. Rein ist mein Herz von so entsetzlicher Schuld, aber der Mörder lebt unter uns.
Vor wenigen Tagen noch war es meine Absicht, diesen Staat zu verlassen und nach Texas zu gehen; sie ist es noch, aber nicht eher jetzt, als bis die Hand entdeckt ist, die jene Wunde schlug, bis mein Name wieder rein und schuldfrei vor der Welt dasteht. Doch nicht meine Pläne allein, nein, auch meine Ansichten haben sich geändert.
Ihr wisst, Männer von Arkansas, viele von Euch wenigstens, die mich näher kannten, dass ich bis jetzt dem Treiben und Wirken der Regulatoren entgegen war; ich hielt ihre Ungesetzlichkeit für einen vollgültigen Grund, sie zu verdammen – ich denke nicht mehr so. Hier zu unseren Füssen liegt ein Wesen ermordet, das harmlos und unschuldig Keinen kränkte oder betrübte; wer ist hier, dem sie nicht durch ihr anspruchslos freundliches Wesen gefallen, den sie nicht durch ihre streng gemeinte und gläubige Religiosität, wodurch sie selbst dem Glauben ihres Stammes untreu wurde, gerührt hätte? Sie ist tot – und die gesetz konnten sie nicht schützen; sie ist tot – und die gesetz sind zu machtlos, den Mörder zu erreichen und zu bestrafen. Hier aber hebe ich meine Hand empor und schwöre bei dem allmächtigen Gott, dass ich nicht eher ruhen und rasten will, bis ihr Blut, wie das jenes unglücklichen Mannes, gerächt ist, dass ich nicht eher ruhen und rasten will, bis wir die Natterbrut, die sich unter uns eingeschlichen hat, gefunden und ihre Köpfe zertreten haben. Männer von Arkansas, wollt Ihr mir beistehen mit Euren Armen und Euren Herzen?"
"Ja!" hallte es dumpf und leise durch die niedere Hütte – "ja! so wahr uns Gott helfe!"
"So lasst uns vor allen Dingen den Leichnam zu dem nächsten haus schaffen; dortin muss morgen früh Jemand den Prediger holen, der ja wohl in der Ansiedlung zu finden sein wird. Wir wollen dann das arme Weib beerdigen."
Mehrere der jungen Leute begannen, dieser Aufforderung zu Folge, Stangen abzuschlagen und eine rohe Bahre herzurichten. Da trat Assowaum, der bis jetzt schweigend, den blick auf die Züge seines toten Weibes geheftet, neben der Leiche gestanden hatte, vor, schob die ihm nächsten mit den Armen sanft hinweg und machte eine Bewegung, als wenn er sie bitten wollte, das Haus zu verlassen.
"Was willst Du tun, Assowaum?" fragte Brown.
"Lasst mich allein!" hauchte der Krieger, indem er das Messer, das er noch vom ersten Augenblick an blank in der Hand trug, wieder in die Scheide zurückschob – "lasst mich allein mit Alapaha – nur diese Nacht."
"Sollen wir denn nicht –?"
Eine verneinende Bewegung des Indianers drängte sie, seinem Willen zu gehorchen. Schweigend traten sie zurück und berieten nun vor dem Eingange der Hütte leise, was zu tun sei.
"Wär's nicht besser, wir lagerten hier draussen?" meinte Bahrens, als sie einen etwas entfernten und ziemlich offenen Platz erreicht hatten, "Assowaum mag die Leichenwache halten, und morgen früh sind wir dann gleich an Ort und Stelle."
"Wohl wahr," sagte Brown, "aber Assowaum erzählte mir unterwegs, mein Onkel sei krank, und er habe Alapaha mit Lebensmitteln an ihn abgeschickt. Das unglückliche Weib wurde aber ermordet, der arme kranke Mann liegt also allein und hilflos in seiner Hütte, ich m u ss spätestens morgen früh dort sein."
"Wie wäre es denn," sagte Wilson, "wenn wir jetzt zu Mullins zurückgingen, dort zuerst sähen, wie sich Rowson befindet und ob er im stand ist, die morgende feierliche Handlung zu begehen, und dann vor Tagesanbruch mit einigen Lebensmitteln für den Indianer wiederkehrten? Alapaha nehmen wir dann in dem Canoe zu ihrer eigenen Hütte, die dicht neben unserer wohnung liegt. Es wird auch des Indianers Wunsch sein, die Squaw neben seinem Wigwam beerdigt zu haben."
"Bei diesem tobenden wasser können aber nur höchstens vier Personen in dem Canoe sitzen," sagte Roberts.
"Mehr sollen auch gar nicht darin fahren," entgegnete Brown. "Von Mullins zu Harpers ist es, wenn Ihr von Heinzes aus eine gerade Richtung durch den Wald einschlagt, kaum sechs Meilen, also nur wenig weiter als von hier; Wilson und ich übernehmen daher das Fortschaffen des Indianers und der Leiche, und Ihr Anderen verfolgt indessen mit dem Priester den Landweg; wir treffen dann ziemlich zu gleicher Zeit bei meinem Onkel ein."
"Gut," sagte Bahrens – "damit bin ich einverstanden. Sollen wir aber jetzt, ehe wir den Platz wieder verlassen, nicht versuchen, die Fährten des Mörders aufzufinden?"
"Das wäre nutzlos," warf Roberts ein, "der Boden hier im inneren ist zu hart und trocken, um etwas unterscheiden, und draussen hat der Regen, der nach Mitternacht in Strömen herabgoss, Alles verwischt; wir würden nur unnütz unsere Zeit verschwenden. Nein, der Mörder ist für den Augenblick vor jeder Verfolgung sicher, wer es aber auch sei, er wird unserem rächenden Arm nicht entgehen, und daran sollen uns weder die frommen engherzigen Ermahnungen eines Priesters, noch die machtlosen Drohungen eines Gouverneurs uns abhalten, da einzugreifen und zu strafen, wo wir an unserem Heiligsten verletzt wurden."
"Ich möchte noch einmal zu Assowaum hineingehen," sagte Brown