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gesehen rot vom Blut der Erschlagenen und mit den Skalpen der Besiegten am Gürtel. – Aber er wird kommen, er wird zurückkehren!"

"WannWeib, wann?" fragte der Priester schnell, indemseine Hand ängstlich zuckend nach der Seite fuhr.

"Wann?" lachte die Indianerin triumphierend – "wann? zu schnell noch für Dichehe die Sonne zweimal im Osten wieder emporsteigt, ist er da, und wehe Dir, wenn sein Pfad den Deinen kreuzt!"

"Aber wo ist er jetzt?"

"Hawie Du zitterst, elender Feigling, schon bei dem Gedanken an seinen Arm, an die Schärfe seiner Waffeha, wie Du bebst und ängstlich umherblickst, aus Furcht, er könnte jetzt aus den büsche treten. – Ich bin nur ein Weib, aber ich werde stolz, wenn ich auf Dich herniedersehe."

"Wo ist er jetzt?" fragte zähneknirschend, aber immer noch nicht frei von Furcht, der Weisse, denn er konnte sich nicht denken, dass die Indianerin ihren Wigwam allein verlassen habe und hier im wald ohne den Schutz ihres Mannes gelagert sei.

"Wo er jetzt ist?" fuhr Alapaha höhnisch lächelnd fort – "nicht allein wird er zurückkehrendie starke Hand ist bei ihm, die den erschlug, der sie beleidigtezittere, denn D e i n Gott wird Dich nicht schützen!"

"Ha!" fuhr Rowson auf, indem eine teuflische Freude seine Züge durchzuckte – "so ist er hinüber, den Genossen zu holen; – dachte' ich's doch. – Gut! dann bist Du m e i n , und weder Gott noch Teufel soll Dich mir entreissen."

"Zurück!" schrie die Indianerin, erschreckt auffahrend, als sie Rowson umschlingen wollte, und flüchtete nach der Hütte zu – "zurück, Teufel! – Deine Augen glühenzurück!"

"Du bist m e i n !" lachte Rowson wild auf – "Du bist mein, und ich trotze dem rotäutigen Schuft, er mag kommenaber Dich soll mir nichts entreissenund dass D e i n Mund uns nicht verrät, dafür lass' mich sorgen."

"So möge denn der Manitu unseres Volkes, dem ich von diesem Augenblick an wieder gehöre, mir Kraft geben!" rief Alapaha, sich noch einmal dem arme des Wütenden entreissend und ihren Tomahawk, den sie an der Seite trug, ergreifend. – "Stirb, Verruchter, von der Hand eines Weibes, und mag Aasgeier und Wolf Deine Gebeine umherzerrenstirb!"

Bei den letzten Worten sprang sie mit wildem Satz auf den erschreckt Zurücktaumelnden zu, und der nächste Augenblick hätte sein Schicksal besiegelt, aber die aus den Haspen gestürzte Tür hielt ihren Fuss, sie wankte, stürzte und sah sich im nächsten Augenblick in der Gewalt ihres Feindes. – "Wenn Rowson dem Geschrei nicht bald ein Ende macht," brummte Cotton unwillig vor sich hin, "so wird er sich oder uns Jemanden auf den Hals lokken. – Ich habe sicher den Nachmittag hier irgendwo schiessen hören, und es wäre gar kein unmöglicher Fall, dass die Rotaut noch irgendwo im wald läge."

"Ich wollte, er käme," sagte Weston, ebenfalls ärgerlich – "das bloss mit dem Strom Treiben geht zu langsam, und man kann doch wahrhaftig nicht drei Pferde halten und auch noch rudern. Die Tiere werden überdies unruhig; das wasser ist kalt und das Ganze mag ihnen wohl ungewohnt und sonderbar genug vorkommen."

Die Männer lauschten einen Augenblick, und wieder drang der schrille Hülferuf der Indianerin durch die stille Nacht daher, dass die Eule in den dunklen Fichten am Flussufer höhnend darauf antwortete und neugierig dem Orte zuflog, von dem solch' unheimliche Laute herübertönten.

"Die Pest über den Narren!" rief Cotton noch einmal ärgerlich – "ich wollte bei Gott, sie entwischte ihm, undwenn wir nur selbst erst einige fünfzig Meilen weiter fort wären. Entkäme die Rotaut aber jetzt und gäbe Alarm, Höll' und Teufel! ich glaube, wir hätten morgen eine Armee hinter uns her."

"Er wird sie doch nicht umbringen?" sagte Weston schaudernd, als er atemlos nach der Richtung hinüberlauchte. – "Es ist jetzt auf einmal Alles so todtenstillmir graust's, Cottoner wird doch kein Blut vergiessen?"

"Narr!" brummte Cotton – "wollt Ihr Euren eigenen Hals in die Schlinge legen, heh? gelüstet's Euch, von den Regulatoren an irgend einem bequem gewachsenen Eichenast in die Höhe gezogen zu werden? Rowson wird tun, was nötig ist. Kann's ohne Blutvergiessen abgemacht werden, desto besser, ich bin selbst kein Freund davon. Geht das aber nicht –"

"Oh kein Blutkein Blut –" rief Weston ängstlich. "Ich habe mich mit Euch verbunden, die Pferde zu stehlendas ist kein Verbrechenaber Blutmich überläuft's, wenn ich daran denkeBlut mag ich nicht auf dem Gewissen haben; – und das war ja auch nur ein Weib."

"Desto gefährlicher," lachte Cotton, "wenigstens da, wo es gilt, etwas zu verschweigen. Doch seid kein NarrRowson wird's schon machener tut gewiss nichts, als was erhabt auf das Pferd da Acht, es fühlt Grund