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welchem er Grund fühlen konnte, als die Hunde ihn auch umgaben und Poppy selbst an ihn hinanfuhr. Er aber hob sich schnell in die Höhe, stiess die nächsten mit dem Kolben von sich und schrie die erschrocken zu ihm auffahrenden mit wilder stimme an:

"Zurück, ihr Bestienihr verdammten Köter ihrzurückdu, Poppy, du nichtsnutzige Canaillewillst du deinen eigenen Herrn anbeissen? Zurück da, ihr Schlingelnehmt die r e c h t e Fährte und geht zum Teufel – d u , P o p p y !" Der letzte Ausruf galt aber wieder, obgleich unschuldiger Weise, dem eigenen Hund, der seinen Herrn jetzt erkannte und freudig zu ihm hinanschwimmen wollte. Roberts jedoch, der dem Frieden nicht so recht traute, tat abwehrend einen Schritt zurück, trat in ein etwas tieferes Loch und verschwand noch einmal, und zwar in demselben Augenblicke unter wasser, als Bahrens am Ufer erschien. Schnell riss er dabei die Büchse hinauf, dem Panter eins aufzubrennen, denn auch er glaubte nicht anders, als dass er es mit dem verfolgten Raubtiere zu tun habe. Diesmal waren es jedoch die Hunde, die den Jäger vor der Kugel des gefährten schützten, denn um nicht etwa einen von diesen zu treffen, hielt Jener noch sein Blei zurück und erkannte bald darauf zu seinem nicht geringen Erstaunen den Freund. Dieser ahnte die neue Gefahr aber nicht einmal, sprudelte nur, sobald er wieder festen Boden erreicht hatte, das verschluckte wasser aus und brachte dann die Hunde fluchend auf die Fährte des Angeschossenen. Die Meute witterte indessen kaum das frische Blut, als sie mit wildem Toben dem Feinde nachstürmte und ihn nicht lange darauf und noch im Tallande stellte.

"Hallo, Roberts!" schrie Bahrens jetzt vom Ufer aus, "was zum Henker macht Ihr denn da im Fourche la fave?"

"Ich krebse!" rief dieser, noch ärgerlich über seine nichts weniger als behagliche Lage, indem er dem wasser entstieg und an der schlüpfrigen Uferbank hinaufkletterte. Sein Spott sollte aber zur Wahrheit werden, denn zweimal noch, ehe er die sichere Höhe erreichen konnte, glitt er aus und kam viel schneller, als er sich hinaufgearbeitet hatte, wieder zurück, jedesmal zum Ergötzen seines sich vor lachen die Seiten haltenden Freundes. Endlich siegte jedoch seine Beharrlichkeit, er ergriff, oben angelangt, einen jungen Stamm, schwang sich hinauf und verschwand, ohne den Jubelnden weiter eines Blickes zu würdigen, im Dickicht.

Dieser eilte übrigens ebenfalls seinem Pferde zu, das er, als er die Hunde im wasser hörte, eine kurze Strecke zurückgelassen hatte, bestieg es wieder und galoppierte nach der weiter oben sich befindenden Furt. Er kam jedoch zu spät auf dem Kampfplatz an, denn noch im Schilfbruch drin hörte er den scharfen Knall der Büchse und gleich darauf das Winseln der unter dem Baume sehnsüchtig harrenden Hunde. Noch aber ging der Panter oben, als er auf den kleinen offenen Fleck trat, auf welchen sich jetzt die ganze Jagd concentrirt hatte. Die Krallen tief in den Ast der Eiche eingeschlagen, klammerte er sich mit der letzten Spannkraft seiner Sehnen an das schützende Holz; bald aber bewies ein den freischwebenden Körper erschütterndes Zucken den Todeskampf des Schwergetroffenen. Seine Tatzen öffneten sich und zwischen die wild aufjauchzende Meute hinein stürzte er gerade auf einen der jungen Hounds, dessen Rückgrat er im Falle brach, und der dann winselnd und heulend vorzukriechen suchte unter dem schweren Körper.

Im Anfange war es übrigens kaum möglich, das arme verkrüppelte Tier zwischen den wütend den verendeten Panter zerzausenden Hunden vorzuziehen. Endlich aber gelang es den vereinten Kräften der Männer und Cook, einer von dessen Hounds es war, und der wohl einsah, dass es für das arme geschöpf doch keine Rettung mehr gab, hielt ihm die Mündung seiner Büchse vor die Stirn und machte mit der Kugel dem Leiden desselben ein Ende.

"Das ist nun schon der siebente Hund, den ich auf solche Art umkommen sehe," sagte Bahrens ärgerlich, indem er seinen Kolben vor sich niederstiess, "das dumme Viehzeug ist aber nicht fortzubringen, wenn so eine Bestie oben sitzt. Ehe sie sich's versehen, kommt sie dann herunter und schlägt mit den schweren, ungeschickten Knochen ein paar zu Schanden."

"Ein Bär, den ich im vorigen Jahre schoss," sagte Roberts, vor Frost mit den Zähnen klappernd, "schlug auf diese Art zwei tot und brach einem dritten den linken Hinterlauf. Ich musste ihn auch abstechen."

"Hallo, Roberts," lachte Bahrens, "Ihr seht liebenswürdig aus, wir wollen lieber ein Feuer anmachen. Doch, Cook, wo kommt Ihr denn her? Ich habe Euch ja seit vierzehn Tagen, wo Ihr damals die nutzlose Hetze hinter den falschen Pferden her machtet, nicht wieder gesehen. Habt Ihr die Bestie geschossen?"

"Ja," erwiderte Cook, der eben seine Büchse wieder auswischte und lud, "ich war bei Harper drüben und hörte die Hunde so in der Nähe, dass es mir nicht möglich war, ruhig im haus sitzen zu bleiben."

"Wir sind wohl ganz in der Nähe von Harper's Haus?" fragte Roberts – "die Gegend hier kommt mir wenigstens bekannt vor. Nicht wahr, es liegt gleich da drüben, hinter jenen Cypressen?"

"Kaum fünfhundert Schritt von hier," erwiderte ihm Cook; "wir gehen am besten gleich zum haus, dort