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Ob ich's weiss!" lachte der junge Farmer, indem er mit einem langstieligen Flaschenkürbis das wasser aus dem vor der Tür der Hütte stehenden Eimer in das verlangte Gefäss schüttete, – "natürlich kenn' ich Euer Geschirr hier vielleicht besser jetzt, als Ihr selbst. Man bedarf auch keiner langen Zeit, um damit bekannt zu werden."

"Kein Handtuch?" fragte Roberts.

"Nun, Ihr werdet doch wohl ein Taschentuch bei Euch haben?" entgegnete Cook.

"Jaaber es ist Alles nass geworden."

"Ach so, na, dann nehmt mein's hier."

"Die Jagd müsst Ihr mir erzählen!" rief Harper – "das ist ein merkwürdig grosses Panterfellwollt Ihr's nicht aufspannen, Cook? Dort vor der Tür liegen ja wohl noch Schilfstäbe. – Hängt's nur an den kleinen Ahornbaum hier rechtsaber hochdie verdammten Hunde haben mir das letzte Hirschfell, das ich so sauer verdienen musste, auch heruntergerissen und gefressendie Bestien!"

Roberts musste jetzt erzählen, wie es ihm gegangen, und Cook spannte indessen das Fell auf und brachte es in Sicherheit, hatte aber dabei vollauf zu tun, den Erzähler an allen möglichen Absprüngen und mehrmaligem Durchgehen zu verhindern.

"Sagt einmal, Roberts," rief er endlich, als dieser geendet hatte, "habt Ihr denn das damals auch so gemacht, als Ihr um Eure jetzige Frau freitet? – Hol' mich dieser und jener, wenn ich da an ihrer Stelle nicht die Geduld verloren hätte."

"Das jetzt bei Seite, Cook," sagte Roberts, "es ist heute das erste Mal, dass ich Euch oder überhaupt Einen von Denen wiedersehe, die vor vierzehn Tagen auf den falschen Fährten hinter den Pferdedieben herhetzten, wie war denn die Sache eigentlich?"

"Ja, das hat er mir auch noch nicht erzählt," rief Harper, "und ist doch alle Tage ein paar Stunden hier."

"Ihr waret krank," erwiderte Cook, "was sollt' ich Euch da mit der langweiligen geschichte quälen; nun, die Sache ist sehr einfach. Wir fanden die Spuren, die durch den Fluss gingen, und folgten, weil wir sie natürlich für die rechten hielten und nirgends andere gekreuzt hatten. Husfield behauptete auch noch ausserdem, ehe wir in den Fluss hinunterritten, dass er darauf schwören wolle, es seien seine eigenen Pferde. Er muss sich aber doch wohl geirrt haben. Am anderen Ufer suchten wir nicht lange, warfen die fackeln fort und sprengten nun, was unsere freilich schon etwas müden Klepper rennen konnten, hinter den vermeintlichen Dieben her.

In der Nacht hielten wir nur einmal an, um unsere Pferde rasten zu lassen und selber etwas zu geniessen, hörten auch hier, dass ein Mann mit Pferden vorbeigekommen und ziemlich scharf geritten sei. Der Farmer hatte natürlich bloss das Klappern der Hufeisen vernommen und die Tiere selbst nicht gesehen, versicherte uns aber, wir würden ihn bald einholen, falls das unsere Absicht sei, denn er wäre vor kaum einer halben Stunde dort vorbeipassiert. 'Meine armen Pferde,' stöhnte damals Husfield, 'wie sie der Hund nun abhetzen wirdaber gnade ihm Gott, wenn ich ihn erreichehier an d e m Strick' – er trug den Strick bei sich – 'soll er seine schwarze Seele ausstrampeln!' Er hatte gut Rache schwören; bei Tagesanbruch kamen wir, als wir mit verhängten Zügeln auf den breiten Spuren einen kleinen Abhang hinab galoppirten, plötzlich an den Mann mit den Pferden, der ruhig unter einem Baum sass und, als er unsere Annäherung bemerkte, keineswegs die geringste Bewegung zur Flucht machte. Ich sah Husfield verwundert an, der aber starrte mit aufgerissenen Augen nach den Pferden hinüber und schrie endlich, indem er seinen eigenen Tier in die Zügel riss, 'Höll' und Teufel, das sind nicht die meinigen!' Er hatte ganz Recht, es waren ein paar Schimmel dabei, die Niemand von uns kannte, und der Fremde ritt sein eigenes Pferd und war kein Anderer, als der Bursche Johnson, der sich seit einiger Zeit am Fourche la fave herumtreibt und, so viel ich weiss, von der Jagd lebt.

Husfield war wütend, noch dazu da er, wie er mir später gestand, einen besonderen Grimm auf den liederlichen Gesellen hatte und ihm das Schlimmste zutraute. Es liess sich aber in dieser Sache gar nichts tun. Wir ritten zu den Pferden hin, Johnson gab uns jedoch sehr kurze Antworten und erwiderte auf die Frage, was er mit den Pferden anzugeben gedenke, er könne doch hoffentlich mit seinen eigenen Tieren tun, was er wolle."

Husfield knirschte vor Wut mit den Zähnen, und ob ich gleich versuchte, ihn im Guten wieder zurückzubringen, so war er doch zu aufgeregt, und es dauerte nicht lange, so standen sich die beiden Männer im feindlichen Wortwechsel gegenüber. Johnson blieb dabei zwar sehr kaltblütig und ruhig, hielt jedoch die rechte Hand fortwährend unter der Weste verborgen, wo er natürlicher Weise seine Pistolen und Messer stecken hatte.

"Husfield schwor zuletzt die fürchterlichsten Eide, er wolle ihn lynchen, sobald er ihn einmal auf seinem eigenen land fände, und Johnson lachte dazu und erwiderte, er würde sich nächstens einmal das Vergnügen machen und ihn besuchen. Endlich bracht' ich sie auseinander. Vergebens war es aber jetzt, irgend eine