1846_Gerstcker_144_67.txt

und will an's UferPest, da drüben hat's schon den Huf in den Schlamm gedrücktseht Euch vor, Westonwir wissen nicht, w e r uns auf den Fährten sitzen wird."

Der Teufel mag sie alle in Ordnung halten, rief Weston ärgerlich – "warum bleibt Rowson so langedie Tiere werden ungeduldig, und mir sterben die hände schon ab vom langen Halten."

"Dort ist die Stelle, wo er zu uns stossen wollte," sagte Cotton – "seht Ihr dort, wo die Wurzel im wasser liegtgerade vor Euchich habe hier oft in der Gegend gejagt und kenne den Bogen, den der Fluss macht, gut genug."

"Da steht auch Jemand neben der Wurzel!" flüsterte Weston leise. In dem Augenblicke tönte der Ruf des Whip-poor-will von der Stelle her, und gleich darauf sprang Rowson, denn er war es, von dem Steine, auf dem er stand, in das hier nur wenige Zoll tiefe wasser und watete an die Boote heran, da die darin Sitzenden nicht anhalten konnten, ihn aufzunehmen.

"Hier sind Provisionen," sagte er mit heiserer stimme, indem er einen Arm voll auf Stäbe gereihte Stücke Hirschfleisch in das Boot warf – "delikates Wildpret."

"Wo ist die Indianerin?" fragte Weston, dem finstern Mann ängstlich in's Auge sehend.

"Sicher!" antwortete dieser lakonisch und wandte sich ab vor dem forschenden Blicke des Fragenden.

"Sicher? Ihr habt ihr doch kein Leid angetan?"

"Unsinnbekümmert Euch um Eure eigenen Geschäftewas geht Euch m e i n Handeln an? – So, gebt mir die Pferde und nehmt Ihr das Ruder ein wenigdas wasser wird hier tief und wir kommen etwas schneller vom Fleck."

"Wie weit ist's noch zu dem platz, wo wir landen?" fragte Cotton.

"drei Meileneher etwas mehr als weniger."

"Und wie weit geht Ihr mit?"

"Noch zwei etwawir werden die Hügelreihen bald erreichen, an deren Fuss ich aussteigeaberWestonkommt doch noch einmal her und nehmt die ZügelCottonhabt Ihr nicht ein altes Tuch oder so etwas bei Euch?"

"Was wollt Ihr damit? – mein Halstuch!"

"Gebt es heroderbindet es mir hier um den

Armdada gerade an der Schulter."

"Ja, dann müsst Ihr aber den Rock ausziehenich

kann auch nicht gut dazudas verwünschte Boot schwankt so, und ich fürchte, es schlägt um."

"Gutdann warte ich noch eine Viertelstunde, bis

wir wieder an eine seichte Stelle kommen, und gehe nebenher im wassernachher macht sich's besser."

"Was habt Ihr denn an der Schulter?" fragte Cotton,

als Jener den Rock auszog und den Aermel auffstreifte.

"Ihdie kleine Hexe erwischte einmal, ich weiss

selbst nicht wie, den Tomahawk, den ich ihr schon weggenommen, unddoch es hat weiter nichts zu sagen. – Dort unten, wo es so hell schimmert, hört das tiefe wasser auf, und dann können wir etwas darum binden."

Schweigend verfolgten die Männer jetzt wieder bis

zu der bezeichneten Stelle ihre Bahn, dann aber stieg Rowson, erst vorsichtig mit dem kurzen Ruder nach Grund fühlend, über Bord, und während er neben dem langsam dahingleitenden Kahn herging und sich mit der rechten Hand dabei am rand desselben festielt, verband ihm Cotton die keineswegs unbedeutende Wunde.

"Wenn nur der Mond ein wenig schiene," rief Weston nach einer Weile, "dass wir doch wenigstens den Punkt erkennen könnten, an dem wir landen müssen!"

"Sehnt Euch auch noch nach dem Mond," brummte Cotton, "weiter fehlte gar nichts. – Ich wünschte, es regnete, was vom Himmel herunter wollte."

Die Boote glitten jetzt an einer steilen Hügelreihe vorbei, deren schroffe Felskanten bis hinein in den Strom reichten, während einzelne dunkle Cedernbüsche aus der senkrechten Wand emporwuchsen und lange, unheimliche Felsspalten sich bis zu dem Gipfel der Berge hinaufdehnten. Die Kuppe krönten hohe, schwankende Fichten und Kiefern, und Cedern und Hickories bildeten das dichte, feste und beinahe undurchdringliche Unterholz.

"Wir sind nicht mehr weit vom Ziel!" sagte Rowson, "gleich dort unten ist die Stelle, an der ich Euch verlasse, und, CottonIhr kennt ja den Platz, wo Ihr aussteigt!"

"Hat keine Notden verfehl' ich nicht. – Doch wenn auchetwa eine Viertelmeile weiter unterhalb ist eben wieder eine solche Stelle. Aber halt! – was ist das? ein Feuer am Ufer? Dort lagert Jemand."

"Nur ruhig," flüsterte Rowson – "wer es auch sei, das Rohr lässt ihn hier nicht dicht an's Ufer, und der Schatten der Bäume wird uns wohl jedem neugierigen Blicke verbergen."

Am Ufer schlug jetzt kläffend ein Hund an, und sie konnten sogar eine stimme hören, die ihn beruhigte. Das Rohrdickicht war aber, wie Rowson ganz richtig bemerkt hatte, so dick und verworren, dass es unmöglich gewesen wäre, gerade an dieser Stelle den Fluss zu erreichen, oder ihn von dem Orte aus, wo das Feuer flammte, zu