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für wild dort läge, oder ob der Bär vielleicht ein Schwein oder gar der Panter ein Pferd gewürgt habe. – Allmächtiger Gott, ich war nicht auf den Anblick vorbereitet!

Als ich den dicht mit Unterholz verwachsenen Fleck, wo die kleine Hütte stand, erreichte, glaubte ich gewiss zu sein, dass eins der Schweine in die Klauen eines hungrigen Bären gefallen sei, noch dazu, da ich erst heute Morgen Spuren eines solchen an der Uferbank bemerkt hatte. Das aber schon machte mich stutzig, dass sich keiner der Aasgeier niedergewagt; sie sassen alle auf den Aesten der Bäume um die Hütte herum und schlugen gierig mit den Flügeln, als ich mich ihnen näherte."

"Und die Wölfe?"

"Nach deren Fährten sah ich nichtich wusste jetzt, das Aas müsse in der Hütte selbst liegen, und trat nun, immer noch nicht an einen menschlichen Körper denkend, hinein; abererlasst mir die Beschreibung, es war die Leiche der Indianerin, das erkannte ich noch, ehe ich wieder hinausstürmte, dann floh ich in wilder Eile zuerst dem nächsten Haus zu, wo mich aber ein kleines Negermädchen beschied, es sei Niemand daheim, sondern Alles zur Betversammlung hierher gegangen, und wie von einem bösen Feind getrieben, hetzte ich nun weiter, nur immer weiter, um wenigstens zu Menschen zu gelangen."

"So erzählt uns aber doch –"

"Nichtsgar nichtsIhr müsst es selbst sehen, und zwar gleichdie Leiche darf auf keinen Fall diese Nacht dort liegen bleiben. Die Wölfe, die sich heute scheuten, das einst von Menschen bewohnte Gebäude zu betreten, würden bei wieder einbrechender Dunkelheit, und das ist nicht lange mehr hin, Mut gewonnen haben und den Körper zerreissen."

"Wo aber ist Assowaum?" fragte Roberts, "sollte er dem Täter schon auf der Fährte sein?"

"Würde er seine Squaw unbeerdigt zurückgelassen haben?" warf Bahrens ein, "neinnie!"

"Es ist doch nicht möglich, dass Assowaum selbst –" sagte scheu umherblickend Smit, – "er war stets dagegen, dass sie zu den Gebeten des Weissen ging, und hat ihr manches harte Wort, ihres Uebertritts zum Christentum wegen, gesagt."

"Eher wollt' ich glauben, dass sie von ihrer eigenen Mutter, als von Assowaum erschlagen sei!" rief Roberts heftig, "ich weiss, wie lieb er sie hatte. Doch wir müssen fort, die Zeit verfliegt, und es ist keine kleine Strecke bis dahin. Habt Ihr Kienholz im haus?"

"Genug," sagte Mullins, "und gleich fertig gespalten. Ich wollt' es am Montag Abend mit an die Salzlecke nehmen, hierzu ist's aber nötigerwir können gleich aufbrechen. Wo ist Mr. Rowson?"

"Hier!" sagte der Priester, der bis jetzt, von Niemandem beachtet, an einem Stamme gelehnt hatte, "wir müssen augenblicklich gehen, um dem Schrecklichen nachzuspüren."

"grosser Gott, Mr. Rowson," sagte Madame Roberts – "Sie müssen wirklich hier bleibenSie sind krankernstlich krank und sehen leichenblass aus."

"Ich glaube doch wohl, dass es meine Pflicht ist," sagte der Priester, "allerdings habe ich peinliche Kopfschmerzen –"

"Nein, wir geben es auf keinen Fall zu," rief Mrs. Mullins – "der Anblick würde Ihnen auch nichts taugen."

"Ich weiss aber doch nichtbeste Schwester Mullins –"

"Bleiben Sie nur hier," mischte sich Roberts jetzt in das Gespräch – "Sie sehen wirklich sehr unwohl aus, und bei dem traurigen Amt, das wir h e u t e zu versehen haben, bedarf es Ihrer nicht. Morgen, beim Begräbniss, ist es etwas Anderes, da werden wir, wenn Sie sich indessen stark genug fühlen, Ihre Hilfe in Anspruch nehmen."

Der Prediger nickte schweigend, halb dankend mit dem kopf und wollte sich umwenden, um dem haus zuzuschreiten, da trat ihm seine Braut noch in den Weg, reichte ihm mit halb schüchternem, halb freundlichem Blicke die Hand und flüsterte leise: "Gute Nacht, Mr. Rowsonlegen Sie sich nieder und erwachen Sie morgen wieder wohl und heitergute Nacht."

Es waren nur sanfte, liebende Worte, die ihm aus dem mund des lieblichen Mädchens entgegenströmten, wie mit eisiger Faust griffen sie aber in sein Inneres, und entsetztvernichtet wollte er vor der Berührung der reinen Jungfrau zurücktaumeln. Da begegnete sein Auge den auf ihm haftenden Blicke der Umherstehenden, seine alte Seelenstärke erwachte, er zog das errötende Mädchen zu sich heran, drückte einen leisen Kuss auf ihre Stirn, legte segnend seine Hand auf ihre Kopf und schritt dann festen Ganges in das Haus, um das für ihn in der Eile, aber warm und weich bereitete Lager aufzusuchen.

"Welch ein Engel!" murmelte Mrs. Smit, während sie die hände faltete, den Kopf auf die eine Seite neigte und ihm sinnend nachschaute, – "aber da brechen sie wirklich schon auf. Ob wir Frauen denn auch mitgehen?"

"Das geht doch nicht gut," sagte Mrs. Bahrens, "mein Alter würde' es auch wohl nicht gerne sehen. Ich reite nach haus; aber zum Begräbniss morgen kommen wir doch Alle wieder zusammen."

"Sicherlich," erwiderte Mrs.