. Assowaum mass die Spitze ebenfalls am Stiel seines Tomahawks und schaute mehrere Minuten lang sinnend auf die niedergetretene Asche.
Solches Zeichen genügte aber nicht und er wanderte weiter umher, forschte nach irgend einem zurückgelassenen Gegenstand des Mörders und fand – den Tomahawk der Geliebten, der blutig von rauher Hand in die Ecke der Hütte geschleudert schien und dort bis jetzt seinem Adlerblick entgangen war.
Ein stolzes Lächeln des Triumphes durchzuckte jedoch zum ersten Mal die Züge des wilden Kriegers, als er die Blutspuren an der leichten, doch scharfen Waffe seines Weibes bemerkte: Alapaha war einer Indianerin würdig gestorben, und der Feind, der sie vernichtet, hatte zuerst von ihrer Hand geblutet. Das brachte aber auch das Andenken an den Tod der Geliebten mit erneuter Heftigkeit vor seine Sinne, und den Tomahawk fest mit den Eisenfingern umspannend, richtete sich der wilde Krieger hoch empor und schaute mit blitzenden Augen umher, als ob er den Mörder erspähen und ihn mit dem Racheschrei auf den Lippen zu Boden schmettern wollte.
Ach zu spät! wo war diese rettende Hand in der Stunde der Not? wo war dieses starke Herz im Augenblicke der Gefahr gewesen? weit – weit von hier, und das arme Wesen musste hülflos und unbeschützt fallen und verbluten. Assowaum knirschte wind, in ohnmächtiger Wut. Dann aber siegte endlich die kalte, ruhige überlegung des Indianers. Noch einmal durchforschte er jeden Winkel, jede Ecke des kleinen Raumes, verliess dann die Hütte und untersuchte im Freien jeden Strauch und jeden offenen Moosfleck – vergebens. Der niederströmende Regen hatte Alles verwischt, nur zwischen dem Flusse und der Hütte, jetzt zwar schon von den steigenden Fluten erreicht, fesselten einzelne Birkenzweige seine Aufmerksamkeit, von denen die Blätter gewaltsam abgestreift zu sein schienen; doch hatte, wie schon gesagt, der wachsende Fluss jede Spur darunter verwaschen, und der Indianer kehrte, ohne seinen Zweck erreicht zu haben, in die Hütte zurück.
Hier bereitete er nun für die ermordete Gattin das Todtenlager; seine Decke breitete er aus und legte ihre starren Glieder darauf, aus dem Flusse trug er wasser herbei und wusch ihr das blutige Antlitz und Haar rein von dem roten, geronnenen Lebensstrom, schob ihr dann die eigene Decke unter das Haupt, dass sie gut und sanft ruhe wie vor alten, schönen zeiten, und versuchte, ihre hände auf dem Herzen, das ihn so treu und innig geliebt hatte, zu falten. Die Rechte hielt aber krampfhaft geschlossen, und schon wollte er den Versuch aufgeben, mit Gewalt die im tod erstarrten Finger zu lösen, als er etwas Fremdartiges in ihnen fühlte, seine Anstrengungen erneute und in dem Griff der Leiche einen dunkeln Hornknopf, den sie im Todeskampf gefasst und gehalten hatte.
Was war aber mit solchem Zeichen zu beginnen? Wie konnte das auf die Spur des Täters führen? Assowaum schüttelte traurig mit dem kopf, schob jedoch den Gesundene in die Kugeltasche an seiner Seite und setzte sich nun wieder still zu den Füssen der Gattin nieder, als ob sie nur schlummere und er ihren Schlaf bewachen wolle.
So sass er regungslos viele lange Stunden; das Feuer fiel in sich zusammen, flackerte noch manchmal zuckend empor und verglomm endlich; dichte Finsterniss erfüllte den kleinen Raum – draussen im wald zogen sich die Wölfe scheu vor der Nähe des Menschen zurück, kein laut unterbrach die feierliche Stille, als das Plätschern und Gurgeln des Flusses. Selbst die Eule hatte den schaurigen Platz gemieden, und nur weit, weit entfernt lockte ihr klagender Ruf den gefährten, den sie dann mit leisem, geräuschlosem Flügelschlag in die freundlicheren Hügel folgte – Alles schwieg, und immer noch kauerte die dunkle Gestalt vor der stillen Leiche, bis draussen die frische Morgenluft den Tau von den büsche schüttelte, im Osten ein heller Streifen den nahenden Tag verkündete und die Vögel der Nacht mit lauten, wehmütigen Tönen Abschied von dem weichenden Dunkel nahmen.
Da wurden Stimmen vor der Hütte laut, und von Wilson gefolgt trat Brown wieder in das stille Gemach der Trauer. Der Indianer schien ihn aber nicht zu bemerken; sein Auge, das er keinen Augenblick von dem Antlitz Alapaha's gewandt hatte, hing immer noch an den teuren Zügen, und erst als ihm der Freund mit leisem Finger die Schulter berührte, starrte er, wie aus tiefen Traum erwachend, empor.
"Komm, Assowaum!" sagte Brown jetzt, indem er ihm freundlich die Hand entgegenhielt, "sei ein Mann – schüttle den Gram ab, der Dich zu verzehren droht, und lass uns an's Werk gehen, zuerst Dein Weib beerdigen, und dann sie – r ä c h e n !"
Der Indianer hatte teilnahmslos den Worten des weissen Mannes gelauscht, bis das letzte sein Ohr berührte.
"Sie r ä c h e n !" rief er, indem er mit leuchtenden Augen emporsprang – "ja – sie rächen – komm, mein Bruder – der Anblick dieser Leiche entmannt mich – komm!" Damit nahm er den kleinen Tomahawk seines Weibes und steckte ihn in den Gürtel, half dann aber den beiden Männern mit festen Schritten die Leiche in das schwankende Boot zu tragen, das an seinem Rebenanker auf den durch die überschwemmten Bäume gebrochenen Wellen schaukelte.
Wilson bot ihm nun einige für ihn mitgebrachte Erfrischungen an – er wies aber Alles zurück, nahm schweigend seinen gewöhnlichen Platz im Canoe ein und steuerte dieses, das, von den kräftigen Armen der beiden Männer gerudert, mit Blitzesschnelle über die kochende Flut dahinschoss, sicher und ruhig