?" fuhr Rowson wild auf.
"Da oben – das muss in dar Hütte sein."
"Dort in dem Busch kauert etwas Helles!" rief Weston jetzt, dessen scharfes Auge die Umrisse einer Gestalt bemerkte, die in die dunklen Sträucher, welche das Flussufer begrenzten, hineingeschmiegt stand.
"Tod und Teufel," schrie Cotton – "das ist Verrat!" und wie ein Pfeil vom Bogen flog er, von Rowson gefolgt, mit wenigen Sätzen die Uferbank hinauf und stand im nächsten Augenblick dem einsamen Wesen, das von dort oben aus das ganze Treiben der Männer beobachtet – jedes einzelne Wort gehört hatte, gegenüber.
"Alapaha!" rief Rowson entsetzt.
"Das rotäutige Weib!" knirschte Cotton, fast eben so erstaunt als erschreckt.
"Du bist allein?" fragte Rowson jetzt schnell die Indianerin. – "Du bist allein? wo ist Assowaum?"
Das arme Weib vermochte aber nicht zu antworten, eine Weile stand sie starr und aufrecht, und blickte mit einem so geisterhaft ernsten, ja fürchterlichen Ausdruck in den kalten Zügen den entlarvten Prediger an, dass dieser die Augen scheu niederschlug – er konnte den blick nicht ertragen. Es war aber nur ein Moment, in dem dir stolze Tochter der Wälder vernichtend vor dem Mann stand, der ihr ihren Glauben an ihren Gott, ihre Liebe für ihren Gatten entwendet hatte. Dann kam der Gedanke an ihr grenzenloses, entsetzliches Elend über sie – wie sie dem grossen Geist entsagt, den ihres Väter schon im Rauschen der mächtigen Wälder, im Rieseln des stillen Baches verehrten, wie sie den Worten eines Mannes gelauscht hatte, den sie für einen Heiligen gehalten, und der jetzt – das Herz schauderte ihr, als sie ihn vor sich erblickte – ein Dieb und Räuber war.
Sie barg das Gesicht in ihren Händen, und grosse helle Tränen rieselten zwischen den zusammengepressten Fingern hindurch.
"Die Pferde werden unruhig!" rief Cotton ärgerlich – "was fangen wir mit d e r hier an?"
"Geht – überlasst sie mir," flüsterte ihm Rowson zu und richtete sich mit teuflich wildem blick empor.
"Sie Dir überlassen? das glaube' ich!" lachte der Jäger höhnisch – "bist nicht so dumm – ist's jetzt Zeit zu solchen Possen?"
"Fort mit den Pferden," rief Rowson mit unterdrückter stimme – "der Fluss macht hier den Bogen, wohl drei Meilen im Umkreise – es ist aber keine hundert Schritt gerade hinüber zu Land, man kann auf die Art die ganze Biegung abschneiden. – Fort also – Weston vermag nicht die Tiere allein zu halten."
"Und was soll mit dem weib geschehen?"
"Habt keine Angst," flüsterte ihm Rowson zu – "ist Einer durch ihre Aussagen gefährdet, so bin ich es –"
"So geht denn zum Teufel und – kommt bald nach," fluchte Cotton – "die Folgen über Euch, wenn Ihr uns warten lasst." Er sprang die Uferbank wieder hinunter, über die lockeren Kiesel hinweg, und wenige Secunden darauf glitten die Boote mit den schnaubenden und keuchenden Pferden hinein in die auf dem wasser lagernde Dunkelheit.
Fussnoten
1 Unter "Nation" werden in Arkansas fast stets die Cherokesen verstanden.
13.
Der Prediger von der Indianerin entlarvt. – Die
gelungene Flucht.
"Wo ist Assowaum?" fragte mit leiser, aber fester stimme der Prediger, als er sich mit der jungen Indianerin allein sah. Diese jedoch schien seine Frage zu überhören oder wollte ihr nicht lauschen. – Nichts unterbrach die stille Nacht, als das Schluchzen des armen Weibes und das schwere Atmen des Priesters.
"Wo ist Assowaum?" fragte dieser endlich nach einer für ihn peinlichen Pause zum zweiten Mal und erfasste zu gleicher Zeit mit seiner Rechten den Arm der Weinenden. Wie von einer Schlange berührt, fuhr aber die Unglückliche empor, machte sich los von dem Griffe des finstern Mannes und rief, vor ihm zurückschaudernd:
"Fort – fort – Dein Atem ist Gift – Deine Berührung Tod – Deine Zunge ist doppelt, und Deine Augen lügen Gott, während Deine Brust den Teufel birgt. Fort – Gras und Blume muss welken, wohin Du Deinen Fuss setzest; die Vögel müssen schweigen, wenn Du in ihre Nähe trittst. – Der Rauch der heiligen Pfeife muss vor Dir zurückfliehen und darf Dich nicht umgeben. Dein Gott ist ein Lügengott, denn sonst hätte er lange seinen Blitz gesandt, Dich Verfluchten zu zerschmettern – fort!"
"Wo ist Assowaum?" fragte der Prediger mit heiserer stimme, ohne die Bannworte der Indianerin zu beachten.
"Oh dass er hier wäre, Dich zu züchtigen!" sagte diese leidenschaftlich, sich zu ihrer ganzen Höhe emporrichtend – "dass er hier wäre, die Schmach zu tilgen, die Du auf den Scheitel seines armen Weibes gehäuft. – Aber wehe Dir – er soll Dich finden – er soll Dich treffen; sein Kriegsruf soll in Deine Ohren tönen; – oh – Du hast ihn noch nicht gesehen in seiner kriegerischen Herrlichkeit," fuhr sie stolz fort, als sie das höhnische Lächeln der Amerikaners bemerkte – "Du hast ihn noch nicht gesehen mit geschwungenem, blitzendem Tomahawk, mit dem Schlachtschrei auf den Lippen und dem Tod der Feinde im Auge, mit wehender Scalplocke und blitzender Speerspitze. Du hast ihn noch nicht gesehen beim Kriegstanze mit den Tod kündenden Streifen im Antlitz; hast ihn noch nicht