der Kopf eines jungen Panters. Der Bissen blieb mir im Halse stecken, und ich schaute erschrokken zu den grinsenden Schuften auf, die um mich herum sassen. Wie die aber jetzt nicht mehr an sich halten konnten und in ein schallendes Gelächter ausbrachen, da wurde' ich falsch und beschloss nun, sie glauben zu machen, dass Panterfleisch ein Lieblingsgericht von mir wäre. Ich würgte den Bissen hinunter, der unterwegs stak und nicht weiter wollte, schnitt mir ein anderes Stück ab und fragte sie mit der unbefangensten Miene von der Welt, warum sie mir nicht gleich gesagt hätten, d a s wäre Panterfleisch, da hätt' es mir noch einmal so gut geschmeckt. In Tennessee hätt' ich einmal einen ganzen monat von nichts als Panterfleisch gelebt und nur manchmal Sonntags eine wilde Katze gegessen.
Die Mäuler blieben ihnen indessen vor Verwunderung offen stehen, und Einer, ein junger Bursche von siebzehn Jahren, der mir gerade gegenübersass und zusah, schnitt, da es ihn wahrscheinlich ekeln mochte, die schauderhaftesten Gesichter und kaute in Gedanken immer mit. Der Bissen aber, den ich im mund hatte, wollte nicht hinunter; je mehr ich ihn mit den Zähnen bearbeitete, desto mehr schwoll er an; – ich zwang mich noch eine Weile, endlich konnte' ich's jedoch nicht länger aushalten, sprang auf und – na das Andere braucht Ihr jetzt nicht zu wissen. – Hört, Brown, der Trutahn ist delicat – habt Ihr viele dieses Frühjahr geschossen?"
"Es geht an," sagte der junge Mann, noch immer über das eben Gehörte lächelnd, "sie sind dieses Jahr übrigens sehr feist und schmecken ausgezeichnet."
"Habt Ihr schon einmal Klapperschlangen gegessen?" fragte Mullins.
"Nein, danke," sagte Harper, den der Tee etwas aufgeregt hatte, und der sich heute, seit langer Zeit zum ersten Mal wieder, wohl und leicht fühlte – "danke schön – gut aussehendes Fleisch haben die Bestien, so zart wie Hühnerfleisch, aber sie riechen so fatal."
"Nur der Körper," warf Mullins ein, "der Schwanz ist eine Delikatesse."
"Schadet denn das Gift nichts?" fragte Bahrens erstaunt.
"Nicht, wenn Ihr's verschluckt," sagte Brown; "überdies sitzt doch auch im Fleisch kein Gift, der Geruch ist nur fatal, sonst ist es unschädlich, und ich kenne Einen, der von der 'gehörnten Schlange', die doch, wie Ihr wisst, die giftigste sein soll, ein tüchtiges Stück gegessen hat, ohne dass es ihm das Mindeste geschadet hätte."
"Ob die giftig ist!" rief Harper; "ich sah einst so eine Hornschlange an einer grossen Eiche auf und abspielen, und wollte sie eben schiessen. Da fuhr sie herum und biss in voller Wut in einen der kleinen Schösslinge, die im Frühjahr hier und da am Stamm unten auswachsen; gleich darauf hielt sie sich einen Augenblick ruhig, und ich schnitt ihr mit der Kugel den Kopf weg. Die Eiche starb aber noch in demselben monat ab; der kleine Ast, wo sie hineingebissen hatte, wurde ganz schwarz und sogar die Schlingpflanzen, die daran hinaufrankten, welkten und fielen ab."
"Das ist noch gar nichts," sagte Bahrens, sich nach Harper herumwendend – "Ihr wisst, was für eine Gegend Poinsett County ist, und das ganz besonders in Hinsicht giftiger Schlangen; es können in den Mississippi-Niederungen kaum mehr sein. Unter denen findet sich auch manchmal, wenngleich glücklicher Weise nur selten, die 'Hornschlange'. – Vor zwei Jahren war dortin ein Deutscher mit seiner Familie gezogen (jetzt ist er freilich wieder fort, das heisst, er starb, und seine Familie konnte das Klima nicht vertragen), und damals, als er gerade ankam, lebte ein Verwandter oder Bekannter, oder was weiss ich, bei ihm, der die gröbste Arbeit im haus verrichten sollte. In der Woche hatte der aber immer das Fieber, und sehr wundermerkwürdig sah er aus, wenn er Sonntags so recht ordentlich herausgeputzt in's Freie kam. Dann trug er eine hellgelbe und rot gestreifte Weste – einen fürchterlichen Filzhut, kurze schwarze und ganz eng anliegende Beinkleider (seinen Beinen wären etwas weitere keineswegs schädlich gewesen) und einen blauen Tuchrock bis auf die –"
"Aber was geht uns denn sein Rock an?" sagte Harper, ungeduldig werdend.
"Mehr als Ihr denkt," nickte Bahrens bedeutend mit dem kopf und fuhr dann, ohne sich weiter irre machen zu lassen, fort – "bis auf die Knöchel herunter, mit sehr schmalem Kragen und sehr grossen, weissleinenen Rocktaschen, die immer offen standen und in die ihm die liebe Jugend häufig zerquetschte Pfirsiche und Stückchen von Wassermelonen und dergleichen andere Vegetabilien hineinschob. Eine besondere Zierde daran waren noch die sehr grossen messingenen Knöpfe –"
"Aber was gehen uns die Knöpfe an?" rief Harper wieder.
"Viel – sehr viel!" nickte Bahrens bedeutungsvoll – "doch hört. Dieser junge Mann also geht eines Sonntags, eine grosse schwarz eingebundene Bibel unter dem Arm, zu einem Nachbar hinüber, wo eine dieser unausweichbaren Betversammlungen sein sollte, als er dicht neben dem schmalen Fusspfad, dem er folgte, einen der kleinen grünen Papaquets oder Papageien findet, der eben erst vom Zweige gefallen zu sein schien. Er bückt sich und will ihn aufheben, hat aber unglücklicher Weise die '