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sie natürlich die Hufspuren, die hier an der Furt auf der einen Seite in den Fluss, auf der andern wieder aus demselben führen, für ein und dieselben halten und ohne Bedenken, was aber die Hauptsache ist, ohne abzusteigen und die Sache näher zu untersuchen, ihnen folgen. Holen sie dann Johnson ein, so hat er ganz natürlich nicht i h r e Pferde, weiss auch von denen gar nichts, und sie sehen zu spät ein, dass sie den falschen Tieren nachgerannt sind."

"Holen sie ihn aber nicht ein?" fragte Cotton.

"Desto besserdann nimmt er die Pferde auf einem Umwege zur Insel, meldet die bald nachfolgende Sendung und verkauft die unsrigen."

"Wasmein Pferd?"

"Seid doch kein Narr, Cotton," lachte Weston – "erstlich bekommt Ihr das Geld dafür –"

"Ja, aber wie viel? nicht den halben Preis!"

"Und dann," fuhr Weston fort, ohne sich unterbrechen zu lassen, "dürft Ihr Euch überhaupt vor keinem Menschen mehr hier blicken lassen und müsst die Gegend in s e h r kurzer Zeit verlassen."

"Was hat das aber Alles mit m e i n e m Pferde zu tun?"

"Dass ich Euch schlecht kennen müsste, wenn ich glauben wollte, Ihr würdet auf Eurem e i g e n e n Pferd Abschied vom Fourche la fave nehmen –" lachte Weston.

"Da habt Ihr Recht, Westondas war ein gescheidtes Wort," lachte Cotton – "und wisst Ihr wohl –"

"Schreit nicht so, weiss der Henker, ob hier nicht irgendwo Jemand herumschleicht. Ich habe überdies heute Nachmittag in der Gegend schiessen hören."

"Wisst Ihr wohl, dass ich mir schon ein Pferd ausgesucht habe, das mir ganz mordsmässig gefällt?"

"Und das wäre?"

"Roberts' Hengstein prächtiges Tier."

"Hört, Cotton, Ihr seid gar nicht dumm. Auf dem könnt Ihr auch jeder Verfolgung lachen. – Huda wird's wieder einen Spektakel geben!"

"Der Plan ist übrigens gut," sagte Cotton nachdenkend – "ja, jawas Geschäfte anbetrifft, da ist Rowson vortrefflichund wie herrlich führt er das Weiberzeug in der Ansiedelung an der Nase herum. – Die würden Augen machen, wenn sie ihn heute Abend mit zwei Pferden an der Leine durch den Wald galoppiren sähen."

"Mrs. Roberts hält ihn für einen wahren Heiligennun meinetwegen. Schade ist's nur um das hübsche junge Mädchen, das ihn die heiraten muss; den möchte' ich auch zum Mann haben! Aber hört einmal, Cotton, ich muss eine Frage an Euch tunich höre jetzt von weiter nichts mehr sprechen, als immer nur von der I n s e l , bin sogar selbst auf dem Sprunge, sie kennen zu lernen, so sagt mir doch zum Teufel, was hat das mit der 'I n s e l ' für eine Bewandtnisswas für eine Insel ist es und wo liegt sie?"

"Ich darf nicht plaudern," erwiderte Cotton geheimnisvoll. "Das ist eine geschichte, in die zu Viele verwickelt sind, und ich möchte die Zunge nicht im mund tragen, die sich daran verbrennte. – So viel nur kann ich Euch vertrauen, dass sie im Mississippi liegt, und dass die Leute darauf uns freundlich gesinnt sind. – Betreten habe ich sie selber noch nicht."

"Im Mississippi, bah, da liegen viele Inselnund freundlich gesinntfreundlich gesinnt ist halb Arkansas gegen uns und fünf Sechstel von Texas; nein, sagt mir etwas Nähereswelche Nummer ist's im Mississippi? Ihr wisst doch, dass die Inseln in dem Strom alle von oben herab unter bestimmten Nummern bekannt sind?"

"Ob ich das weiss!" lachte höhnisch der ältere Gefährte – "dochweiter darf ich Euch nichts verratenIhr werdet übrigens die ganze geschichte jetzt bald genug erfahren, in wenigen Tagen sind wir dort. Bis dahin also geduldet Euch in Eurer Neugierde. Doch halt! – Haubt Achtwas war das?"

"Still!" rief Weston – "das war ein Whip-poorwillRowson wollte das Zeichen auf diese Art gebensollten sie es sein? – Ich will auf jeden Fall antworten, denn sicher ist ja doch Alles hier."

Er hielt die Finger an den Mund und ahmte eben so täuschend den scharftönenden laut des kleinen Vogels nach.

"Huhpih!" schrie Johnson's stimme, als jetzt auf einmal ein rasches Pferdegetrappel hörbar wurde; gleich darauf hielten die sehnlich Erwarteten am Ufer und schwenkten die Hüte zum Zeichen des glücklichen Gelingens hinüber nach den Kameraden.

12.

List der Pferdediebe. – Die Ueberraschung. –

Alapaha und Rowson.

"Hurra!" rief Weston, alle frühere Vorsicht vergessend, beim Anblick der herrlichen Pferde, die in diesem Augenblick das jenseitige Ufer herunterkamen und am Wasserrande hielten. – "Hurrahdas nenn' ich Pferde!"

"Seid Ihr Beide wahnsinnig?" rief Rowson ärgerlich hinüber – "wollt Ihr mit Gewalt irgend einen hier zufällig Umherstreifenden herbeiziehen? Haltet die Mäuler und spart Eure Ausbrüche der Freude für die Zeit auf, wo Ihr selbst das, was Euch obliegt, gut und glücklich ausgeführt habt. Wo sind Eure Pferde?