getan!"
"Mr. Rowson sagt, dass der Sohn des kleinen Mannes einen Bruder erschlagen und ihn dann beraubt habe."
"Der blasse Mann lügt!" rief der Indianer, sich hoch aufrichtend, während das Blut in seine Schläfe trat und seine Augen glühten – "der blasse Mann lügt!" wiederholte er – "und – er weiss es!"
"Assowaum zürnt dem Christen, weil er Alapaha dem Glauben der Ihrigen abwendig machte. Assowaum ist brav und edel, er wird keinen Menschen schmähen, weil er anders denkt als er."
"Wir wollen das Fleisch in die Hütte tragen," brach der Indianer das Gespräch ab – "es wird spät. Assowaum muss noch Meilen weit wandern, ehe es dunkelt."
Mit geübter Hand brach er jetzt das erlegte wild auf, löste Schulterblätter, Hals und Kopf aus der Haut, was er den Wölfen oder Aasgeiern überliess, und hing dann das Uebrige an eine schnell abgehauene Stange, deren eines Ende er erfasste, während Alapaha das andere auf ihre Schulter legte, und so schritten sie schweigend weiter und erreichten nach nicht langer Wanderung den ersterwähnten Ort.
Es war eine roh aufgerichtete Blockhütte, von einem früheren Ansiedler erbaut und nach kurzer Benutzung wieder verlassen, da das Land ringsum zu niedrig und also den Ueberschwemmungen des Flusses zu sehr ausgesetzt lag. Das Dach und die Wände befanden sich in noch ziemlich gutem Zustande, sonst bot es aber auch nicht die geringsten Bequemlichkeiten, denn selbst der Kamin war eingestürzt und eine Diele nie gewesen. Der fehlende Kamin war aber keineswegs ein Hinderniss, ein Feuer im inneren anzuzünden, denn die überall offenen Spalten der Wände öffneten dem Rauch überall einen Durchzug, und gar sonderbar rauschte und brauste der Wind durch die breiten Ritzen der Stämme, klapperte mit den lose daran herumhängenden Stücken Rinde und pfiff über das moosige Dach zum Fluss hinunter, der sich dicht neben der unfreundlichen Stelle dahinschlängelte, von dieser aber noch durch wild aufwucherndes Buschwerk getrennt wurde.
Diesen Platz erreichte jetzt Assowaum mit seinem Weib und trug das Fleisch in das Innere der wohnung. Die Tür war aus den hölzernen Angeln gebrochen und lag umgeworfen vor dem Eingange, hinderte also keineswegs den Eintritt. Assowaum sah sich einen Augenblick in dem leeren Gebäude um und sprach dann:
"Das Haus ist gut und wird Alapaha Schutz gewähren. Wenn sie von ihrem frommen Wege zurückkommt, trägt sie das Fleisch in die Hütte des kleinen Mannes. – Assowaum wird bei ihr sein, ehe der Whip-poor-will zum dritten Mal gesungen hat." – Damit wandte er sich und schritt schweigend mit niedergesenktem Haupt in den Wald.
Alapaha tat indessen, wie ihr Gatte befohlen, hieb mit dem kleinen zierlichen Tomahawk, der an ihrer Seite hing, dünne Stäbe ab, und ein Gestell davon zum Trocknen des Fleisches zu errichten, trug Holz herbei, um die leichte Glut zum Dörren des Wildbrets und zu gleicher Ueit für die Nacht ein erwärmende Feuer zu unterhalten, schnitt dann das Fleisch in Streifen, steckte es an zu diesem Zweck abgeschnittene Rohrstäbe und hing es über die durch hülfe trokkenen Laubes entzündete Glut.
Der Himmel hatte sich indessen immer mehr und mehr bezogen, ein feuchter Staubregen fiel, und der Wind rauschte wild und unheimlich durch die über das Dach der Hütte hängenden Baumwipfel. Alapaha kauerte sich neben der knisternden Flamme nieder, summte leise eine Hymne, die sie von den Weissen gelernt hatte, und erwartete die einbrechende Dunkelheit, sich ihr Lager zu bereiten. Aufmerksam behielt sie aber dabei das dörrende Wildpret im Auge, dass es bis zum nächsten Morgen trocken genug sei, um zusammengebunden und aufbewahrt zu werden.
Aber nicht so ganz einsam und von Menschen verlassen war die Gegend, wie Alapaha im Anfang geglaubt haben mochte. Zu derselben Zeit, in der sie so eifrig mit ihrer Arbeit beschäftigt war, trat auf dem Wege, der eine kleine halbe Meile den Fluss weiter hinauf lag, ein junger Mann am jenseitigen Ufer aus dem Dickicht und schaute ungeduldig nach dem andern Ufer hinüber, als ob er Jemanden von da erwarte. Die Luft war keineswegs warm, und er rieb sich bald die hände, bald schob er sie unter die arme, bald lehnte er sich an eine überhängende Platane und machte mehrmals Miene, auf dem mit Laub bedeckten Boden ungeduldig auf- und abzugehen, hielt aber jedesmal gleich wieder inne und betrachtete misstrauisch den betretenen Platz, ob seine hinterlassenen Spuren wohl auffallend und leicht zu erkennen wären.
Ihm schloss sich bald ein Zweiter an, der, in eine wollene Decke eingehüllt, den alten, arg mitgenommenen Filz tief in die Stirn gedrückt, die Büchse unter dem Arm, um das Schloss soviel als möglich vor der niedertauenden Nässe zu bewahren, leise an ihn heranschritt und lachend fragte:
"Nun, Weston, Euch wird die Zeit hier lang, heh? Ihr friert – warum habt Ihr Eure Decke nicht mitgebracht? – Ich sagt's Euch gleich. – Noch nichts gehört?"
"Nicht die probe," erwiderte verdriesslich der Angeredete – "ich glaube auch gar nicht, dass sie noch heute Abend kommen; dann wird es wirklich ein charmanter Spass. Wenn ich die ganze Nacht hier ohne Decke und Feuer lagern muss, bin ich morgen früh eine Leiche."
"Das wär' ein Verlust von wenigstens zwanzig Dollar für den Sheriff!" lachte Cotton, denn dies war der würdige Begleiter des jungen Mannes. "Uebrigens glaube' ich kaum