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übersehen, und lautlos schwammen die Männer in der hier ziemlich tiefen Strömung vorüber.

"Verdamm' die Pferde, wie sie schwanken," flüsterte Cotton nach einer Weile.

"Es ist Zeit, dass sie an's Land kommen," – erwiderte Rowson – "hier ist übrigens der Ort, wo ich landen musssohaltet Euch ein klein wenig näher heran, dass ich abspringen kannund nun macht Eure Sache klugsitzt fest jetzt!"

Mit diesen Worten schwang er sich aus dem schaukelnden Boot auf einen vorspringenden Stein, winkte noch einmal mit der Hand hinüber und verschwand im Dunkel.

Es gehörte aber ein so geübter Canoeführer als Cotton dazu, um das schwanke Fahrzeug bei dem Herausspringen eines Menschen vor dem Umschlagen zu bewahren. Doch war es für ihn mit nur geringen Schwierigkeiten verbunden; der Kahn schaukelte kaum einige Secunden und glitt dann, ohne einen Tropfen wasser eingenommen zu haben, weiter auf seiner Bahn.

Weston sprach keine Silbe mehr; seit dem letzten krampfhaften Schrei der Indianerin, der ihm noch in den Ohren tönte, hatte sich eine eigene, unbezwingbare Angst seiner bemächtigt. – Er fuhr bei dem geringsten Geräusch empor, und das Herz klopfte ihm in fieberhaften Schlägen.

Ohne weiter ein Wort mit einander zu wechseln, erreichten sie bald darauf die von Rowson bezeichnete Stelle, wo breite, glatte Felsplatten bis in die Hälfte des Flusses hineinliefen und sich bis oben hinauf zu dem mit dichtem, niederem Gebüsch bewachsenen Ufer erstreckten. Dort hielten sie und führten die schnaubenden und ungeduldig stampfenden Pferde auf das Trockene.

"Ja, trampelt nur," lachte Cotton – "es soll euch bald warm genug werden. Haltet sie einen Augenblick, Weston, ich muss das eine Canoe erst versenken, dass es Niemand findet und Verdacht schöpft; das andere mag schwimmen, das kennt Keiner, und wenn sie's kennen, werden sie glauben, es habe sich losgerissen."

Damit warf er schnell seine Kleider ab, um am Schwimmen nicht gehindert zu sein, füllte das Canoe mit Steinen, ruderte es an eine tiefere Stelle und liess es sinken.

"So," sagte er, als er bei Weston wieder an's Land sprang und seine Kleider überwarf – "sodas wird so bald Niemand zu sehen bekommen, wenigstens nicht früh genug, uns Schaden zufügen zu können. – Jetzt aber fort, mir brennt der Boden hier unter den Füssen."

"Und kennt Ihr den Weg auch genau?" fragte Weston besorgt – "Nachts gehört ein tüchtiger Waldmann dazu, eine genaue Richtung im wald beibehalten zu können."

"Seid unbesorgt," rief Cotton, "wir müssen uns überdies etwas auf dem Bergrücken halten, denn da ist das wenigste Gestrüpp und ein Wegverfehlen auch nicht mehr möglich. Wenn wir überhaupt nur erst aus dem Schilfdickicht heraus sind, und das ist hier kaum fünfhundert Schritt breit, dann hat's keine Not mehr. Also frisch in den Sattel, Westonaproposwas habt Ihr denn für Sättel mit von zu haus gebracht?"

"Für Euch einen alten spanischen, für mich gar keinenich nehme das Büffelfell hier. Wie weit ist's denn?"

"Nun, Gott sei Dank," lachte Cotton – "morgen oder übermorgen kommen wir nicht hin; doch was tut's. Wer solche Geschäfte übernimmt, darf nicht so besonders auf Bequemlichkeit sehen. Rowson's Plan ist übrigens capital, und ich denke, wir werden den Mississippisumpf wohl ungestört erreichen. Soll mich nur wurdern, ob sie Johnson nichts am Zeuge flikken."

"Wenn ich nur wüsste, ob Rowson der Indianerin kein Leid zugefügt hat!" sagte Weston seufzend.

"Oh, die Pest auf Eure Indianerin, was kümmert uns d i e ! Höll' und Teufel, da fängt's wieder an zu regnen. Doch halt, ich will nicht fluchen, das ist gut genug und kann uns nur lieb sein, Johnson besonders, denn dem können sie nachher nicht nachsuchen, von woher er mit den Pferden gekommen ist. Aber jetzt forthier hindurch, Weston; das ist die Mündung eines der kleinen Bäche, und wenigstens schilffrei."

Weston hatte indessen das erwähnte Fell auf dem rücken eines der Pferde befestigt, schwang sich hinauf und folgte, zwei andere führend, dem gefährten, der unter der Zeit schon das Dickicht betreten hatte und im Dunkel verschwunden war. Wenige Augenblicke noch konnten man das Brechen und Krachen des trockenen und verdorrten Rohre hören, als sich die Pferde zwischen diesen hindurchdrängten, dann verhallte auch dies; und Totenstille ruhte auf der Wildniss, und die Dunkelheit der Nacht barg Sünde und Verbrechen.

Der Leser muss aber jetzt noch einmal mit mir zu der Furt zurückkehren, an der wir uns beim Anfang des vorigen Capitels befanden.

Gar nicht so sehr lange waren hier die vier Verbündeten unter dem dunklen Schatten der Bäume verschwunden, als die Strasse entlang, mit Kienfackeln in den Händen, die Reiter vom Springriver mit den in Pettyville hinzugekommenen Farmern heransprengten.

"Hier sind sie hinunter," rief Husfield jetzt, sich im Steigbügel niederbeugend und die Kienspäne so nahe wie möglich an die Erde haltend – "das sind meine Pferdeverdammt will ich sein, wenn die Unverschämteit nicht in's Grenzenlose geht; galoppieren mitten auf der breiten Countystrasse durch's Land, als ob sie auf ihren eigenen Kleppern ritten. Aber wartet