Wangen färbte, "es ist schändliche Verleumdung, und ich bin jetzt auf dem Wege, das Gerücht Lügen zu strafen. Ich habe den Mann n i c h t erschlagen."
"Er hatte Euer Leben bedroht," fuhr der Farmer, noch halb zweifelnd, fort.
"Ja!" rief Brown in edlem Feuer – "und ich würde ihn getötet und dann frei und offen die Tat bekannt haben, hätte er sich mir im ehrlichen Kampfe entgegengestellt. Der Mann ist aber, wie mir hier der Indianer sagte, von Zweien überfallen, gemeuchelmordet und beraubt, und – sehe ich denn aus wie ein Meuchelmörder?"
"Nein – straf' mich Gott: nicht," rief der ehrliche Landmann, des jungen Mannes Hand ergreifend – "nein. – Ich kenne Euch nicht weiter, aber Ihr habt 'was Ehrliches, Braves im Gesicht, und da Ihr selber sagt, dass Ihr's nicht waret, so will ich verdammt sein, wenn ich's nicht glaube. Meine Mädchen waren gestern unten bei Roberts gewesen, und die meinten auch, Mr. Rowson's Braut hätte Euch sehr in Schutz genommen."
"Assowaum, wir müssen wirklich fort," rief Brown, sich plötzlich zu dem Indianer wendend, der schon, seiner harrend, in der Tür stand.
"Ich bin bereit – es wird spät," erwiderte dieser, und noch einmal drückte der junge Mann dem Farmer herzlich die Hand, dankte ihm nicht allein für seine Freundlichkeit und Güte, sondern noch mehr für das Zutrauen, das er in ihn setzte, und sprach die Hoffnung aus, seine Unschuld bald und völlig an's Tageslicht gebracht zu sehen. Die Männer bestiegen nun das Boot, Assowaum setzte sich in das Hinterteil desselben, den schmalen Nachen zu lenken, während Brown im Vorderteile nahm und Beide ihre Gewehre an sich befestigten, damit sie diese, im Fall eines Unglücks, nicht einbüssten. Vom Ufer losgebunden, glitt das scharfe, leichte Fahrzeug, jetzt von den zwei kräftigen und geschickten Männern getrieben, mit fast wunderbarer Schnelle über die kochende, schäumende Flut und verschwand schon in der nächsten Minute um den vorspringenden, eine spitze Landzunge bildenden Felsen, der sich mehrere hundert Schritt unterhalb der wohnung in den Fluss hineinstreckte.
Glücklicher Weise aber passierten die beiden Freunde die gefährlichsten Stellen noch bei Tageslicht, besonders solche Plätze, wo in den Fluss hineingeschwemmte Birken und Weiden einem so schwanken Fahrzeuge leicht hätten gefährlich werden können. So erreichten sie, als es eben anfing zu dämmern, den seichteren, aber auch breiteren teil des Stromes, der auf seiner nicht mehr so dunkelschafttig überhangenen Bahn jeden fremden Gegenstand im Fahrwasser leicht erkennen liess.
Schweigend glitten sie jetzt, nicht mehr rudernd, sondern bloss steuernd, mit der Flut hinab, als Assowaum plötzlich mit der Hand nach vorn deutete und seinen gefährten, der mit dem rücken nach dem Bug des Kahnes gewendet sass, auf einen hellen, vor ihnen sichtbar werdenden Schein aufmerksam machte.
"sonderbar – was kann das sein?" sagte Brown, sich danach wendend, "so weit es die dichten Büsche erkennen lassen, sieht es aus wie viele Lichter oder fackeln. In welcher Gegend mögen wir uns nur befinden? Ist denn hier ein Haus am Ufer?"
"Ja!" sagte der Indianer leise, den Kahn dort hinübersteuernd – "ja – eine leere Hütte. – Alapaha war hier gestern Abend – wir wollen landen," – und im nächsten Augenblicke schoss auch schon das kleine leichte Fahrzeug an die Uferbank –, wo es von seine Eigentümern schnell mit der gewöhnlichen Ankerkette, einer dünnen Weinrebe, am Stamme einer jungen Birke befestigt wurde.
15.
Die Betversammlung. – Die
Schreckensbotschaft.
Die Sonne hatte die Mittagslinie etwa zwei Stunden überschritten, als von mehreren Seiten zu gleicher Zeit verschiedene Gruppen an einem kleinen Blockhause erschienen, das einsam und allein im weiten, stillen wald lag. Der Besitzer desselben, Mr. Mullins, ebenfalls ein neuer Ansiedler und ein fleissiger, ordentlicher Mann, hatte schon in kurzer Zeit ein recht hübsches Stück Land urbar gemacht. An dem Haus selbst konnte man aber nichts davon bemerken, denn dieses stand, ganz unähnlich der sonstigen amerikanischen Farmsitte, wohl eine halbe Meile vom feld entfernt, am Abhang eines kleinen felsigen Hügels, dee die erste Abdachnung jenes die wasser des Fourche la fave und den Petite-Jeanne scheidenden Gebirgsrückens bildet. Um die wohnung selbst lagen dabei in wilder Unordnung gefällte Bäume und gespaltene Fenzstangen umher, was dem Platz ein zwar neues, aber auch zu gleicher Zeit ungemütliches, ja trauriges Aussehen gab.
Wie öde und still jedoch auch Alles den ganzen Morgen über dareingeschaut hatte, so belebt wurde es jetzt. Kein Busch, an dem nicht ein Pferd angebunden stand, kein gefällter Stamm, auf dem nicht ein paar sonntäglich gekleidete Männer sassen und traulich mit einander plauderten, während die Frauen in das Haus traten, um dort vor allen Dingen ihre Hüte und Tücher abzulegen. Dort bot sich für sie dann allerdings auch zugleich die gelegenheit, sich, ehe der Prediger kam, nur ein klein wenig und ganz insgeheim über die Sünden ihrer Nebenmenschen aufzuhalten, natürlich mit dem sehr freundlichen Zweck, dieselben so sehr zu bemänteln, wie sich das nur möglicher Weise mit einer genauen und vollständigen Aufzählung derselben vereinigen liess.
"sonderbar, dass Mr. Rowson noch nicht da ist," sagte Madame Pelter zu Madame Mullins, "er hält