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folgte es daher, des schweren Reiters bar, der Meute und war in wenigen Secunden weder zu hören noch zu sehen.

"'s ist wahrhaftig fort!" sagte der alte Jäger brummend, als er mehrere Minuten lang aufmerksam umhergeschaut und gehorcht hatte – "nicht die Spurr mehr zu merkenjetzt sitz' ich schön auf dem Trokkenen. – So wollte ich denn dochdass dieaber halt, die Jagd dreht sich nach den Hügeln herum; da wär' es gar nichts Unmögliches, dass sich der Panter, wenn er nicht dem Petite-Jeanne zu flieht, noch einmal hier herunter in die Niederung wendet, und dann ist sein Lieblingsplatz der Rohrbruch da drüben über dem Fluss. Wart', mein Bursche, vielleicht bin ich dennoch, trotz meiner alten Knochen, bei der Ernte. – Nur Geduldich habe mich schon in schlimmeren Lagen befunden." Roberts' Gedanken führten ihn jetzt augenscheinlich wieder zu dem Revolutionskrieg zurück, denn er lächelte sehr selbstzufrieden in sich hinein und schritt, da er während des vorigen Selbstgesprächs seine Büchse von dem Schlamme gereinigt und frisches Pulver aufgeschüttet, wie sein Messer wieder in die Scheide gesteckt hatte, dem nahen Flusse zu.

Hier jedoch bot sich dem aus dem Sattel Gehobenen eine neue Schwierigkeit: das Hinüberkommen nämlich und vergebens hatte er schon eine Strecke hinauf und hinab gesucht, ob er nicht irgendwo eine seichte Stelle finden und benutzen könnte. Da sah er dicht am steilen Ufer einen angefaulten Baumstamm, an dem ein Bär ganz frisch gearbeitet und mehrere Stücken heruntergerissen zu haben schien. Leider befanden sich aber die Hunde jetzt auf einer warmen Panterfährte, und von der sie abzulenken, wäre unmöglich gewesen, hätte Roberts auch nur je einem solche Gedanken Raum gegeben. Daran aber dachte er wahrlich nicht. Ein Panter hatte erst vor wenigen Tagen eins seiner Füllen und die nächste Nacht ein grosses, auswachsenes Arbeitspferd zerrissen, dem er von einem Baume aus auf den Hals gesprungen wardiesen unschädlich zu machen, war jedenfalls das Wichtigste, was sie vornehmen konnte.

Der alte Jäger wusste aber auch, wie ungern der Panter, wenn er wirklich seinen kaum verlassenen Schlupfwinkel wieder aufsuchte, den Fluss zum zweiten Mal durchschwimmen würde. Um so nötiger wurde es daher, schnell an's andere Ufer zu kommen. Ueberdies tönte das Geheul der Meute wieder deutlicher herüber, und die Jagd konnte sich jeden Augenblick nach dieser Richtung drehen. Roberts wälzte und hob also das vorerwähnte Stück faulen Holzes dem steilen Uferrande zu, warf es hinab und stieg dann selbst, sich an Rohrwurzeln und schiff anhaltend, zum wasser nieder, legte seine Büchse auf das Holz und wollte eben seinen Uebergang beginnen, als er ganz nahe das Gebell und Gekläff der Hunde hörte. Diese eilten, was sich ganz deutlich unterscheiden liess, dem Flusse wieder zu und brachen plötzlich in ein solch' wildes, rasendes Geheul aus, dass Roberts nichts Anderes glauben konnte, als der Panter sei aufgebäunt und dadurch für den Augenblick den Zähnen seiner Verfolger antgangen.

Jetzt war aber auch keine Zeit mehr zu verlieren. Schnell stiess er das Holz in den Strom und hatte eben das tiefere wasser und etwa die Mitte des Flusses erreicht, als am gegenüberliegenden Ufer die Büsche raschelten, das dürre Rohr brach und fast zu gleicher Zeit eine dunkle Gestalt am äussersten rand der Uferbank erschien und sich mit Gedankenschnelle hineinwarf in die über ihr zusammenschlagende Flut.

Es war der Panter, und so dicht neben dem Jäger sank er nieder, dass dieser durch das aufspritzende wasser überschüttet wurde. Die kleinen erregten Wellen schaukelten sein rohes Floss, während der Kopf des Raubtieres wieder emportauchte und dem andern Ufer zustrebte. Jetzt hatte aber auch Roberts seine ganze Ruhe und Geistesgegenwart wieder gewonnen, die ihn im ersten Augenblick wirklich durch die unvorhergesehene Ueberraschung verlassen. Das Schloss seiner Büchse war glücklicher Weise trocken geblieben, schnell zog er den Hahn auf, und mit dem linken Arm auf dem Holze ruhend, während er mit den Füssen langsam austrat, zielte er in dieser keineswegs bequemen Lage auf den Panter, der jetzt eben glatt und triefend dem wasser entstieg. Dieser zuckte, von der Kugel getroffen, hoch auf und glitt in den Strom zurück und Roberts wollte schon ein Triumphgeschrei ausstossen, versah aber das Gleichgewicht des Flosses ein wenig und verschwand mit Büchse und Pulverhorn in dem nämlichen Augenblick in der trüben Flut, als sich das verwundete Tier wieder aufraffte und mit flüchtigen Sätzen den steilen Abhang hinanfloh.

Als Roberts gleich darauf sprudelnd und plätschernd wieder an die Oberfläche kam, erreichten die Hunde, die vorher auf der verlorenen Fährte geheult hatten, gerade den Platz, von welchem der Panter abgesprungen. So wenig sie aber sonst geneigt gewesen wären, das wasser schnell anzunehmen, so bereitwillig folgten sie jetzt ihrem gewandten Vorgänger, als sie die dunkle Gestalt in dem Flusse bemerkten, die sie in dem Augenblick für den verfolgten Feind hielten. Roberts' Lage gehörte in diesem Augenblick keineswegs zu den beneidenswerten, denn hätten ihn die vor Eifer winselnden Rüden, die mit aller Gewalt dem vermeintlichen Feinde zustrebten, noch im tiefen wasser erreicht, so würde sich die Masse auf ihn gedrängt und ihn erstickt haben, ehe er im stand gewesen wäre, sie von ihrem Irrtum zu überzeugen. So aber bemerkte er noch glücklicher Weise die Gefahr, in der er schwebte, zeitig genug, schwamm, in der Linken immer noch fest und sicher die schwere Büchse haltend, dem Ufer zu und hatte kaum einen Ort erreicht, auf