das weisst Du, dass ein Herz, welches liebt wie ich, nicht mit einem Andern und also ohne Herz zum Traualtare treten kann – diese Schmach, dieses Elend, dieses Verbrechen könntest Du nie auf mich bürden wollen und nie würdest Du mich willig finden, ein solches Verbrechen zu begehen! – Nein, so hast Du niemals von mir gedacht, Du willst mein Glück und weiter Nichts – segne uns jetzt – und so machst Du mich selig – so selig wie es weiter kein Herz ist auf der Welt."
"Als das meine!" rief Jaromir und sank mit ihr zu den Füssen des Grafen.
Er stand noch immer regungslos – auch die Gräfin stand regungslos – nur dass sie jetzt nicht mehr auf den Grafen, sondern zu Boden sah – das Herz der Mutier begann in ihr eine Sprache zu reden für die flehende Tochter, welche jetzt leise zu schluchzen begann."
Aber als der Graf noch immer schwieg, erwachte Jaromir's stolzer Sinn, und er sprang auf – er zog Elisabet mit sich empor und rief:
"Hör' auf zu bitten, Elisabet – sie verstehen uns nicht – sie haben nie geliebt – sie verstehen unsre Sprache nicht – sie wissen nicht, was sie tun! – Zum letzten Mal denn," rief er mit verzweifelnder stimme, indem er sie küsste.
"Jaromir!" rief sie und umschlang ihn fest.
Er machte sich los und führte sie zu ihrer Mutter – er machte dieser eine kalte Verbeugung und wollte gehen.
Aber das Mutterherz ertrug nicht den brechenden blick der zusammensinkenden Tochter. Sie ging auf Jaromir zu:
"Ihr Stolz," sagte sie, "bezeichnet Sie als einen Verwandten und Teilnehmer an unsrem grössten Familienfehler, und wenn Stolz dem Stolz begegnet, so müssen sie sich an einander brechen oder es gibt ein Unheil. – Bedenken Sie, m e i n S o h n , dass, wenn Sie Sich darüber empören wollen, dass Eltern über ihr heiligstes Eigentum nach ihrem besten Ermessen verfügen wollen – es sie wohl kränken kann, wenn sie ohne ihr Wissen sich ihres Rechtes über ihr schönstes Kleinod schon verlustig sehen."
Zugleich war der Graf zu Elisabet getreten und führte sie jetzt in Jaromir's arme.
"Du brichst das Wort, das ich gestern gab," sagte er, "ich will es zurücknehmen – ich betrachte Euch als Verlobte, als meine Kinder – und die Welt betrachte Euch so – aber unter Jahresfrist dürfen Sie mir mein Kind nicht entführen – und den Elternsorgen dürfen Sie es nicht verargen, wenn wir den, dem wir unser einziges Kleinod anvertrauen, eh' dies unwiderruflich geschieht, noch näher kennen lernen mögten."
Kaum hörten die Beseligten den ziemlich ernst gesprochenen Nachsatz vor Glück und Ueberraschung.
"Jetzt aber lasst mich allein," sagte der Graf Hohental, "vielleicht habe ich noch Zeit, mein gegebenes Wort schriftlich zurückzunehmen. – Sie, Szariny, bleiben doch den Tag über bei uns, und wir besprechen und erörtern dann alles Nähere, was unser neues verhältnis betrifft."
Die Gräfin blieb noch bei ihrem Gatten.
Jaromir und Clisabet entfernten sich.
"Wir gehen doch in den Park?" fragte sie – und so lenkten sie ihre Schritte die breite Treppe vor dem Schloss hinab. Sie gingen Arm in Arm und konnten jetzt auch nicht sprechen, sondern waren nur Eines verloren im Anschaun des Andern. So hatten sie nicht gleich bemerkt, wie so eben Aarens mit festen, siegesbewussten Schritten aus dem grossen Hoftor trat und der Treppe zuschritt. Elisabet an Jaromir's Arm! Das brachte ihn ausser Fassung – aber er baute zu fest auf seinen Sieg – es konnte nur eine Höflichkeit sein, wie sie Elisabet ja auch von ihm selbst schon zuweilen angenommen hatte.
Jetzt stand Aarens grüssend vor dem Paare.
Elisabet überlegte schnell, dass sie, wenn sie jetzt unbefangen Jaromir als ihren Bräutigam vorstelle, ihrem Vater eine schwere Pflicht und Aarens eine Kränkung ersparen könne, indem er dann glauben werde, Jaromir habe um sie angehalten, eh' sie selbst von Aarens Werbung erfahren – im Augenblick bedachte sie nicht, dass jener um so beleidigter sich fühlen könne, wenn man nicht einmal seine Werbung gegen die Jaromir's in die Waagschaale geworfen, und so stellte sie, bedacht und unbedacht zugleich, Jaromir als ihren Bräutigam vor und fügte bei:
"Und so bitte ich denn den werten Freund unsres Hauses, uns auch in Zukunft ein solcher zu bleiben!" Sie sagte dies mit der freundlichsten, herzlichsten stimme, denn so glücklich, wie sie jetzt war, hätte sie gern auch nur lauter glückliche Menschen um sich gesehen, und empfand daher Mitleid für den Getäuschten.
Er stand wie vom Donner gerührt.
Nach einer Weile sagte er sehr gezwungen: "Ich werde nachher die Ehre haben, Ihnen Glück zu wünschen – jetzt erwartet mich Ihr gnädiger Herr Vater."
Damit eilte er die Treppe hinauf.
Die beiden Glücklichen aber gingen in die Rotunde, welche so oft schon zum Tempel ihrer Liebe geworden war – um auch jetzt dort vor einander die selig klopfenden Herzen zu entlasten.
Zu derselben Stunde, in der Jaromir nach Schloss Hohental ging, hatte sich Gustav Talheim nach der Fabrik des Herrn Felchner begeben, um dort seinen Besuch zu machen. Zwar hatte der Rittmeister von Waldow versucht, ihn zurückzuhalten, hatte Herrn Felchner als einen gemeinen, groben und unerträglichen Menschen geschildert, mit dem ein wohlerzogener Mensch