denn er zog jetzt, ohne weiteren Zeitverlust, das treue Tier in die innere Umzäunung und zu dem kleinen Nebengebäude hin, das er vor allen Dingen untersuchte und als noch benutzbar fand. Zwar sah er sich genötigt, ein paar keineswegs leichte Balken aus dem Wege zu heben, um seinem Pony den Durchgang zu gestatten; dann aber hatte er auch die Genugtuung, das wackere Tier, das ihn heute schon eine lange, lange Strecke getragen, trocken und vor den kalten Nordwestwinden ziemlich geschützt zu wissen. Jetzt sehr zufrieden damit, die Platz erreicht zu haben, schob er einen in der Ecke lehnenden Trog herbei, holte den kleinen Sack, den er, an seinen Sattel geschnallt, mit sich führte, und schüttete dem freudig wiehernden Pony seine Mahlzeit geschälten Mais hinein.
Das zuerst besorgt, dachte er nun auch an sein eigenes Lager und trat in das Haus, um unter dem schützenden Dach desselben den matten Körper zu rasten und für neue Anstrengungen zu stärken. So wüst und unbewohnt die aber auch von aussen her erscheinen mochte, so fand der junge Jäger doch bald, dass es erst noch vor kurzer Zeit ebenfalls einem Wanderer Schutz und Obdach gewährt haben musste, denn in dem Kamin lag Asche und unter dieser glimmten sogar noch einige Kohlen. Angenehmeres hätte ihm nicht leicht begegnen können, und schnell trug er einen Arm voll abgebrochener Fenzstangen herbei, schnitzte mit seinem Jagdmesser dünne Späne und sah bald darauf zu seiner Genugtuung ein helles, erwärmendes Feuer emporlodern.
Sattel und Decken hatte er mit hereingebracht; die letzteren breitete er jetzt vor der freundlichen Glut aus, verzehrte als sehr frugales Abendmahl ein kleines Stück getrocknetes Hirschfleisch und warf sich dann auf das harte, doch ihm vollkommen genügende Lager nieder.
Bis jetzt hatten die Vorbereitungen zu seiner eigenen Bequemlichkeit, wie zu der seines Tieres, die geistigen Kräfte den jungen Mannes in Anspruch genommen. Er war beschäftigt gewesen und keine Zeit war ihm dabei geblieben, über sich oder seine Lage nachzudenken. Jetzt aber, vor dem knisternden Kohlen ausgestreckt, in dem engen, unstäten Lichtkreis des flackernden Feuers, öffnete sich sein Herz, und neben den wenigen seligen Minuten der letzten Vergangenheit schritt vor ihm sein Schicksal ernst und trübe in die dunkle Zukunft hinaus. Er sah sich im heissen Kampfe mit den mexikanischen Söldlingen, die Freiheit einer jungen Nation verteidigend; er sah sich unter dem Donner der Tod und Vernichtung herüberschleudernden Geschütze anstürmen gegen die feindlichen Batterien – er sah sich blutend im Todeskampf unter den Gefallenen, aber auf siegreich gewonnenem Schlachtfeld liegen, und ein fast triumphierendes Lächeln überflog seine bleichen Züge, während er krampfhaft die neben ihm ruhende Büchse erfasste und, mit stolzem, todesmutigem blick sich halb von seinem Lager erhebend, durch den eingestürzten Kamin hinausstarrte in die finstere, sternenlose Nacht. Da plötzlich drängte sich das Bild der Geliebten vor seine Seele, wie sie, einem schönen Opfer gleich, ihre Hand in die des ihr zugeteilten Gatten legte – er sah sie erblassen, sah, wie sie ängstlich nach Hilfe – nach i h m umherschaute – hörte ihren halbunterdrückten Schmerzensschrei, und – der stolze, kräftige Mann brach zusammen unter den auf ihn einstürmenden tödtlichen Gefühlen. Er barg das Antlitz in den Händen, warf sich auf das rauhe Lager zurück und weinte – weinte, als ob ihm das Herz brechen wollte.
Aber auch dieser wilde, tobende Schmerz gab endlich einer weichen, besänftigenden Wehmut Raum; die Hand auf das pochende Herz, die brennende Stirn gegen die rauhe Bärenfelldecke des Sattels, die ihm zum Kopfkissen diente, gedrückt, betete er – für das Glück der Geliebten, für die Ruhe der eigenen schwerbedrängten Brust, und mit dem Namen des teuren Mädchens auf den Lippen nahm ihn endlich der Schlummergott in die weichen arme und trug ihn hinüber an das Herz der so heiss Ersehnten.
Mitternacht musste vorüber sein, als er aus seinem süssen Traum erwachte und sich in der traurigen Wirklichkeit nicht mehr vor dem wärmenden Feuer, sondern vor dem offenen Kamin befand, durch den ihm der wilde Sturm den kalten, schneidenden Wind hereinjagte. Die Kohlen waren dabei gänzlich ausgebrannt – kein Funke mehr zu finden, und fröstelnd rückte er sein Lager zurück in die mehr gegen Sturm und Wetter geschützte hintere Ecke der Gebäudes, um hier die ersehnte Morgendämmerung zu erwarten.
Kaum war dies jedoch geschehen, als ihm vorkam, als ob er an der Aussenseite des Hauses Stimmen höre. Schnell rief ihm dies die Erzählung des Negers, die er fast schon vergessen, in's Gedächtniss zurück, und auf den rechten Ellbogen gestützt, fühlte er erst sorgfältig nach Büchse und Messer, ob ihm die treuen Waffen zur Seite lagen, und lauschte dann mit zrükkangehaltenem Atem und der gespanntesten Aufmerksamkeit dortin, von woher er zum ersten Mal die Töne vernommen zu haben glaubte. Aber nichts liess sich weiter hören, und schon wollte er, mit einem Lächeln über seine eigene Gespensterfurcht, zurück auf das Lager sinken, als er wieder, und zwar ganz in der Nähe, menschliche Laute unterschied. Fast in demselben Augenblick riss Jemand die Tür auf und betrat den engen Raum, während eine rauhe stimme ausrief:
"Verdammtes Nest! Ich glaubte schon, ich würde es in der dunklen Nacht nicht wiederfinden. – Ist das ein Wetter – gut für Geschäfte übrigens."
"Doch nicht nass genug," erwiderte ein Zweiter, "verwischt zwar ein bischen, aber nicht hinlänglich."
"Hol' mich der Böse, wenn's nicht für mich wenigstens