einem alten indianischen Grabhügel, wie sie sich in grosser Anzahl in Arkansas finden, und sagte:
"Lasst die Blume der Prairien bei den Kindern der Natchez ruhen. Hass und Zwietracht entzündete in alten zeiten die Herzen der Lenni Lenapes gegen ihre roten Brüder im Süden. Der grosse Gott hat sie dafür gestraft – ihre Asche ruhe friedlich bei einander."
Die Männer warfen nun mit regem Eifer an der beschriebenen Stelle die Erde aus, bis sie die Grube für hinlänglich tief hielten, und wollten dann die Leiche in den in voriger Nacht rauh zusammengezimmerten und hierher geschafften Sarg legen. Hieran verhinderte sie aber noch der Indianer, der aus seinem Wigwam eine Anzahl fein gegerbter Felle herausholte, den Körper seines Weibes mit diesenumhüllte und dann mit hülfe Brown's, den Bahrens aus dem Zimmer getrieben hatte, damit er seiner Onkel nicht wieder in dem kurzen stärkenden Schlummer störe, die junge Gattin hinein in ihr letztes, stilles Haus legte.
Mullins nahte sich jetzt, einen Hammer und Nägel in der Hand, um den Deckel zu bestigen. Doch auch diesem wahrte der Wilde und umschlang den Sarg mit seinem ledernen Fangriemen, den er aber wieder ablöste, als die Erde ihr rotes Kind aufgenommen.
Rowson trat hierauf an die offene Gruft, und Assowaum machte schon eine Bewegung, als ob er die christliche Feier des weissen Mannes zurückweisen wolle, da fiel sein blick auf das Kreuz, das jener in der Hand trug und zu dem die tote mit solcher Ehrfurcht gebetet hatte. Er barg das Antlitz in den Händen, kniete neben dem grab nieder, und jetzt zum ersten Mal brach sich der lange verhaltene, bis zu diesem Augenblick männlich bezwungene Schmerz Bahn. Seine Brust hob sich convulsivisch, und die Tränen drägten sich in grossen krystallhellen Tropfen zwischen den dunkeln Fingern hindurch und träufelten in die aufgeworfene Erde nieder, die in wenigen Minuten das Wesen bedecken sollte, um das er Stamm und Freunde, Heimat und Eltern verlassen hatte und ein einsamer Wanderer unter dem fremden volk geworden war.
Indessen begann der Metodistenpriester mit leiser, zitternder stimme seine Leichenrede über der Asche der von seiner eigenen Hand schändlich Gemordeten. Er pries ihre Tugend und Frömmigkeit; er lobte ihren Eifer, mit dem sie dem wahren Gott angehangen und an ihn geglaubt habe; er rühmte ihren Fleiss und ihre Liebe zu ihrem Gatten und Häuptling und erflehte dann vom Himmel, zu dem er es nicht wagte die scheuen, verbrecherischen Blicke zu erheben, "Gnade für die Verstorbene und – Vergebung für die Hand, die, vielleicht im Zorne, unschuldiges Blut vergossen". –
Er hatte sein Gebet aber noch nicht beendet, als ein eigenes wildes Feuer den Indianer zu durchzucken schien. Langsam nahm er die hände von den Auge, und wie sein fester, durchdringender blick dem des Priesters begegnete, und dieser vor dem dunkelglühenden Augen des Kriegers heimlich erschaudernd schwieg, richtete sich der Häuptling stolz empor, erfasste mit der Rechten den Tomahawk seines Weisses, den er noch im Gürtel trug, und die Linke gegen den Metodisten ausstreckend, sprach er mit lauter, klangvoller stimme:
"Alapaha ist tot – ihr Geist ist zu den seligen Gefilden des w e i ss e n Mannes gegangen, ihr Herz hatte sich von dem grossen Geist gewandt, dessen Rache sie jetzt erreicht hat; aber weswegen bittet der blasse Mann bei s e i n e m Gott um Gnade für das Weib, das A l l e s vergass, um nur i h m anzugehören? – das dem Glauben ihres Stammes entsagte und z u dem weissen Gott betete? Sie bedarf keiner Gnade! Du hast mir oft gesagt, Dein Gott sei gerecht, und Assowaum's Weib soll nicht einmal von einem Gott Gnade zu erbitten haben, wo es Gerechtigkeit verlangen kann. Ist Dein Gott gerecht, so muss er die Unglückliche belohnen, die seinetalben das vergass, was ihr sonst lieb und heilig war."
Rowson wollte ihn unterbrechen, doch hielt ihn wiederum der fest auf ihm ruhende blick des Wilden zurück, der mit immer lauterer und kräftiger tönender stimme fortfuhr:
"Deine Lippen flehen aber auch um Vergebung für den Mörder. Er tauchte seine giftige Hand in das reine Herzblut der Blume der Prairien; wer ist hier, der sie nicht kannte und – nicht liebte? Nein! Keine Vergebung – F l u c h treffe den Mörder, Assowaum wird ihn finden, sein Leben hat fortan nur den e i n e n Zweck: d e n M ö r d e r z u s t r a f e n . Mag ihn nachher weisse oder rote Erde decken, der grosse Geist wird ihn mit offenen Armen und lächelndem Antlitz empfangen."
Rowson, der nur mit gewaltiger Kraftanstrengung sich bezwungen hatte, den finstern, drohenden blick des Kriegers auszuhalten, hob jetzt schweigend, wie in stillem Gebet versunken, die hände und sagte nach langer andächtiger Pause:
"Vergieb ihm, Herr, vergieb dem Unglücklichen, der, von bitterem Schmerz übermannt, Worte des Zornes und Hasses aussprach, wie sie nicht wohlgefällig vor Deinem Angesichte sind. Vergib ihm, Herr – vergieb uns Allen, die wir hier über eine Tat entrüstet stehen, welche ja ebenfalls durch Deine unerforschliche Weisheit verhängt wurde. – Vergieb uns, die wir vielleicht ebenfalls Gedanken des Zornes und der Rache hegen, und erleuchte uns mit Deinem Lichte, auf dass wir erkennen, wie nur in Deiner Gnade, in Deinem Frieden das Heil liegt, das