begegnete."
"An der Feldecke? ich glaubte, er wäre von oben herunter, aus den nördlichen Ansiedlungen gekommen –" sagte Wilson.
"Nun, das kann er ja auch," entgegnete Bahrens, "wenn er sich drei Meilen von hier rechts gehalten hat, um den sumpfigen Stellen aus dem Wege zu gehen, so musste er bei der Feldecke ungefähr wieder herauskommen; ich bin den Weg auch schon einmal geritten. An den Hügeln ist's aber doch trockener."
Die Versammlung war indessen aufgebrochen, und Alles bewegte sich jetzt bunt durcheinander. Madame Bahrens kam aber vor allem Dingen auf die sehr muntere kleine Gesellschaft zu, erwichte ihren "Alten", wie sie ihn nannte, bei einem Knopf, und hatte ihm dann, etwa eine Viertelstunde lang, irgend etwas sehr ernstaft einzuprägen, wobei Wilson Roberts bedeutend in die Rippen stiess und ihn fragte, ob er dergleichen Verhandlungen wohl kenne?
"Kinder, es wird spät," sagte endlich Smit, der die Betversammlungen eifrig besuchte und für einen sehr frommen Mann galt – "die Sonne ist in der Tat schon am Untergehen, und ich habe noch mehrere Meilen zu machen. – Wilson, Ihr begleitet mich wohl?"
"Doch wohl nicht," entgegnete dieser, "ich habe Bahrens versprochen, mit ihm nach haus zu reiten – er will mir gern etwas erzählen, was er in der letzten Woche erlebt hat."
"Nun, dann Glück zu," lachte Mullins, "lasst's uns nur auch wissen, wenn's beendet ist."
"Damit Ihr Euer Maul drüber breit reissen könntet, nicht wahr?" sagte Bahrens. "Ich bin mit meinen Erzählungen vorsichtig geworden, denn – Gott sei uns gnädig – wie sieht der Mensch aus?"
Dieser letzte Ausruf galt einem jungen mann, der in diesem Augenblick aus dem Dickicht trat und sich ihnen näherte, dabei aber ein so geisterbleiches, entsetzliches Aussehen hatte und mit den glanzlosen, weit aufgerissenen Augen so ängstlich umherstierte, dass mehrere der Frauen wirklich erschreckt vor ihm zurückwichen, und Wilson aufsprang und ausrief:
"Halway – zum Teufel – habt Ihr den Verstand verloren, dass Ihr am hellen Tage wie eine Leiche umherrennt und die Leute erschreckt? – Was ist vorgefallen?"
"Fürchterliches!" stöhnte der junge Mann, indem er matt auf einen Baumstamm niedersank. – "Fürchterliches!" wiederholte er mit hohler stimme, "drüben in dem alten Blockhaus –"
"Nun, was ist dort?" fragten Zehn zugleich.
"Lasst mich nur erst zu Atem kommen; drüben im alten Blockhaus – liegt – mich schaudert's, wenn ich daran denke – liegt die Leiche der Indianerin."
"Alapaha's?" rief die Menge entsetzt – "Assowaum's Weib? schrecklich! fürchterlich!" tönte es von allen Seiten durcheinander. "Wie fandet Ihr sie? woran ist sie gestorben? wie sieht sie aus?" und tausend ähnliche fragen kreuzten sich mit Gedankenschnelle.
"Lasst mir nur erst Zeit, mich zu sammeln," sagte Halway – "Ich bin die Strecke von dem Schreckensort hierher – in fast wunderbar kurzer Zeit gelaufen. – Die Angst gab mir Flügel –"
"Aber so erzählt doch nur – was ist denn geschehen?"
"Gleich – gleich – so hört denn. Ich war in der letzten Woche an der Mündung des Flusses gewesen und hatte dort gejagt, brach aber vorgestern von dort auf, um von hier meine erlegten und getrockneten Häute abzuholen. Gestern schon gedachte ich bis Tanner's Haus zu kommen, es wurde aber dunkel, und ich musste am Flussufer, im dichten Schilf, übernachten. Wie manchen Abend hab' ich nun schon draussen im wald allein zugebracht, wie manchen Sturm, wie manches Gewitter abgehalten und nie Furcht gekannt, gestern aber lief mir's ein paar Mal mit eisigen Schauern über den Leib, und ich schürte mein Feuer noch einmal so gross an, als ich's eigentlich gebraucht hätte. Es musste die Ahnung von dem sein, was in meiner Nähe vorging. Sonst blieb übrigens Alles ruhig, nur einmal schlug mein Hund an, und mir war's schon, als ob ich hätte ein Pferd schnauben hören, doch musste das ein Irrtum sein, da der Schilfbruch dort undurchdringlich ist und der Fluss an der Stelle gerade sehr tief vorbeifliesst.
Hoswells hatte mir nun schon früher sein Canoe zu borgen versprochen, gleich früh Morgens sah ich aber Bienen arbeiten und versuchte bis gegen Mittag den Baum zu finden, und da mir das nicht glückte, so sah ich mich nach dem Canoe, und zwar mit nicht besserem Erfolge um. Um alle Biegungen kroch ich, konnte jedoch weiter nichts entdecken, als ein Taschentuch mit Provisionen, das ein Jäger muss im Busch aufgehangen und vergessen haben, und ging endlich bis an den Weg hinauf, um dort durch den Fluss zu schwimmen.
Von dort aus war es nun meine Absicht, links ab und noch etwa zwei Meilen stromauf zu wandern, um ein anderes Canoe, das ich dort weiss, zu erhalten. Ich konnte aber nicht umhin, den auffallenden Zug der Aasgeier zu beobachten, die sich alle nicht sehr weit unterhalb des Weges niederzulassen schienen. über den Weg liefen auch zwei ganz frische Wolfsfährten in derselben Richtung hin, und ich beschloss, da ich doch nichts Besonderes zu versäumen hatte, einmal nachzusehen, was