uns zu guten und gottesfürchtigen Menschen macht, und uns stärkt, das Auge zu Dir, Du Allmächtiger, reinen Herzens emporheben zu können. Amen!"
"Amen!" hauchten die Umstehenden nach, nur Assowaum blieb in finsterem Schweigen, die Rechte noch immer am Tomahawk, stehen, bis jetzt der Sarg von den Männern erfasst und langsam in die enge Gruft hinabgehoben wurde. Da brach auch sein Stolz, er sank mit vor das Antlitz gepressten Händen am grab nieder, und als er sich wieder erhob, war der kleine Hügel gewölbt, und Rowson pflanzte das schwarze Kreuz zu Häupten desselben oben darauf.
Die Feierlichkeit war beendet und die Nachbarn verfügten sich zurück, in ihre Wohnungen, nur Bahrens und Wilson blieben mit Brown in der kleinen Hütte des Freundes, um ihn in seiner Krankheit, so viel es in ihren Kräften stand, zu pflegen; Brown aber trat noch, ehe sich Rowson entfernt hatte, zu diesem, dankte ihm für seine freundliche Bemühung, den Leib unglücklichen Weibes beerdigen zu helfen, da er doch selbst krank und angegriffen sei, und bat ihn, sein Haus, im Fall er nicht augenblicklich wieder zurück wolle, ganz als das seine zu betrachten. Doch Rowson wies das Anerbieten freundlich zurück, da er zu seiner kurz bevorstehende veränderte Lebensweise so viele Vorbereitungen treffen müsse, dass an ein müssiges Vergeuden ganzer Tage nicht mehr zu denken sei, und schied mit dem friedlichen Segensgruss auf den Lippen und tiefer Demut und Frömmigkeit im blick von dem jungen Mann, der ihm noch lange, in finsteres Brüten versunken, nachschaute. – D a s war der Mann, der ihm sein ganzes irdisches Glück geraubt, oder ihm doch unmöglich gemacht hatte, es je zu erreichen. D a s war der Mann, dem die Geliebte Herz und Hand geopfert, dem sie angehören musste, von nun an bis zu der Zeit, wo der Tod mit seinem eisernen Griff die Bande trennen würde, die, von Gott selbst geknüpft, für das L e b e n unzerreissbar sein sollten.
"Lebe wohl," hauchte er leise – "lebe wohl, du schöner Traum, den ich einst in wilden Jugendphantasien geträumt – lebe wohl, du Bild häuslicher Glückseligkeit, das ich mit Tantalusqualen mich umgeben sehe, und das den lechzenden Lippen doch ewig entzogen bleibt. – Lebe wohl, Du holdes, reines Wesen, und Gott lindere Deinen Schmerz; Vergiss den Unglücklichen, dessen böses Geschick ihn in Deinen Weg warf, um Deinen – seinen Frieden zu untergraben. – Lebe wohl!"
"Lebewohl," flüsterte Assowaum, der an seine Seite getreten war und das letzte Wort gehört hatte – "Lebewohl – ein wunderbares Wort, einer toten nachzurufen!"
"Einer toten?" fragte entsetzt auffahrend Brown.
"Sprachst Du nicht mit Alapaha?"
"Ich sprach mit einer toten," hauchte Brown, sein Antlitz in den Händen verbergend – "sie ist tot – tot – tot!"
"tot!" stöhnte Assowaum in dumpfem Echo nach – "gemordet – doch den Mörder muss ich finden. – Der Geistervogel soll mir in nächtlichen Träumen den Namen in's Ohr flüstern; neben dem grab will ich lagern, bis ich seine stimme gehört. – Wird mein weisser Bruder mir beistehen, um der toten willen? Wird er dem Arm des Freundes seine Sehnen leihen, ehe er in ein anderes Land geht, um für die Freiheit eines fremden Volkes zu kämpfen?"
Brown reichte ihm schweigend die Hand und schritt dann langsam zu dem Bett seines kranken Oheims zurück, während der Indianer, für den Augenblick seinen Schmerz bezwingend, mit regem Fleiss daran ging, aus starken Rindenstücken ein Dach über dem grab zu erbauern, um den Regen davon abzuhalten. Schon neigte sich die Sonne wieder ihrem Untergange, als er die letzte wohnung seines Weibes beendet hatte und nun am obern Teile derselben, da wo der Kopf der Leiche ruhte, eine kleine Oeffnung mit dem Tomahawk hineinhieb.
Brown litt es indess nicht lange am Bett des Kranken, dem er für den Augenblick doch nichts weiter nützen konnte, und er kehrte zu Assowaum zurück, ihm etwas Trank und Speise zu bereiten. Als er zu ihm trat, war der Indianer gerade damit beschäftigt, die Oeffnung in das Dach zu hauen.
"Und Du zerschlägst das wieder, was Du errichtet?" fragte ihn Brown.
"Ich zerstöre es nicht," sagte der Wilde – "aber die Seele muss einen Ausgang haben, dass sie den Körper verlassen und zu ihm zurückkehren kann."
"Die Seele kehrt nicht zurück, armer Freund," entgegnete ihm traurig der junge Mann – "sie ist dort hinauf gegangen, wo die Seligen wohnen. – Sie wird die Erde nicht vermissen."
"Es gibt z w e i Seelen," flüsterte leise der Indianer, "zwei Seelen gibt es," wiederholte er eifriger, als er sah, dass der Weisse ungläubig mit dem kopf schüttelte. "Fliegt Assowaum's Seele nicht im Traume zu den Jagdgründen seines Stammes zurück? sieht sie nicht dort den Wigwam, vor dessen Eingang er seine frühsten Kinderspiele spielte? folgt sie nicht dort in dunkler Schlucht dem Elentier, das schnaubend und prasselnd sich Bahn bricht durch den dichtverwachsenen Wald? Sieht sie nicht dort den Vater, wie er mit starker Hand dem schwachen Knaben hilft den Bogen spannen? Ja – sie ist weit – weit hinweg, in fernen