überströmenden Augen mit flehenden Blicken zu ihr empor.
Die Gräfin erhob sich kalt – Elisabet sprang rasch von ihren Knieen empor, schmiegte sich, als wollte sie gleichsam im Liebestrotz ihres stolzen Herzens dem Geliebten eine Genugtuung geben, innig an ihn und verbarg von der Mutter abgewendet ihre weinenden Augen an seiner Brust.
Die Gräfin sagte mit frostiger Höflichkeit: "Herr Graf, Sie verzeihen, Ihr Antrag selbst wie seine Art und Weise haben mich überrascht, so muss ich, bevor ich Ihnen eine Antwort darauf gebe, mit meinem Gemahl Rücksprache nehmen, der anders über die Hand meiner Tochter verfügt hatte."
Jaromirs Stolz war verletzt – er sagte mit erzwungener Ruhe: "So erlauben Sie mir, Sie zu dem Herrn Grafen zu begleiten."
"Begleiten Sie mich in das Empfangzimmer – ich werde ihn auf Ihr erscheinen vorbereiten," sagte die Gräfin.
Elisabets Herz schlug stürmisch, jetzt brach sie beinah heftig in die Worte aus: "Nein, Mutter – wo die Herzen so laut schlagen, müssen sie auch einmal ein Recht haben und an kein Ceremoniel sich binden. Komm, Jaromir – Hand in Hand wollen wir zu unserm Vater gehen und ihn bitten: segne Deine Kinder. Wir wollen ihm erzählen von unsern seligen Herzen, wie sie in einander jubelnd zusammenschlagen – und wie sie brechen müssen, das eine getrennt von dem andern. Ich will ihn daran erinnern, wie oft er gesagt hat, er kenne kein andres Glück, als das meine zu schaffen und wie jetzt dazu die Stunde gekommen sei. Er hat mir noch keinen Wunsch verweigert, warum denn gerade diesen einen? Und wie muss ihn die Wahl seiner Tochter ehren, wie stolz muss sie ihn machen! – Komm, mein Jaromir, mein Vater wird uns segnen – und dann meine Mutter auch – Du wirst es ihr vergeben, wenn sie nicht anders über uns entscheiden will als zugleich mit dem Vater!" Sie hing ihren Arm in den seinen, um mit ihm der Mutter zu folgen, die in tiefem Unmut schweigend vor ihnen herging.
"Elisabet," rief Jaromir begeistert – "erst jetzt, wo ich um Deinen Besitz werben will, zeigst Du mir, welche Kühnheit es ist, Dich für ewig sein nennen zu wollen."
Sie standen an der tür zu des Grafen Zimmer – Elisabet öffnete.
IV. Zwei Werber
"O sich, es schliesst mein ganzes Leben
Vor Dir sich auf, mein bestes Sein:
Um Dich zu werben und zu streben,
Dir meine ganze Kraft zu weih'n."
Franz Dingelstedt.
An jenem Morgen, an welchem Jaromir um Elisabets Hand warb, war er vorher dem Geheimrat von Bordenbrücken begegnet, welcher so eben den zehnten Becher kalten Brunnenwassers glücklich hinabgewürgt hatte. Getreu seinem Plan, sich so viel als möglich an den Grafen zu drängen, hatte auch jetzt der Geheimrat ein Gespräch mit ihm angeknüpft und seinem Spaziergange sich angeschlossen.
So kam es, dass sie zusammen an dem Haus vorübergingen, welches der Oberst Treffurt mit seinen Angehörigen bewohnte. In der stube des Parterres stand ein Fenster auf und eine Dame lehnte in demselben. Der Geheimrat sagte fragend zu ihm: "Bieten wir der Frau Oberst einen Morgengruss?"
Jaromir warf einen blick in das Fenster – er sah auf Amalien – er hätte sie wohl kaum erkannt, wenn er nicht gewusst hätte, dass sie hier sei und dies Haus bewohne – in diesem Augenblick begegneten Amaliens einen Schrei aus und warf das Fenster zu.
Jaromir blieb stumm.
Der Geheimrat aber hatte Alles beobachtet. Er hatte recht wohl gesehen, dass nicht die Oberst, sondern Amalie am Fenster war. Dass ein verhältnis zwischen Beiden bestanden hatte, wusste er vom Doctor Schuhmacher – Dank dessen Haussuchung bei Talheim! – er wusste nur nicht, ob es noch jetzt bestand, oder ob Jaromir es gelöst hatte; er glaubte das Letztere, zugleich auch, dass Amalie ihn nicht aufgeben wolle und absichtlich ihm hierher nachgereist sei. Dies schien ihm das Wahrscheinlichste und so hatte er es auch bereits Aarens erzählt. Da er nun gern Jaromir sich verpflichten wollte und ihm auch zugleich zeigen, dass er selbst ihm vielleicht auch gefährlich werden könne, so sagte er jetzt vertraulich leise zu ihm:
"Die Erscheinung dieser person hier in unsrem kleinen Kreis, wo wir Alle wie eine Familie leben könnten, ist mir in Ihre Seele zuwider."
Jaromir sah mit unverstellter Verwunderung den Sprecher an und sagte unbefangen: "Man sieht sie ja nicht einmal in Gesellschaft."
"Aber dennoch – hüten Sie Sich – ich habe in diesem Punkte traurige Erfahrungen gemacht, und wie mir scheint, werden dieselben auch für Sie nicht ausbleiben."
Jaromir ward jetzt wirklich etwas verlegen, da er sich die Worte des Geheimrats gar nicht zu deuten wusste, obwohl sie ihn als wahr trafen. – So hatte vielleicht Amalie selbst sich ihres früheren Verhältnisses gerühmt? Der Geheimrat, als er dies bemerkte, hatte sich für jetzt selbst genug getan und hatte vollkommen Grund, es zu vermeiden, dass Jaromir von ihm Rechenschaft fordere, wie er in den Besitz seines Geheimnisses gekommen – deshalb eilte er sogleich auf den daherkommenden Aarens zu und sprach mit ihm leise einige Worte, während welcher der jenen begleitende Wasserdoctor, der lange dürre Hofrat Wispermann, seine Worte an Jaromir richtete.
Aarens und der Hofrat waren nicht sobald vorüber, als der Geheimrat sich mit leuchtenden Augen zu Jaromir wendete – denn jetzt hatte er die gelegenheit in Händen,