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Braut heimzuführen.

"Was ist Dir?" rief im ersten Moment erschrocken die Matrone, bemerkte aber auch zu gleicher Zeit den lange und sehnsüchtig Erwarteten und sagteihm freundlich die Hand entgegenstreckend: "Nun, das ist schön, Mr. Rowsonsehr schön von Ihnen, dass Sie endlich wieder da sind. Wir haben Sie recht sehnsüchtig erwartet."

"Marion auch?" fragte der Priester lächelnd, indem er, über die niedere Fenz tretend, die Hand des errötenden Mädchens ergriff und leise presste, "Marion auch?"

"Ich freue mich recht, Sie gesund und wohl wieder zu sehen," flüsterte die Jungfrau, "Sie wissen ja, dass Sie uns stets willkommen sind."

"In Ihrem H a u s e – aber auch in Ihrem H e r z e n , Marion?" fragte Rowson dringend. Das Mädchen zitterte und schwieg. "Marion," fuhr der Metodist nach langer Pause fort – "der Segen des himmels ist auf meinem jetzigen zug mit mir gewesen. Ich bin jetzt wohlhabend genug, um mir hier in unsern bescheidenen Verhältnissen eine Heimat gründen zu können. Marion, willst Du mein sein, willst Du am nächsten Sonntag, am Tage des Herrn, mein Weib werden?"

"Ja," sagte die Mutter gerührt, als sie das bebende, keines Wortes mächtige Kind an ihre Brust zog – "ja, ehrwürdiger Herrsie hat es mir schon gestanden, dass sie Euch gut sei, und das Uebrige findet sich Alles, Ihr werdet sie sicherlich glücklich machen."

"Was in meinen Kräften, in den Kräften eines armen sündigen Menschen steht," sagte der Metodist, indem er die Augen fromm zum Himmel erhob, "werde ich tun. Ich glaube auch gewiss, dass Marion fest davon überzeugt ist; darf ich es wenigstens hoffen?"

Das schöne Mädchen reichte ihm lautlos die Hand hinüber, die er an seine Lippen drückte, und schluchzte laut am Herzen der Mutter.

"Hallo, Rowson!" sagte der alte Roberts, der in diesem Augenblick neben der Fenz erschien, "Ihr habt richtig Wort gehalten. Nun, wie stehen die Geschäfte?"

"Vortrefflich, Mr. Roberts!" erwiderte der Metodist freudig, "besser sogar, als ich erwartet hatte, und ich komme nun, um Euch um Euren Segen zu der Verbindung mit Eurer Tochter, und zwar auf nächsten Sonntag, zu bitten."

"Wird das dem Mädchen aber nicht zu unerwartet und schnell kommen?" fragte Roberts, indem er sein Pferd dem Negerknaben übergab und, die Fenz übersteigend, zu ihnen hinantrat.

"Sie ist damit einverstanden," sagte die Mutter, "was brauchen wir auch hier im wald grosse Vorbereitungen? Wie aber ist's mit Ihrer wohnung, Mr. Rowson?"

"Ich wollte Sie Beide zu gleicher Zeit bitten," sagte der Prediger, "diese morgen früh, wenn Sie mir ein paar Stündchen Zeit schenken können, in Augenschein zu nehmen. Sie ist zwar noch klein und beengt, ich werde aber wahrscheinlich in dieser Woche mit Atkins handelseinig werden und dessen Platz kaufen; nachher können wir uns schon besser rühren."

"Wäre es denn aber gerade darum nicht besser," meinte Roberts, "Ihr wartetet noch mit der Heirat, bis das geschehen ist? Es ersparte viele Umstände beim Ausziehen undist auch dem Mädchen sicherlich lieber, gleich in eine kleine Farm, als bloss in eine Blockhütte einzuziehen."

"Das ist allerdings nicht zu leugnen," erwiderte Rowson "dann aber ist es noch unbestimmt, w a n n Atkins fortzieht, es können vier, ja vielleicht sogar acht Wochen darüber hingehen, und, bester Mr. Roberts, Sie werden es mir nicht verdenken können, wenn ich mich jetzt, nach Beseitigung so vieler Hindernisse, sehne, Marion die Meine zu nennen."

"Nun, in Gottes Namen," sagte der alte Mann, "nehmt sie hin und seid glücklich mit einander."

"Dankherzlichen Dank!" rief Rowson, gerührt seine Hand ergreifend – "Marion soll nie bereuen, ihr künftiges Schicksal meiner Hand anvertraut zu haben. Doch jetzt lebt wohl, Ihr l i e b e n E l t e r n , erlaubt, dass ich Euch so nennen darf, und bald –"

"Aber wollen Sie denn nicht lieber heute Abend bei uns zubringen?" fragte Mrs Roberts – "Sie sind so lange fort gewesen, und es ist eigentlich nicht recht, die Braut fortwährend allein zu lassen."

"Die Zeit ist kurz, meine gute Mrs. Roberts," seufzte Rowson, "und hier in unserer Ansiedelung, wo die Nachbarn so weit von einander entfernt wohnen, vergeht, mit nur wenigen Besorgungen, ein Tag ungemein geschwind. Ich hoffe aber bis morgen Abend Alles beendet zu haben und dann wenigstens noch die letzten Stunden vor dem glücklichen Tag in Ihrer Gesellschaft, in der Gesellschaft meiner Braut verbringen zu können."

"Gutgut, Mr. Rowson," sagte der Alte – "das ist ganz in der Ordnung. Sie sind jetzt eine Woche von zu haus fort gewesen, da ist natürlich viel in Ordnung zu bringen; also morgen Abend sehen wir uns wiederaproposes bleibt doch dabei, dass wir am Montag zusammen zu Atkins gehen?"

"Sicherlich," sagte