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Landen, und dennoch lebt Assowaumer liegt auf seinem Lager und atmet. Könnte er atmen, wenn er nur e i n e Seele hötte und diese im land seines Stammes weilte, während er solbst zwischen den Hütten der Weissen am 'rauschenden wasser'1 lebt? Neinder rote Mann hat zwei Seelen."

Als die Nacht anbrach, nahm Assowaum die speisen, die ihm Brown gebracht, stellte sie neben die Oeffnung, zu Häupten des Grabes und zündete dann ein kleines Feuer vor demselben an, das er auch sorgfältig unterhielt, während er, als sich dichtere und dichtere Finsterniss auf die schlummernde Erde lagerte, mit leiser, klagender stimme den eintönigen, schaurigen Todtengesang seines Volkes sang:

"Wo achwo ach

Weilst Du, Liebchen? Sieh, es blühen

Hier im Tale

Alle Blumen, alleDu nur fehlest.

Wo achwo ach

Tönt die stimme, die ich liebte?

Horch, es schallen

Tausend Stimmen, tausendDu nur fehlest.

Drobendroben

In dem Wipfel jener Eiche

Sitzt der Vogel,

Und er singt des Geisterrufes Klage.

Drobendroben

Ist Dein Geist, oh werde' ich nimmer

Hier im Tale

Deine lieben Laute wieder hören?

Untenunten

fest am Boden lieg' ich lauschend

Hier im Tale,

Und ich höre Deine Stimm' im grab.

Untenunten

Deine leisenleisen Klagen,

Und sie rufen

Mahnend auf zur Rache. – Lieb', ich folge!"

Fussnoten

1 Arkansas.

18.

Roberts' Abenteuer auf der Panterjagd. – Die

Wasserpartie.

Zwei volle Wochen waren seit den in den vorigen Capiteln beschriebenen Scenen verflossen, alle Nachforschungen aber, die schuldigen Verbrecher aufzuspüren, fruchtlos geblieben, und vergebens hatte Brown, dessen Onkel sich in letzter Zeit wieder ziemlich erholt, mit unermüdlichem Eifer geforscht und gearbeitet, um eine Spur der Mörder zu finden.

Assowaum selbst konnte mehrere Tage nach der Beerdigung seines Weibes durch nichts bewogen werden, ihr Grab zu verlassen. Dann aber war er plötzlich verschwunden, und selbst Brown wusste nicht, wohin er sich gewendet.

Die Ansiedler wurden aber durch diese erfolglosen Anstrengungen keineswegs entmutigt und sahen darin nur einen so viel sprechenderen Beweis, wie nötig es wäre, dass sie sich selbst zum Schutz ihrer Rechte verbänden, da auch in diesem Falle die Gerichte nicht das Mindeste hatten ergründen können, und der Mörder, für jetzt wenigstens, sicher und unentdeckt zu bleiben schien. Dadurch von der notwendigkeit eines ernsten Schrittes überzeugt, war der grösste teil der Farmer jener Verbindung, die sich die "Regulatoren" nannte, beigetreten, und eine Hauptversammlung, die sehr zahlreich zu werden versprach, festgesetzt worden. Dort sollten ernstere Schritte verabredet werden, um besonders Verdächtige, die sich in ihrer Nachbarschaft aufhielten, denen aber kein wirklich begangenes Verbrechen bewiesen werden konnte, vor ihr Gericht zu fordern. Möglicher Weise wollten sie hieran den Faden knüpfen, der sie auf die Spur der Schuldigen, wenn auch nur i m Anfang auf die der Pferdediebe, brächte, und unter denen hofften sie dann, und nicht mit Unrecht, die Mörder der beiden Erschlagenen zu entdecken. –

Freundlich lag der warme Sonnenschein auf dem grünen Laubdach des Waldes. – Stiller Friede herrschte in der ganzen herrlichen natur, kein Lüftchen regte sich, aber tief, tief unten im finstern Dikkicht drinnen, da, wo der Fourche la fave seine Flut durch unwegsam Rohrbrüche und von dunkelschattigen Sumpfbäumen überhangen hindrängte, tobte die Jagd und schallte das bald dumpfe Bellen, bald helle Kläffen der Rüden hervor.

"Johojohoihr HundeHuhpih!" schrie Roberts, als er auf schäumendem Ross über einen breiten sumpfigen Fleck dahinbrauste und das vor fröhlichem Jagdeifer schon überdies erhitzte Tier immer noch mehr durch lauten Ruf und kräftigen Hackenstoss anfeuerte, dass es wild hinten aushieb und vorsprang in ein Gewirr dicht verwachsener Weinreben. Die Meute war voraus, und zerstreut hetzten die Jäger einzeln, wie ihre Pferde sie gerade getragen, oder die Bahn, den sie zufällig gefolgt, es erlaubt hatte, hinterdrein, jeder mit gellendem Jagdgschrei die Hunde ermutigend, sobald er nur hoffen durfte, von ihnen gehört zu werden.

"Huhpih!" schrie Roberts noch einmal, indem er, mit der Büchse in der Linken, die Rechte mit dem schweren Jagdmesser bewaffnet, um im Notfalle Schlingpflanzen und Reben zu zerhauen, eine gewaltige umgestürzte Cypresse überflog und mit gleicher Zeit mit kräftigem Hiebe eine seilartig verwachsene Gründornliane von einander trennte, die seinen Fortgang aufzuhalten drohte. Dadurch hatte er aber eine andere, wenn auch schwächere, doch deshalb nicht minder zähe Weinrebe übersehen, und ehe er noch zu neuem Schlage ausholen oder dem wild dahinstürmende Pony in die Zügel fallen konnte, schlüpfte dieses dicht darunter hin, und im nächsten Augenblicke lag Roberts mit Büchse und Messer neben dem Stamme, den er eben erst mit so kühnem Satze übersprungen.

"Pest!" murmelte er, als er sich aus dem zähen Schlamme, in den er gerade mit den Schultern gefallen war, vorarbeiten musste – "Pony, hier! – kobkobPony! – der Teufel hole die Bestie, ich glaube, die will auf eigene Hand jagen!" – Er hatte nicht Unrecht; das kluge Tier, das Roberts auf allen Jagden geritten, nahm viel zu grossen Anteil an der Hetze selbst, als dass es jetzt hätte auf seinen Herrn warten und dadurch die schöne Zeit versäumen sollen. Wie ein losgelassener Sturmwind