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Cotton, der emsig beschäftigt war, den einen zerrissenen Halfter wiederherzustellen, "erzählt's uns jetzt, denn unterwegs werden wir nicht viel Zeit zum Schwatzen haben und erfahren es nachher gar nicht."

"Mit wenigen Worten kann das geschehen," erwiderte Rowson schmunzelnd, indem er sich in aller Bequemlichkeit ein grosses Stück Kautabak abschnitt und in den Mund schob. "Glücklicher Weise begegneten wir unterwegs keinem Bekannten und erreichten die Stelle an der Fenzecke, wo der Springcreek dicht vorbeifliesst, gerade mit Dunkelwerdenso etwa um diese Zeit. Die Mühle hatten wir geschickt umgangen, und als die erste Eule laut wurde, standen wir an der Umzäunung, in der sich die Stuten befanden. Mir wurde nicht wohl bei der Sache, denn meiner Berechnung nach hätten die wild umherlaufenden Pferde schon da sein müssen; das liess sich aber nicht ändern, und Johnson und ich kletterten auf ein paar Bäume, um erstens vor Ueberraschung sicher zu sein und dann auch alles Herankommende eher bemerken zu können. Ein Glück war's, dass wir's taten, denn kaum sassen wir oben, als, straf' mich Gott, – Husfield selbersagtet Ihr 'was, Cotton?"

"Neinwarum?"

"Mir war's, als hört' ich einen laut, – Husfield selber mit einer ganzen Koppel Hunde von der Jagd heimkehrte und dort vorbeikam. Wären wir unten auf der Erde gewesen, so hätten uns die Bestien so gewiss wie was aufgestöbert, und dann gute Nacht, Johnson, denn auf den hat es Husfield besonders gemünzt; die Zügel, die wir bei uns trugen, würden uns auch auf jeden Fall verraten haben. So schnüffelten die verdammten Hunde nur unter den Bäumen herum, hoben die Nasen in die Höhe und windeten eine Weile, dass uns angst und bange wurde, folgten dann aber kläffend ihrem Herrn, der indessen schon eine Strecke Weges vorausgeritten war.

Wir Beide hatten Todesschweiss geschwitzt, unsere Not endete übrigens hiermit, denn gleich darauf kamen die Pferde. Wir suchten uns, so lange es noch nicht ganz dunkel war, die, die uns am besten gefielen, darunten aus, zäumten sie auf, schwangen uns drauf, und fort ging's wie ein Sturmwind durch den Wald, dass ich ein paar Mal glaubte, wir müssten Hals und Beine brechen. Um sie irre zu führen, zickzackten wir auch eine Weile auf steinigem Boden umher, schlugen verschiedene Richtungen ein und setzten erst dann, als wir uns sicher galubten, unsern Ritt mit weniger Vorsicht, aber dafür auch um so viel rascher fort."

"Wurden denn die anderen Pferde nicht scheu, als Ihr Euch einen teil von ihnen herausfischtet?"

"Jasie schnoben gewaltig, und gerade wie wir die letzten bei der Mähne erwischt hatten, brachen die übrigen schnaubend und wiehernd davon und galoppierten um die Fenz, wahrscheinlich wieder in den Wald hinein. – Der Fuchs hier hat mich wohl sechsmal im Kreise herumgerissen, ehe ich ihn zum Stehen bringen konnte."

"Na, Husfield wird schön wüten," lachte Cotton – "s e c h s Pferde auf einmal sind seit Menschengedenken keinem Farmer gestohlen worden –"

"Und der fromme Rowson an der Spitze!" jubelte Weston.

"Hört einmal, Rowson," sagte Cotton jetzt, indem er über den Zügel zu dem schmunzelnd Dastehenden hinüberblinzelte, "über welches Tema werdet Ihr denn morgen predigen? Jammerschade ist's, dass ich das nicht mit anhören kann; so etwas müsste der Mühe wert sein."

"Verdammt!" rief Rowson ärgerlich – "morgen schenkt' ich ihnen den Unsinn gern, ich werde zu unaufmerksam sein; zu viel Angst haben, was aus Euch geworden ist."

"Aus den Pferden, meint Ihr?"

"Nun ja, auch aus den Pferden, und da muss ich denn stehen und Gebete plappern und langweilige, alberne Lieder herplärren."

"Und das 'Glory' rufen nachher und das Ohnmächtigwerden von der dicken Witwe!" lachte Weston.

"Und die frommen gespräche mit der schönen Indianerin," fiel Cotton ein – "hört, Rowson, Ihr habt gar keinen so schlechten Geschmack –"

"Verdamm' es!" rief Rowson, "macht fort, dass wir vom platz kommen, mir wird nachgerade kalt, und die Pferde frieren ebenfalls. – Führt Niemand einen Tropfen Whisky? – Johnson, der Halunke, hat meine Flasche in der tasche und sagt kein Wort. – Oh zum Teufel, lasst noch einen Tropfen drin, Ihr saugt ja, als ob Ihr sie luftleer pumpen wolltet!"

Cotton reichte ihm die Flasche hinüber, und Rowson tat einen langen Zug; dann korkte er sie wieder zu und gab sie zurück.

"Nicht wahr, der labt?" fragte Cotton schmunzelnd – "ja, und hitzt dazu; – ich habe eine ganze Hand voll spanischen Pfeffer hineingetandas gibt Wärme."

"Es tut Einem auch gut heute Abend," sagte Rowson, sich schüttelnd – "der dürre Regen kältet merkwürdig."

"Sojetzt kann's weiter gehen!" rief Cotton – "nun schnell, dass wir von hier fortkommen; es wird immer dunkler, und dort drodrobenPest und Gift!" fuhr er schnell flüsternd fort – "was ist das? da schimmert ein Licht durch die Büsche!"

"Wo