich wieder – dann werden wir unsere Masken und Mäntel von uns werfen können! Dann werden wir wieder vor der sehnsüchtigen Menge erscheinen und werden wieder zu ihr reden: Sehet da die Herrlichkeit des Herrn, seiner Diener und seiner Kirche – wir sind bei Euch gewesen allezeit, auch da Ihr es nicht ahntet und werden bei Euch bleiben bis an der Welt Ende! – Und wir werden erzählen, wie man den jetzigen Zustand der Dinge uns allein verdanke und es wird leicht sein, ihnen weiss zu machen: Jesus sei der erste Communist gewesen – denn wir haben uns ja niemals gescheut, diesen heiligen Namen zu manchen frevelhaft scheinenden Dingen zu gebrauchen, welche aber eben durch seinen Namen geheiligt wurden – und wir werden uns als seine treuesten Diener bekennen und sagen, es sei gleich, ob wir nun Jesuiten oder Communisten hiessen. Wir tätten ja schon seit Jahrhunderten Gütergleichheit gehabt und gleiche Arbeit in unsrer Gemeinschaft, damals habe die Welt, die böse Welt, die ja eben damals in so grosser Unordnung befangen gewesen, uns dafür oft verfolgt – wir wären längst die Märtyrer für den Communismus gewesen – nun aber mit seiner Verwirklichung habe unser System gesiegt. Und man wird uns glauben und zujauchzen, man wird sich wieder betrügen lassen, wie vordem, und mit Freuden das Regiment unsern geweihten Haiden übergeben.
Dann werden wir unser Ziel erreicht haben