"Und wisst Ihr gar nichts?"
"Oh zum Henker, Assowaum, schneid' nicht so ein ernstgewichtiges Gesicht," rief Brown lächelnd. "Wenn ich am andern Ufer des Arkansas bin, wie kann ich da wissen, was am Fourche la fave vorgeht?"
"Aber vor Eurer Abreise –"
"Mein Streit mit Heatcott?"
"Heatcott ist ermordet!" sagte der Indianer ernst, indem er dem jungen Mann forschend in's Auge sah.
"Gerechter Gott!" rief Brown, das Pony zurückreissend, dass es hoch aufbäumte in jähem Schmerz – "das wäre schrecklich!"
"Der Verdacht ruht auf E u c h ," fuhr der Indianer, sein Auge nicht von ihm wendend, fort – "und man endschuldigt Euch auch vollkommen. Der tote hat wilde Drohungen ausgestossen – hätte sie vielleicht wahr gemacht – war möglicher Weise im Begriff, sie wahr zu machen, und Eure Tat wird, wie sie sagen, dadurch gerechtfertigt, nur –"
"Assowaum!" rief, diesen unterbrechend, der junge Mann, indem er aus dem Sattel sprang und neben den Indianer trat – "Assowaum – bei jenem blauen Himmel da droben, der sich über uns ausspannt – bei dem grab meines Vaters – bei dieser Hand, die ich rein und frei emporstrecke – ich bin unschuldig an dem Morde. – Ich habe den Unglücklichen seit dem Augenblick, wo wir uns vor Roberts' haus trennten, nicht wieder gesehen. Glaubst Du noch, dass ich schuldig sei?"
Der Indianer streckte ihm lächelnd die Hand entgegen und rief mit freudigem Tone: "Assowaum hat es nie geglaubt – wenigstens nicht von dem Augenblick an, wo er hörte, der Ermordete sei b e r a u b t worden."
"Und auch dessen beschuldigt man mich?" fragte Jener entsetzt.
"Böse Menschen – ja – die guten kennen Euch besser. Mr. Harper und Mr. Roberts glauben es nicht."
Brown barg bei Roberts' Namen das Gesicht in den Händen und stützte sich seufzend auf den Sattelknopf des ruhig neben ihm anhaltenden Tieres.
"Lasst Euern Fuss sehen!" sagte jetzt der Indianer, indem er den Tomahawk aus dem Gürtel zog.
"Weshalb? Hast Du die Fährte gemessen?"
"Ahem," nickte und Wilde und hielt den Stiel der Waffe an die Sohle des Freundes.
"Dreiviertel Zoll zu lang," sagte er dann vergnügt vor sich hin – "dachte' es doch!"
"Ich trug die Stiefel nicht einmal an jenem Morgen, an dem ich den Fourche la fave verliess," sagte Brown, indem er in die Satteltasche griff: "hier diese Moccasins. – Waren es S t i e f e l f ä h r t e n , die Du bei der Tat entdecktest?"
"A–hem," nickte der Indianer wieder, aber langsamer als vorher, und es war fast, als ob ein neuer Gedanke ihm plötzlich durch's Hirn zucke. – Er legte den Tomahawk vor sich auf die Erde nieder und schien mit der Länge am Stiel ein anderes Mass zu vergleichen, das er sich durch Ausspannen der Finger gemerkt, dann aber schaute er plötzlich mit einem so wilden und stieren blick zu dem jungen Amerikaner empor, dass dieser entsetzt einen Schritt zurücktrat und ihn fragte, was er habe – an was er denke.
"Nichts – nichts," lächelte Wilde geheimnisvoll, "kommt – wir müssen zurück – die Zeit vergeht. Sie halten Euch für schuldig; böse Menschen sprengen allerlei Gerüchte aus – und der kleine Mann ist krank geworden – er liegt allein; Alapaha hört die Predigt des blassen Mannes und wird erst am Abend zu ihm zurückkehren. Will mein Bruder ihnen nicht selber sagen, dass er schuldlos ist?"
"Aber wo geschah der Mord? wie erfuhr man das Entsetzliche?"
"Fort – fort; wir können gehen und reden – Assowaum muss an den Fourche la fave."
Mit schnellen Schritten eilte der Indianer jetzt den Weg, den er eben erst gekommen, zurück, und Brown musste das Pony fast stets in einem kurzen Trabe halten, um nur an seiner Seite zu bleiben. Dabei machte jener ihn mit allen den Vorgängen, bei denen er Zeuge gewesen war, bekannt und erfuhr nun auch seinerseits Alles, was Brown über das nächtliche Rendezvous der beiden Männer wusste. Der Indianer behauptete dabei, dass ihm heute Morgen ein Mann auf grossem, braunem Pferde begegnet sei. Er habe aber sein Gesicht nicht erkennen können, da er ganz in seine wollene Decke eingehüllt gewesen wäre und diese beim Anblick des Indianers eher noch fester um sich gezogen hätte.
"Vielleicht, dass dies Einer der Beiden war," fuhr Assowaum fort, indem er auf die Hufspuren hindeutete, die vor ihnen herliefen, "vielleicht nicht; aber hier ist die Spur, und wir können ihr folgen."
Davon wurden sie jedoch abgelenkt, denn als sie in das Fourche la fave-Tal kamen, war dies durch den Regen der vorigen Nacht und durch das Austreten einiger kleiner Gebirgsbäche so sumpfig geworden, dass der Indianer vorschlug, den nicht mehr weit entfernten Fluss in gerader Linie zu erreichen und den Weg in einem Canoe, das er bei einem dort wohnenden Farmer zu erhalten hoffte, fortzusetzen. Bei hohem wasser schoss der kleine Strom nämlich mit ungeheurer Schnelle dem Arkansas zu, und dehnte sich auch der Weg